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14.09.2016

12:05 Uhr

Digitale Geldanlage

Per Internet zum Profi-Anleger

VonKatharina Schneider

Mit wenigen Klicks ein Depot eröffnen, die Strategien erfolgreicher Anleger einfach kopieren oder doch einen Robo-Berater engagieren? Eine Studie zeigt die Geldanlage-Trends – ganz ohne Vorwissen geht es oft aber nicht.

Der Weg an die Börse soll mit digitalen Angeboten leichter werden. dpa

Bulle und Bär

Der Weg an die Börse soll mit digitalen Angeboten leichter werden.

FrankfurtGeldanlegen ist heute ganz einfach – diesen Eindruck gewinnt zumindest, wer im Internet nach Begriffen rund um das Thema Geldanlage sucht: Hier schnell ein Depot eröffnen, da die neuesten Marktanalysen lesen, das Portfolio anderer Anleger kopieren oder gleich alles vom Algorithmus-gesteuerten Robo Advisor verwalten lassen. Wer von Null-Zins-Produkten genug hat und sich in die Welt von Aktien und anderen Wertpapieren wagen möchte, findet online eine Vielzahl von Anbietern, die dabei helfen wollen. Häufig sind das junge Finanztechnologie-Firmen – Fintechs.

„In Deutschland steckt das Digitale Wealth Management noch in den Kinderschuhen“, sagt Stephan Paxmann, Gründer der Frankfurter Unternehmensberatung TME AG. „Es gibt aber viele Geschäftsmodelle, von denen Kunden heute schon profitieren können.“ Welche das sind und wie Banken auf die digitalen Angebote reagieren sollten, hat TME in seiner Studie „Innovative Geschäftsmodelle im Digital Wealth Management“ untersucht, die dem Handelsblatt vorliegt.

Die grössten Fehler der Anleger

Risikotoleranz

Die Neigung, Risiken einzugehen, ist mit zwei demografischen Faktoren verbunden: Geschlecht und Alter. Frauen sind normalerweise vorsichtiger als Männer und ältere Menschen sind weniger bereit, Risiken einzugehen, als jüngere Leute. Die Konsequenzen der Verhaltensökonomik für Anleger sind klar: Wie wir uns bei der Geldanlage entscheiden und wie wir uns bei der Verwaltung unserer Anlage entscheiden, hängt sehr davon ab, wie wir über Geld denken. [...] Sie demonstriert, dass Marktwerte nicht ausschließlich von den gesammelten Informationen bestimmt werden, sondern auch davon, wie menschliche Wesen diese Informationen verarbeiten.

Übertriebene Zuversicht

An sich ist Zuversicht ja keine schlechte Sache. Aber übertriebene Zuversicht ist etwas ganz anderes, und sie kann besonders im Umgang mit unseren Finanzangelegenheiten Schaden anrichten. Übertrieben zuversichtliche Anleger treffen nicht nur für sich selbst dumme Entscheidungen, sondern diese wirken sich auch sehr stark auf den Mark als Ganzes aus.

Kurzfristiges Denken

Menschen [legen] zu viel Wert auf wenige mehr oder wenige zufällige Ereignisse [...] und meinen, sie würden darin einen Trend erkennen. Insbesondere sind Anleger tendenziell auf die neuesten Informationen fixiert, die sie bekommen haben, und ziehen daraus Schlüsse. So wird der letzte Ergebnisbericht in ihrem Denken zum Signal für künftige Gewinne. Und da sie meinen, sie würden etwas sehen, das andere nicht sehen, treffen sie dann aufgrund oberflächlicher Überlegungen schnelle Entscheidungen.

Verlustaversion

Der Schmerz durch einen Verlust [ist] viel größer als die Freude über einen Gewinn. Bei einer 50:50-Wette, bei der die Chancen exakt gleich sind, riskieren die meisten Menschen nur dann etwas, wenn der potenzielle Gewinn doppelt so groß ist wie der potenzielle Verlust. Das nennt man asymmetrische Verlustaversion. [...] Auf den Aktienmarkt bezogen bedeutet dies, dass sich die Menschen beim Verlust von Geld doppelt so schlecht fühlen, wie sie sich gut fühlen, wenn sie einen Gewinn erzielen. Diese Abneigung gegen Verluste macht Anleger übertrieben vorsichtig, und das hat einen hohen Preis. [...] Wir wollen alle glauben, wir hätten gute Entscheidungen getroffen, und deshalb hängen wir zu lange an schlechten Entscheidungen, in der vagen Hoffnung, die Dinge werden sich noch wenden.

Verdrängen

Wir neigen dazu, das Geld geistig auf verschiedene Konten zu buchen, und dies bestimmt, wie wir es verwenden. [...] Zudem wurde die geistige Buchhaltung als Grund angeführt, weshalb Menschen schlecht laufende Aktien nicht verkaufen: In ihren Augen wird der Verlust erst real, wenn sie ihn realisieren.

Quelle: Robert G. Hagstrom, Warren Buffett. Sein Weg. Seine Methode. Seine Strategie., Börsenbuchverlag 2011.

Die Autoren der Studie haben im Bereich des Wealth Managements 140 Fintechs aus Deutschland, Großbritannien und den USA analysiert und ordnen diese in fünf Kategorien ein: Research-Tools, Online-Brokerage, Social Community, Robo Advisory und Crowdinvesting. Die 70 besonders relevanten wurden detaillierter betrachtet. Vielen Angeboten attestieren die Studienautoren, dass sie den Kunden bei Anlageentscheidungen unterstützen, indem sie ihn mit Informationen und Analysen versorgen, die noch vor wenigen Jahren nur Profi-Anlegern zugänglich waren. Allerdings: „Bei den meisten Angeboten muss der Nutzer schon eine gewisse Affinität zum Thema Finanzen mitbringen“, sagt TME-Gründungspartner Stefan Roßbach. Ganz ohne Vorwissen geht es häufig also nicht.

Research-Tools

Beispiel Research-Tools: Hier wurden etwa Trendlink, Meetinvest und Stockpulse betrachtet. Trendlink listet aktuelle Anlagetrends auf und zeigt dazugehörige Aktien. Die Schweizer Plattform Meetinvest bietet ein Aktien-Screening, wobei die Auswahlkriterien für die Papiere auf Investmentansätzen von Branchengrößen wie Warren Buffet oder John Templeton basieren. Stockpulse bietet eine Sentimentanalyse, wobei anhand von online verfügbaren Nachrichten, Kommentaren, Tweets und ähnlichem das Stimmungsbild zu Wertpapieren und Devisen ermittelt wird. Vielfach gibt es bei den Research-Tools eine kostenlose Basisversion, für die sich der Nutzer meist mit seiner E-Mail-Adresse anmelden muss. Wer mehr Funktionen nutzen möchte, muss dann teils eine Gebühr zahlen.

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Analysen bekommt der Anleger aber nicht nur bei Fintechs, sondern häufig auch schon über das Online-Banking seiner Hausbank. „Das Kalkül dahinter ist relativ einfach: Besser informierte Kunden sind aktiver, gerade auch im Bereich der Vermögensanlage“, sagt Paxmann. Allerdings: Für Kunden, die gerade erst beginnen, sich mit Geldanlage zu beschäftigen, dürften solche Tools häufig zu kompliziert sein. „Zielgruppe sind Kunden, die sich bereits am Kapitalmarkt auskennen und aktives Trading betreiben.“ In Deutschland ist das nur eine Minderheit.

Kommentare (1)

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Herr Chris Woodley

14.09.2016, 13:04 Uhr

Am SCHNELLSTEN verliert man sein Geld beim Kartenspiel.
Am ANGENEHMSTEN mit schönen Frauen.
Am DÜMMSTEN an der Börse.
(Andre Kostolany)

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