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22.10.2015

10:54 Uhr

Dieselgate und Liquidität

So sollen deutsche Sparer VW stützen

VonAnke Rezmer, Andrea Cünnen, Laura de la Motte

Volkswagen gewährt aufs Tagesgeld 1,25 Prozent Zinsen und rückt damit in die Spitzengruppe der Anbieter auf. Gleichzeitig baut der Konzern so einen Liquiditätspuffer auf. Eine Win-win-Situation?

Die VW-Bank bietet 1,25 Prozent aufs Tagesgeld economy.one

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Die VW-Bank bietet 1,25 Prozent aufs Tagesgeld

FrankfurtFür harte Zeiten legt man besser etwas auf die hohe Kante – dieses Motto für Sparer macht sich offenbar auch VW zu Eigen. Mit seinem Jubiläumsangebot sammelt der von der Dieselaffäre gebeutelte Autobauer seit dem 5.  Oktober Liquidität zu einem Tagesgeld-Spitzenzins von 1,25 Prozent pro Jahr von neuen Kunden ein.

In der Branche wird gemunkelt, dass Volkswagen Liquidität horte, die der Konzern für die Refinanzierung brauche.

Offiziell ist das neue Tagesgeldangebot jedoch nur ein Schmankerl für neue Kunden zum 25-jährigen Jubiläum der Banktochter VW Bank direkt, deren Marke inzwischen in der Volkswagen Bank aufgegangen ist. Der Geburtstag des VW-Direktbankengeschäfts war zwar schon im Juni, aber die Aktion sei von vornherein für den Herbst vorgesehen gewesen, sagte ein Sprecher.

Tagesgeld-Konditionen im Vergleich

Beste Tagesgeld-Konditionen (Stand: 21.10.2015)

Folgend Banken bieten die besten Tagesgeld-Konditionen für eine Anlagesumme in Höhe von 5.000 Euro.

Quelle: FMH-Finanzberatung

Platz 1

Volkswagen Bank
1,25 Prozent
nur für Neukunden

Platz 1

Audi Bank
1,25 Prozent
nur für Neukunden

Platz 1

PSD Rhein Neckar Saar
1,25 Prozent
nur für Neukunden im Einzugsgebiet

Platz 4

Wüstenrot
1,11 Prozent
nur für Neukunden

Platz 5

Renault Bank Direkt
1,1 Prozent
nur für Neukunden / gesetzliche Einlagensicherung 100.000 Euro

Platz 6

1822 direkt
1,0 Prozent
nur für Neukunden

Platz 6

ING Diba
1,0 Prozent
nur für Neukunden

Platz 8

MoneYou
0,95 Prozent
gesetzliche Einlagensicherung 100.000 Euro

Doch dass VW die Sparer gerade jetzt mit dem hohen Tagesgeldzins lockt, passe wie die Faust aufs Auge, sagt ein Insider. „Wir wollen schon Geld einsammeln“, konstatiert auch der Sprecher. Dabei hatte Volkswagen-Bank-Chef Anthony Bandmann dies noch vor einem Monat auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt lässig abgetan: „Einige Institute wollen mehr Einlagen generieren, deswegen bieten sie höhere Konditionen“, sagte er Richtung Opelbank, die jüngst neu in den Tagesgeldmarkt einstieg. Das war aber noch vor dem Bekanntwerden von „Dieselgate“.

Die Volkswagen Bank sieht sich mit 1,2 Millionen Tagesgeldkunden als einer der größten Anbieter in Deutschland. Auf der IAA hatte Bandmann betont, sein Haus habe knapp 24 Milliarden Euro „stabile“ Einlagen. Mögliche Strafzahlungen, Nachrüstungen und Umsatzeinbrüche könnten den VW-Konzern nach internen Schätzungen über die nächsten Jahre bis zu 40 Milliarden Euro kosten. Dies würde beträchtlich am hohen Liquiditätspolster des Konzerns nagen. Die Refinanzierung über herkömmliche Anleihen wäre für VW nicht mehr so billig wie vor der Krise. Die Kurse der VW-Anleihen sind gefallen und die Renditen im Gegenzug gestiegen. Im Euro-Raum hatte VW zuletzt im August eine Anleihe begeben. die mit knapp 0,8 Prozent rentierte. Im Handel ist die Rendite des in fünf Jahren auslaufenden Papiers auf rund 2,2 Prozent geklettert. (ISIN XS1273507100)

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VW ist nicht nur Autogigant, sondern auch eine lukrative Bank: Bislang war die Finanzsparte für den Konzern eine Gewinnmaschine, liefert sie doch regelmäßig ein Milliardenergebnis ab. Aber welche Folgen hat „Dieselgate“?

Nutznießer des Ganzen sind die Sparer. Sie können zumindest für vier Monate einen Top-Tagesgeldzins einstreichen. 1,25 Prozent sind Spitzenzinsen für Neukunden oder neue Anlagen im Tagesgeldranking der Frankfurter FMH-Finanzberatung, die Tages- und Festgeldzinsen beobachtet. So viel zahlt nur noch die VW-Schwesterbank Audi Bank und die genossenschaftliche PSD Rhein-Neckar-Saar für Kunden ihres Einzugsgebietes.

Kommentare (12)

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Herr Jürgen Dannenberg

22.10.2015, 11:41 Uhr

"mit dem hohen Tagesgeldzins lockt" ?????
Ein Witz,oder? Aber wenn man es oft genug wiederholt glaubt, man es vielleicht sogar noch selbst.

Account gelöscht!

22.10.2015, 11:53 Uhr

Wenn VW seine Strategie ändert und in Zukunft auf die staatliche Planwiritschaft via E-Mobilität Subventionen baut und nicht mehr auf die freie Marktwirtschaft, dann wird man bald soviel Freude am Aktienkurs und damit an seinen Ersparnissen haben ,wie es EON;RWE,ENBW und viele Stadtwerke es haben....Verluste über Verluste...Mangel und Armut snd das Ziel der Energiewende/EEG.....nur nochmal zur Erinnerung. Danke!

Herr Josef Schmidt

22.10.2015, 12:22 Uhr

Mit den eigenen Spareinlagen diesen Betrug auch noch finanzieren und belohnen ? Gehts noch ?

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