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17.07.2012

09:34 Uhr

„Die Schuldenlawine“

Der Weg aus der Krise wird schmerzhaft

VonJörg Hackhausen, Michael Stahl

Was macht die Krise aus unserem Geld? Die Vermögensverwalter Bert Flossbach und Philipp Vorndran geben Antworten. Im Buch „Die Schuldenlawine“ entwerfen sie ein Szenario von der Welt im Jahr 2015. Es wird ungemütlich.

Buchcover: "Die Schuldenlawine" von Bert Flossbach und Philipp Vorndran, Finanzbuch Verlag 2012. Pressebild

Buchcover: "Die Schuldenlawine" von Bert Flossbach und Philipp Vorndran, Finanzbuch Verlag 2012.

Die Politik stellt weitere Milliarden für die Euro-Rettung bereit. Eilig muss ein Fiskalpakt her. Banken droht die Pleite. Und in Spanien gehen Menschen auf die Straße, um gegen Sparmaßnahmen zu demonstrieren. Die Zeitungen sind voll mit derartigen Meldungen. Immer ist dann von „Krise“ die Rede. Aber wie und warum sie zusammenhängen, und was sie für jeden einzelnen von uns bedeuten, das erklärt kaum einer; nicht die Politiker, die es oft selbst nicht besser wissen, nicht die Banker, deren Geschäftsmodell darin besteht, dass niemand ihre komplexen Geschäfte versteht, auch nicht die Ökonomen, die sich lieber untereinander streiten.

Es wird höchste Zeit, dass jemand für Aufklärung sorgt - haben sich zwei Männer gedacht, die sich bestens mit Geld auskennen. Sie sagen: „Für viele Menschen wird die Schuldenkrise zum bedrohlichsten finanziellen Ereignis ihres Lebens werden.“

In ihrem neuen Buch „Die Schuldenlawine. Eine Gefahr für unsere Demokratie, unseren Wohlstand und Ihr Vermögen“ warnen Bert Flossbach und Philipp Vorndran vor den Folgen der Schuldenkrise. „Unsere Sorge gilt längst nicht mehr einem Kollaps an den Finanzmärkten. Darauf können wir uns vorbereiten“, schreiben sie.

So bedrohlich das klingt, es geht den beiden Autoren nicht darum, Panik zu verbreiten. Dafür steht  für sie selbst zu viel auf dem Spiel. Die beiden zählen aktuell zu den erfolgreichsten Geldmanagern in Deutschland. Sie sind die Vordenker der Kölner Vermögensverwaltung Flossbach von Storch, die rund sieben Milliarden Euro im Auftrag ihrer Kunden anlegt.

In ihrem nun erschienenen Buch erklären sie, was auf die Bürger in den nächsten Jahren zukommt. Die Kernthese: Es ist zu spät, um aus den Schulden „herauszuwachsen“. Nur durch höhere Inflation kommen die Euro-Staaten von ihren hohen Schuldenquoten runter. Die Politik wird sich das Geld, das sie jetzt ausgibt, von den Sparern und den Steuerzahlern holen.

Fünf Bausteine zur sicheren Geldanlage

Risiken streuen

Beim Aufbau von Vermögen, raten die Finanzexperten Bert Flossbach und Philipp Vorndran auf Ausgewogenheit zu achten. Wer sein Geld nicht nur auf ein Pferd setzt, sondern in verschiedene Anlageformen und -gebiete investiert, kann sich besser vor gravierenden Verlusten schützen. Eine Diversifikation solle zudem auch nach Depotstätten und Investitionszeitpunkten erfolgen, empfehlen die Autoren. Eine Investition ausschließlich in vermeintlich sichere Anlagen wie Rentenpapiere oder Festgeld hingegen sei kein Ersatz für eine solide Risikostreuung.

Flexibilität

Wenn sich Veränderungen im Anlageumfeld ergeben, sollten die Anleger rasch reagieren können. Hierzu müssen sich die Investoren laut Flossbach und Vorndran jederzeit Zugang zu ihrem Vermögen verschaffen können. Vor diesem Hintergrund seien Investitionen in Immobilien und illiquide Vermögenswerte besonders Risiko behaftet, so die beiden Autoren.

Zahlungsfähigkeit

Schulden erhöhen das Risiko, große Teile des Vermögens zu vernichten. Im schlimmsten Fall droht der Totalverlust. Die Autoren raten Anlegern daher, bei Investitionsentscheidungen stets ihre Zahlungsfähigkeit im Auge zu behalten und ihre Verbindlichkeiten im besten Falle sofort zu begleichen.

Qualität

Ebenfalls maßgebend für eine gute Geldanlage ist den Autoren zufolge die Werthaltigkeit. Die wird bei Immobilien unter anderem bestimmt durch die Attraktivität der Lage in der das Objekt steht. Bei Anleihen ist es die Bonität und bei Aktien die Nachhaltigkeit der jeweiligen Unternehmensstrategie, die über gute und schlechte Investitionen entscheidet.

Eigene Meinung

Prozyklisch oder antizyklisch agieren? Darüber lässt sich trefflich streiten. Wie so oft liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen. Anleger, die Ende der 1990er Jahre auf den New-Economy-Zug aufgesprungen waren, haben mitunter ein Vermögen gemacht. Allerdings nur die, die das Platzen der Blase vorhergesehen haben und rechtzeitig wieder ausgestiegen sind. Wer allerdings prinzipiell gegen den Trend agiere, so die Autoren, dem drohen bei einer nachhaltigen Marktentwicklung herbe Verluste.

Um klarzumachen, was auf dem Spiel steht, entwerfen die Autoren ein Bild von der nicht allzu fernen Zukunft. Die Welt im Jahr 2015. Den Euro gibt es immer noch - die Krise auch. Griechenland und Portugal sind aus der Euro-Zone ausgetreten. Die Verschuldung der restlichen Euro-Staaten ist auf 13,5 Billionen Euro angewachsen. Der deutsche Bundeskanzler heißt Peer Steinbrück. Damit der Staat seine Schulden bezahlen kann, bittet er die Bürger zur Kasse. Ein lediger Durchschnittsverdiener kommt fast schon auf den Spitzensteuersatz von 50 Prozent plus zwei Prozent als Soli für den Euro.

Noch härter trifft die Bürger die Geldentwertung.

Kommentare (31)

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kaneohe

17.07.2012, 09:46 Uhr

Kurz gesagt: 2015 ist keine Zeit! Es ist absolut uninteressant als Messlatte oder Perspektivzeitpunkt. Interessanter und aufschlussreicher wären die Jahre 2020 oder 2025. Wo wird Europa DA stehen oder wohin, wie tief wird es kulturell weil wirtschaftlich, garnicht zu reden von MENSCHLICH gefallen sein. EINIG EUROPA...FRIEDEN...weil EURO..weil EU...SCHROTT!!!TTT!!! Bankster gehören in ein russisches Arbeitslager. Ebenso politische Ausführer dieser Bankstergilde. Deren Hauptköpfe jedoch in NY bzw. der FED sitzen. Von den auslösenden Figuren vergetiert nur noch Thatcher dahin. Doch Bill C. war um kein Haar intelligenter. Wann gehen die "Leit" endlich auf die Straße? Muss D soweit verkommen wie ESP????

Ludwig500

17.07.2012, 10:01 Uhr

Prinzipiell sicher ein lesenswertes Buch, vor allem für die völlig desinformierte Allgemeinheit. Allerdings kann ich mir nicht vorstellen, dass der Euro den Austritt von Griechenland und/oder Portugal überlebt. Erst recht nicht bis 2015.

Wenn das erste Mitglied insolvent aus dem Euro raus geht ist das Chaos doch eingeleitet. Billionen an Buchgeld lösen sich in Luft auf, das kann der Euro nicht überleben.

stop_esm

17.07.2012, 10:01 Uhr

Die Leute merken noch nichts!
Außer, dass die Sonne hier im Rheinland fehlt ;-)
Und viele sind zu blöd für die Zusammenhänge und informieren sich nicht!

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