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25.08.2015

13:39 Uhr

Die Tücken der Aktienanlage

Jan Böhmermann und der Börsen-Crash

VonMartin Dowideit

Anleger hat der Kurssturz vom Montag überrascht. Das Dax-Minus von zwischenzeitlich fast acht Prozent katapultierte sie aus Aktien, die jetzt wieder deutlich im Plus liegen. Eine Lektion – auch für TV-Moderatoren.

„Neo Magazin Royale“ heißt Böhmermanns Satire-Sendung im ZDF und bei ZDF Neo. Imago

Jan Böhmermann

„Neo Magazin Royale“ heißt Böhmermanns Satire-Sendung im ZDF und bei ZDF Neo.

DüsseldorfDer Tweet von TV-Moderator Jan Böhmermann kam am Montag um 17.06 Uhr, anderthalb Stunden nachdem der Dax eine Art Bungee-Sprung hingelegt hatte. Um 15:30 Uhr notierte der Deutsche Aktienindex bei 9.523 Punkten, vier Minuten später auf dem Tagestief von 9.338 Punkten und um 15:41 Uhr wieder bei über 9.500 Punkten. 200 Punkte abwärts und wieder aufwärts in elf Minuten – das ist ein heftiger Kursausschlag.

„Gute Aktientipps (leider zu spät)“, schrieb Böhmermann danach beim Kurznachrichtendienst Twitter, „Folge 1: Stop-Loss-Orders haben nicht nur Vorteile.“ Ob der Bungee-Effekt Böhmermanns eigenes Depot erwischte oder nicht, die Frage wollte er auf Nachfrage des Handelsblatts nicht beantworten. Doch in jedem Fall macht Böhmermann damit auf die Tücken eines eigentlich als Sicherheitsmechanismus gedachten Werkzeugs aufmerksam.

Falle: Gefahr beim plötzlichen Kursknick

Mit den erwähnten Stop-Loss-Orders kann man sich gegen fallende Kurse absichern. Sie funktionieren so: Für eine Aktie im Depot kann man einen Wert festlegen, bei dem diese automatisch verkauft werden soll. Beispiel: Wer BASF-Aktien zu 70 Euro zum Jahresbeginn ins Depot gelegt und den Stop-Loss-Kurs zehn Prozent tiefer bei 63,00 Euro festgelegt hatte, den hat es gestern in den elf Minuten des Schreckens erwischt. Die Aktie wurde verkauft – heute steht das Papier aber schon wieder bei 68 Euro. Stop-Loss-Orders haben nicht nur Vorteile.

Arten von Kauf- und Verkauforders

Bestens

Bei dieser unlimitierten Order werden die Aktien ohne weitere Bedingungen zum nächstmöglichen Preis verkauft.

Billigst

Gibt der Anleger die Order billigst, werden die Aktien ohne weitere Bedingungen zum nächstmöglichen Preis gekauft.

Limit

Der Anleger nennt für den Kauf oder Verkauf von Wertpapieren einen Höchst- oder Mindestkurs. Ober- oder unterhalb dieser Grenze werden dann keine Aktien geordert.

Stop-Buy-Order

Der Anleger kann eine Grenze angeben, oberhalb der Aktien gekauft werden sollen. Ohne weiteren Zusatz erfolgt die Order zum nächstmöglichen Preis.

Stop-Buy-Limit

Zusätzlich zur Grenze, ab der Aktien gekauft werden sollen, kann der Anleger auch ein Limit für den maximalen Preis angeben.

Trailing-Stop-Buy

Ein Trailing Stop-Buy basiert auf einer Stop-Buy-Order. Es wird also ein Kurs festgesetzt, bei dem gekauft werden soll. Allerdings passt sich der Stop-Buy automatisch an, wenn der Kurs fällt.
Ein Beispiel: Bei einem aktuellen Kurs von 100 Euro wurde der Trailing-Stop-Buy auf 110 Euro festgesetzt. Fällt dann der Kurs auf 95 Euro, fällt auch der Stop-Buy auf 105 Euro. Der Abstand zwischen Kurs und Stop-Buy wird also beibehalten. Er kann in Euro oder Prozent angegeben werden.

Stop-Loss-Order

Sobald ein bestimmter Kurs unterschritten wird, werden die Aktien verkaufen. Ohne weiteren Zusatz erfolgt die Order zum nächstmöglichen Preis.

Stop-Loss-Limit

Will der Anleger unterhalb einer bestimmten Grenze Aktien verkaufen, jedoch nicht jeden Preis zahlen, kann er die Stop-Loss-Order auch mit Limit einrichten.

Trailing-Stop-Loss

Analog zur Stop-Loss-Order wird auch beim Trailing Stop-Loss ein Kurs festgesetzt, bei dem Aktien verkauft werden sollen. Dieser Stop-Loss wird bei steigenden Kursen jedoch automatisch angepasst.
Ein Beispiel: Bei einem aktuellen Kurs von 100 Euro wurde der Trailing-Stop-Loss auf 90 Euro festgesetzt. Steigt dann der Kurs auf 105 Euro, steigt auch der Stop-Loss auf 95, der Abstand zwischen Kurs und Stop-Loss wird also beibehalten. Er kann in Euro oder Prozent angegeben werden.

One-Cancels-Other-Order

Bei einer Order nach dem Prinzip One-Cancels-Other werden quasi zwei Orders abgegeben. Damit ist der Anleger gleichzeitig für steigende und fallende Kurse gerüstet. Das Stop-Limit sichert den Anleger bei einem Kurssturz ab und mit dem oberen Verkaufslimit kann er sich auf einen Kurs festlegen, bei dem er Gewinne mitnehmen möchte.

Die Gefahren der Blitzcrashs haben in den vergangenen Jahren gefühlt zugenommen. Verantwortlich gemacht werden dafür meist Hochfrequenz-Händler, die in Bruchteilen von Sekunden professionell handeln. Gegen das plötzliche Ab- und Wieder-Auftauchen hilft dann Kleinanlegern auch nicht eine Variante der Order, der Trailing Stop-Loss. Dabei passt sich der Verkaufskurs automatisch der Kursentwicklung der Aktie an und liegt dann zum Beispiel immer zehn Prozent unter dem letzten Höchstkurs.

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Beispiel: Bei einem aktuellen Kurs von 100 Euro wurde der Trailing-Stop-Loss auf 90 Euro festgesetzt. Steigt dann der Kurs auf 105 Euro, steigt auch der Stop-Loss auf 95, der Abstand zwischen Kurs und Stop-Loss wird also beibehalten. Der Abstand kann in Euro oder Prozent angegeben werden. Nach neuen Höchstständen, die eine Veränderung des Stop-Kurses bewirken, wird regelmäßig geschaut – bei der Comdirect etwa „mindestens einmal stündlich“.

Kommentare (4)

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Herr Ralf Becker

25.08.2015, 13:57 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

Frau Ich Kritisch

25.08.2015, 16:07 Uhr

Wenn morgen einer aus dem Dschungelcampt (oder sonst was in der Art) einen Tweet sendet, er/sie/es würde nun Aktien oder Fonds oder etwas ähnliches kaufen - macht das HB da dann die nächste Titelstory draus?

Sorry, aber ist das hier die Bravo?

Account gelöscht!

25.08.2015, 18:46 Uhr

Ihnen wäre die Bravo vermutlich lieber, aber was Böhmermann da geschrieben hat, ist durchaus intelligent.

Intelligenter jedenfalls, als das Meiste, was es etwa von Telebörsen-Raimund so an Weisheiten zu hören gibt.

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