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07.01.2016

16:38 Uhr

Dirk Müller zu China und dem Dax

„Es sieht katastrophal aus“

VonJessica Schwarzer

An den Weltmärkten braut sich etwas zusammen, der große Crash ist nicht mehr ausgeschlossen, ist Dirk Müller überzeugt. Nur wann kommt er? Und wie kann er verhindert werden? Mr. Dax gibt Antworten auf drängende Fragen.

Der Aktienexperte und Fondsmanager sieht aktuell mehr Risiken als Chancen an den Märkten. Bert Bostelmann/Bildfolio

Dirk Müller

Der Aktienexperte und Fondsmanager sieht aktuell mehr Risiken als Chancen an den Märkten.

Es kracht an den Märkten, der Dax notiert tief im Minus, schon das zweite Mal in dieser Woche. Dirk Müller ist trotzdem gut gelaunt, schließlich hat jede Börsenentwicklung Vor- und Nachteile. Der Aktienexperte und Fondsmanager sieht die aktuelle Lage allerdings recht düster. Was nicht heißen muss, dass wir gerade den Anfang eines Crashs erleben.

Herr Müller, der Jahresauftakt ist kräftig danebengegangen. Hatten Sie damit gerechnet?

Ich hatte befürchtet, dass es ein extrem heftiges Jahr wird. Dass es aber gleich so früh, so heftig startet, ist zumindest ungewöhnlich. Aber auch nicht ganz unerwartet.

Weil die Jahresendrally eigentlich auch schon ausgefallen ist?

Die Jahresendrally hat schon stattgefunden und zwar in der Weise, dass der Einbruch ausgeblieben ist. Die negativen Vorzeichen waren da, aber es wollte sich keiner von den großen Kapitalverwaltern der Welt, die über die Billionen verfügen, zum Jahresende den Bonus kaputt machen lassen. Und deshalb musste die Jahresbilanz an den Märkten halbwegs ordentlich aussehen. Also hat man versucht, die Kurse zu pflegen. Das sorgt in normalen Zeiten immer für steigende Kurse, hier hat die Kurspflege gerade mal einen Rückgang verhindert.

Die Schwärzesten Tage des Dax: 2008-2015

06. Oktober 2008

Für den Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate muss binnen einer Woche ein zweites Rettungspaket geschnürt werden. Der Dax verliert sieben Prozent.

08. Oktober 2008

Im Sog der Finanzkrise stürzt der Nikkei -Index um über neun Prozent ab. Der Dax verliert bis zu neun Prozent. Nach einer konzertierten Zinssenkungsrunde der großen Notenbanken erholen sich die Kurse nur leicht. Der Dax schließt mit einem Minus von sechs Prozent.

10. Oktober 2008

Rezessionsängste angesichts der Finanzkrise drücken den Nikkei-Index um zehn Prozent. Der Dax verliert ebenfalls sieben Prozent.

24. Oktober 2008

Ein erneuter Absturz der Tokioter Börse drückt den Dax in der Spitze um über elf Prozent.

8. August 2011

Nachdem die USA bei der Ratingagentur Standard & Poor's ihre Bestnote als Kreditnehmer verlieren, brechen die Kurse ein: Der Dax verliert rund fünf Prozent.

5. September 2011

Die Furcht der Anleger vor einer weltweiten Rezession und einer Ausweitung der Schuldenkrise in der Euro-Zone drückt den Dax um 5,3 Prozent ins Minus.

1. November 2011

Der Dax verliert rund fünf Prozent. Auslöser ist die überraschende Ankündigung einer Volksabstimmung in Griechenland über ein Rettungspaket.

29. Juni 2015

Das Scheitern der Gespräche zur Lösung der Schuldenkrise in Griechenland und die überraschende Ansetzung einer Volksabstimmung über die Forderungen der Gläubiger drückt den Dax gleich im frühen Handel um 4,6 Prozent auf 10.964,24 Punkte.

24. August 2015

Die Furcht vor einem deutlichen Konjunktureinbruch in China drückt den Dax erstmals seit Mitte Januar wieder unter die Marke 10.000 Punkten. Der Leitindex fällt um bis zu 3,6 Prozent auf 9760 Zähler.

Und jetzt?

Ist das nicht mehr nötig. Jetzt kommt das Drama gleich zum Jahresanfang wie ein Korken aus der Flasche geschossen. Die Probleme sind nicht neu. China haben wir im vergangenen Jahr schon hoch und runter diskutiert. Aber das Thema kommt jetzt einfach mit Macht an die Oberfläche. Die Lage hat sich immer weiter zugespitzt und jetzt kracht es.

Ist das der Beginn des großen Crashs, vor dem immer wieder gewarnt wird?

(lacht) Das weiß man immer erst hinterher, das ist ja das Verrückte daran. Es ist möglich, ja. Vielleicht ist das der Anfang. Ich erwarte für China extreme Verwerfung, nur der Zeitpunkt ist nicht klar, es könnte aber jetzt soweit sein.

Kling eher nach Crash…

Es ist aber auch jederzeit möglich, dass das Ganze durch besondere Maßnahmen der Notenbanken noch mal abgewendet wird. Wenn diese geld- und wirtschaftspolitischen Interventionen ausbleiben, ist es durchaus möglich, dass das jetzt der Beginn eines richtig großen Rückgangs ist. Man muss aber auch jederzeit damit rechnen, dass wir Dank neuer Maßnahmen beispielsweise der chinesischen Notenbank wieder Monate oder sogar ein, zwei Jahre gewinnen.

Kommentare (74)

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Lothar dM

07.01.2016, 17:08 Uhr

Für Frau Merkel und ihre Regierung und die Leitmedien, insb. ARD/ ZDF, aber auch so einige Zeitungen sieht es seit diesem Jahr auch katastrophal aus was die Glaubwürdigkeit betrifft.

Es ist nicht weniger als eine substanzielle Staatskrise, in der wir uns nun befinden.

Aber die o.g. tun immer noch so als wenn nichts passiert wäre!

Kein Ton von Frau Kraft und Frau Merkel, Nachrichtensperren, Faktenverschluss, wenig hilfreiches von Frau Rekel, von Herrn Jäger bzw. Herrn Maas. Alle sind adabsurdum geführt ob ihrer Aussagen und ihrer Politik in Sachen unkontrollierte Zuwanderung, alle übernehmen keine Verantwortung ... noch nicht. Es ist aktuell die Zeit der Relativierer, der Ablenker. Aber auch diese Phase wird verüber gehen ... der Druck steigt minütlich.

Zum Glück gibt es Informationsquellen, dezentral, fernab der Leitmedien, die völlig versagt haben.

Account gelöscht!

07.01.2016, 17:08 Uhr

Die Währungsreserven in China schmelzen wie Eis in der Sonne. "
Genau, das ist das Zeil der Amis ebenso die Reserven der anderen Gegner wie Russland.

Herr Helmut Metz

07.01.2016, 17:08 Uhr

Es ist ein übrigens ein absoluter Irrglaube, dass bei einem Börsencrash "Geld" vernichtet wird:
"Nach außergewöhnlich negativen Aktienkursentwicklungen wird oft berichtet, dass eine gewisse - beeindruckend hohe - Summe an Geld an der Börse vernichtet worden wäre. Doch an der Börse wird weder Geld geschafffen noch Geld vernichtet. Die gehandelten Kurse spiegeln jeweils die erwarteten Erträge ausgedrückt in der lokalen Währung wider...
Paniken zerstören kein Kapital; sie offenbaren bloß das Ausmaß dessen, WAS ZUVOR SCHON ZERSTÖRT WURDE, als sich das Kapital hoffnungslos unproduktiven Werken preisgegeben hat." (R. Taghizadegan et al.: Österreichische Schule für Anleger, S.226)
Alan Greenspan schuf Ozeane aus Scheingeld, um (vor allem) die geplatzte New- Economy-Blase zu reflationieren. Damit blies er neben einer erneuten Blase an den Aktienmärkten zudem insbesondere eine gigantische Immobilienblase (Subprime-Bubble) auf, die dann im "Greenspan-Bust" 2007 / 2008 platzte und ihren Höhepunkt im Lehman-Crash fand.
"Heli-Ben" Bernanke reflationierte mit noch mehr Ozeanen aus Scheingeld nicht nur die Aktienblase und nicht nur die Immobilienblase, sondern blies ZUGLEICH die Anleihenblase (Bond-Bubble) immer weiter auf.
Beim kommenden "Bernanke-Bust" wird daher auch nicht das Platzen der Aktienblase entscheidend sein, sondern das der Anleihenblase.
Die einzige Alternative, die die Zentralbanken haben, um das zu verhindern, ist es, mit Pressluft nachzupumpen ("Inflate or Die"), wodurch sie dann allerdings ihre Fiat-Währungen vernichten werden.

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