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15.12.2015

16:12 Uhr

Die Reichen der Welt

Vom Aufstieg und Fall der Milliardäre

VonHolger Alich

Die Zahl der Milliardäre nimmt zu. Doch wer hoch fliegt, fällt oft tief, belegt eine neue Studie. Die Autoren haben den Werdegang von Milliardären über Jahrzehnte verfolgt – und kommen zu überraschenden Erkenntnissen.

Die reichste deutsche Frau ist Susanne Klatten (hier mit Ehemann Jan). Forbes schätzt ihr Vermögen auf knapp 15 Milliarden Dollar. dpa

Quandt-Erbin Susanne Klatten

Die reichste deutsche Frau ist Susanne Klatten (hier mit Ehemann Jan). Forbes schätzt ihr Vermögen auf knapp 15 Milliarden Dollar.

ZürichReichtum kann so flüchtig sein. Gab es 1995 noch 289 Milliardäre, hat sich heute die Zahl der einst erfassten um mehr als die Hälfte reduziert. Sie verfügen über kein Milliardenvermögen mehr. Zu dieser Erkenntnis kommt eine neue Studie der Schweizer Großbank UBS und der Beratungsfirma PwC. Die abgestiegenen Milliardäre „sind infolge ihres Todes, der Auflösung der Familie oder des Untergangs ihres Unternehmens von der Liste gestrichen worden“, schreibt die UBS. So sorgen etwa die Erbschaftssteuern in den USA und Großbritannien dafür, dass die Nachkommen eines Milliardärs keine zehnstelligen Vermögen vererbt bekommen.

Von der ursprünglichen Liste von 1995 sind heute noch 126 Milliardäre übrig. Die haben jedoch erfolgreich gewirtschaftet. Sie steigerten laut Studie ihr Vermögen im Schnitt um 2,9 Milliarden auf elf Milliarden Dollar und schlagen damit die Entwicklung des Aktienmarktes und der globalen Wirtschaftsentwicklung.

Zwar liegen Aufstieg und Fall der Superreichen nah beieinander. Der generelle Trend deutet indes klar in eine Richtung: nach oben. Seit 1995 stieg die Zahl der Milliardäre von 1995 bis 2014 von 289 auf zuletzt 1347. Insgesamt gehören ihnen Vermögenswerte von 5,4 Billionen Dollar. Zum Vergleich: Das ist weit mehr, als Deutschland in einem Jahr an Gütern und Dienstleistungen erwirtschaftet. 2014 erreichte das Bruttoinlandsprodukt – in Dollar gerechnet – knapp 3,2 Billionen.

Interessanterweise steigt allerdings die Zahl der Frauen, die über ein zehnstelliges Vermögen verfügen, schneller als jene der Männer. In den vergangenen 20 Jahren wuchs die Zahl der Milliardärinnen um den Faktor 6,6 auf 145. Die Zahl der Milliardäre wuchs nur um den Faktor 5,2 auf 1202. Damit wird der Club der Super-Reichen trotz des rasanten Aufstiegs der Frauen weiterhin von Männern dominiert.

Erneut erweist sich Asien als die dynamischste Region, wenn es ums Vermögen geht: Dort kletterte die Zahl der sehr reichen Frauen in den vergangenen zehn Jahren um den Faktor 8,3 auf 25. In Europa stieg ihre Zahl von 21 auf 57 um den Faktor 2,7. Die meisten Milliardärinnen gibt es laut Studie in den USA mit 63. Vor zehn Jahren waren es 37.

In Asien sind die Milliardärinnen laut Studie primär Unternehmerinnen. Ein Parabeispiel ist Zhou Qunfei. Sie gründete das Unternehmen „Lens Technology“, das für Touchscreens herstellt. Mit 7,5 Milliarden Dollar Vermögen ist sie laut Forbes die reichste Frau Asiens und in der Rangliste auf Platz 165 der Welt.

So legen die Deutschen an

Sparbuch und Tagesgeld über alles

Deutsche Anleger bleiben ihrem Sparbuch sowie dem Tagesgeldkonto treu (77,3 Prozent) – und das obwohl zwei von drei Befragten davon ausgehen, dass das niedrige Zinsniveau in Europa noch mindestens drei bis fünf Jahre anhalten wird (65,4 Prozent). Auf dem zweiten Platz folgen Aktien bzw. Aktienfonds, in die 26,1 Prozent der Befragten investiert sind. Immobilien- oder Immobilienfondsanlagen halten 19,1 Prozent, Anleihen oder Rentenfonds 12,4 Prozent der Anleger. 9,5 Prozent der Befragten haben derzeit kein Geld in einer der genannten Anlageformen investiert.

 

Quelle: Goldman Sachs Asset Management/TNS Infratest (Oktober 2015)

Sicherheit ist Trumpf

Sicherheit bleibt unverändert das wichtigste Kriterium bei der Entscheidung über die eigene Geldanlage (61,8 Prozent). Die ständige Verfügbarkeit des Geldes ist 29,4 Prozent der Anleger am wichtigsten, eine hohe Rendite nannten lediglich 6,8 Prozent der Befragten als wichtigstes Kriterium.

Wirtschaftliche Krisen als größtes Risiko

Als größte Risiken für ihre Geldanlage sehen private Investoren wirtschaftliche Krisen (42,9 Prozent). Mit deutlichem Abstand folgen Inflation und politischen Krisen (22,1 Prozent bzw. 15,6 Prozent). Staatsverschuldung und Deflation spielen, wie im vergangenen Jahr, eine vergleichsweise untergeordnete Rolle.

Frustrierte Sparer, zufriedene Aktionäre

60,4 Prozent der Anleger, die ein Sparbuch oder Tagesgeldkonto haben, sind eher unzufrieden oder sogar äußerst unzufrieden mit ihrer Geldanlage. Mit ihren Erträgen bei Aktien/Aktienfonds, die gerade im aktuellen Niedrigzinsumfeld bessere Renditen versprechen, sind 69,2 Prozent sehr zufrieden oder eher zufrieden, mit Anleihen/Rentenfonds 62,7 Prozent. Am zufriedensten sind Immobilien- bzw. Immobilienfondsanleger mit ihren Erträgen: Hier geben über drei Viertel der Anleger an, sehr zufrieden oder eher zufrieden zu sein (78,4 Prozent).

In Europa haben Frauen ihr Vermögen hingegen meist geerbt, so auch L’Oréal-Erbin Liliane Bettencourt. Die Französin ist laut Forbes mit einem Vermögen von 38,6 Milliarden Dollar aktuell der zehntreichste Mensch der Welt. Mit knapp 15 Milliarden Dollar Vermögen ist Susanne Klatten, Erbin des Industriellen Herbert Quandt, die reichste Deutsche.

Die Studie hat zudem drei Wesensmerkmale von erfolgreichen Milliardären herausgearbeitet: Sie gehen wohlüberlebt Risiken ein, fokussieren sich geradezu obsessiv auf das Geschäft und agieren mit großer Beharrlichkeit. Als größte Gefahr sieht der Club der Superreichen steigende Steuern und die immer strengere Regulierung. Diese Erkenntnis dagegen ist keine Überraschung.

Rürups Faktencheck: Werden Reiche immer reicher?

Video: Rürups Faktencheck: Werden Reiche immer reicher?

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