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12.04.2017

12:25 Uhr

Dirk Müller, Robert Halver, Eckhard Sauren

Wann kommt der Crash?

VonJessica Schwarzer

Im Jahr neun der Rally an den Aktienmärkten fragen sich viele Investoren, wie lange das noch gutgehen kann. Klar ist: Irgendwann kommt der Crash. Nur wann und warum? Prominente Anlageexperten geben Antworten.

Darüber diskutierten Mr. Dax Dirk Müller, Dachfondsmanager Eckhard Sauren und Kapitalmarktexperte Robert Halver mit Handelsblatt-Chefkorrespondentin Jessica Schwarzer. Andy Ridder für Handelsblatt

Börse 2017 - Chancen und Risiken

Darüber diskutierten Mr. Dax Dirk Müller, Dachfondsmanager Eckhard Sauren und Kapitalmarktexperte Robert Halver mit Handelsblatt-Chefkorrespondentin Jessica Schwarzer.

DüsseldorfNur noch knapp 20 Punkte haben in der vergangenen Woche gefehlt, doch sein Allzeithoch hat der Deutsche Aktienindex nicht geknackt. Höhenangst oder fundamentale Gründe? Aktuell notiert der Dax wieder deutlich tiefer, auf einen neuen Rekord müssen Anleger weiter warten. Doch was passiert dann? Geht die Rally, die immerhin schon im neunten Jahr läuft, munter weiter? Oder droht ein Crash? Immerhin erleben Investoren gerade die längste Hausse in der jüngeren Geschichte.

Gibt es aktuell mehr Chancen oder mehr Risiken an den Märkten? Darüber diskutierten Fondsmanager Dirk Müller, alias „Mr. Dax“, Dachfondsmanager Eckhard Sauren und Robert Halver, Leiter der Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank, jüngst auf der Anlegermesse Invest. Die Botschaft war schnell klar: Die Risiken überwiegen ganz klar, doch es gibt auch Chancen.

Der Jahresstart kann sich sehen lassen, der Dax ist gut sechs Prozent im Plus, auf Sicht von einem Jahr sind es sogar mehr als 25 Prozent. Auf längere Sicht sieht die Bilanz sogar noch besser aus. Seit dem Krisenjahr 2008 ist der Dax um stolze 275 Prozent gestiegen. Doch die Skepsis unter den Experten wächst, dass das so weiter geht. „Wir leben an der Börse immer in Zyklen“, sagt Dirk Müller. „Und das ist nicht nur an der Börse so, sondern auch in Volkswirtschaften. Unsere ganze Wirtschaft besteht aus Boom and Bust, also einer starken Phase und eben auch einer Rezession.“ Nach neun Jahren Börsenaufschwung sollte nun, allein schon mit Blick auf den Zyklus „demnächst mal die Gegenbewegung kommen“.

Wann die komme, könne natürlich niemand sagen. „Aber in der Vergangenheit war es in der Regel so, dass steigende Zinsen der Auslöser für die Rezession und damit diese Abschwungbewegung an den Märkten waren“, so Müller. Alles deute momentan darauf hin, dass es bald soweit sei. „Ich glaube nicht, dass die nächste Bewegung noch mal 270 Prozent nach oben ist, sondern eher ein deutlicher Schlag runter“, befürchtet Mr. Dax.

Dirk Müller

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Muss es gleich ein Crash sein, oder kann es auch eine Korrektur um zehn oder 15 Prozent sein? Eine schwierige Frage, findet Eckhard Sauren. „Nach dem längsten Aufschwung in der Geschichte wird die Wahrscheinlichkeit einer Korrektur natürlich immer größer“, sagt der Dachfondsmanager. „Das ist vor allem deshalb so, weil der Aufschwung in jüngster Vergangenheit nicht mehr durch steigende Unternehmensgewinne getragen wurde, sondern eigentlich nur noch aufgrund der niedrigen Zinsen zu rechtfertigen ist.“ Wenn die Unternehmensgewinne im Gegensatz zu den Aktienkursen nicht mehr steigen, kommt es schnell zu einer Überbewertung. Sauren sieht mittlerweile Bewertungsniveaus, die man tatsächlich nur noch mit null Zinsen rechtfertigen könne. „Daher wäre es nicht überraschend, wenn es bei einer Korrektur an den Märkten etwas deutlicher zur Sache gehen könnte“, sagt er.

Auch waren die Korrekturen in jüngster Vergangenheit immer nur sehr kurz und sind prozentual relativ glimpflich abgelaufen. „Viele Anleger sind in diese kleinen Korrekturphasen reingesprungen und wurden immer belohnt“, sagt Sauren. Es gebe immer mehr Investoren, die richtige Korrekturen mit Kursrückgängen von zehn oder 20 Prozent gar nicht mehr kennen. Ob die die Nerven behalten? Robert Halver kann einem Rücksetzer sogar Positives abgewinnen. „Ein bisschen Konsolidierung ist doch nicht verkehrt“, sagt er. „Das ist ganz gesund, einfach um mal Luft aus dem Markt rauszulassen.“

Auslöser können natürlich die Notenbanken sein, nämlich dann, wenn sie die Börsen auf Entzug setzen. Denn die sind seit Jahren vom billigen Geld getrieben – unendliche Liquidität ist ihre Droge. Die Vergangenheit zeige natürlich, dass die Zinsen und die Geldpolitik sehr markant seien für die Aktienmärkte, so Halver. Die volle „Alimentierung“ würden die Notenbanken wohl nicht mehr liefern. „Aber sie wissen natürlich auch, was sie damit anrichten würde in einer Welt, die völlig überschuldet ist“, beruhigt er. Die Schulden müssten irgendwie bezahlt werden. Man könne nicht so tun, als könne man jetzt zu einer Normalität zurückkommen. „Auch wenn wir uns die alle wünschen, ich mir auch.“

Kommentare (9)

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Frau Edelgard Kah

11.04.2017, 15:26 Uhr

Sehr geehrte Frau Schwarzer,

Ihre Interview-Partner sind hochintelligente und sehr erfahrene Börsianer. Sie kommen auch zu einem gemeinsamen Fazit: "Es gibt derzeit mehr Risiken als Chancen an den Märkten. Aber: Deshalb auf Aktieninvestments zu verzichten, ist keine Alternative".

In meinen Worten: Es ist gefährlich, aber wir sollten dennoch Aktien haben. Aber wie viele? Sollen wir unsere gesamten Ersparnisse + Omas Sparbuch in Aktien anlegen? Oder nur unser Taschengeld?

Meine rhetorische Fragen machen deutlich, das wirkliche Thema heißt "asset allocation". Leider greifen Ihre hochmögenden Gesprächspartner dieses kriegsentscheidende Thema nicht aus eigenem Antrieb auf. Warum aber, verehrte Frau Schwarzer, fragen Sie dann nicht selbst nach Vorschlägen für eine Aufteilung des Vermögens? Warum geben Sie sich mit der lausigen Antwort "Es ist gefährlich, aber wir brauchen Aktien" zufrieden?

Herr Michael Müller

11.04.2017, 17:48 Uhr

Wenn der Hahn kräht auf dem Mist, ändert sich das Wetter oder es bleibt wie es ist.

Bei niedrigen Zinsen gibt es keine Alternative zu den Aktien. Dort ist man inflationsgeschützt im Sachwert, der auch noch Dividenden bezahlt.

Auch wenn die Zinsen steigen bleiben Aktien interessant, da bei steigenden Zinsen festverzinsliche Wertpapiere Kursverlust erleiden.

Ich kaufe noch munter weiter meine Dividendenstars wie Johnson&Johnson, Nestle, Novartis und Co. und schlafe sehr gut damit :-) Sollte wirklich ein ernsthafter Crash kommen, verkaufe ich mein Gold, reduziere meine Liquidität und nutze die Sonderangebote an der Börse :-)

Herr Lothar Bitschnau

12.04.2017, 12:45 Uhr

Der DAX ist ein Performance Index .. ausbezahlte Dividenden sind mit eingerechnet.
Ohne Berücksichtigung dieser Dividenden stünde er nach meiner Schätzung bei ca.7000 Pkt. Glaube auch, dass Referenzzinsen bis 2% keine Rolle spielen,
da Dividenden durchschnittlich höher liegen.

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