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28.08.2015

06:12 Uhr

Dirk Müller zum Börsencrash

„Ob wir in einen Bärenmarkt laufen, ist längst nicht entschieden“

VonJessica Schwarzer

Auch wenn er noch keine Ausverkaufsstimmung sieht, beobachtet Dirk Müller die Märkte sehr kritisch. Noch würden niedrige Kurse von einigen Investoren als Einstiegschance genutzt. Doch die Stimmung kann schnell kippen.

Der Fondsmanager will die günstigen Kurse zum Einstieg nutzen. BOSTELMANN / BILDFOLIO für Handelsblatt

Dirk Müller

Der Fondsmanager will die günstigen Kurse zum Einstieg nutzen.

Wirklich überrascht hat Dirk Müller der massive Kursrücksetzer der Weltbörsen nicht. Der Börsenexperte, Buchautor und neuerdings auch Fondsmanager – bekannt als Mr. Dax – vergleicht das Treiben an den Märkten mit einem Erdbeben. Die Frage sei nur, wie oft und wie heftig das Börsenparkett noch bebt.

Herr Müller, Sie gelten als Crash-Prophet…
…als erstmal wehre ich mich gegen den Crash-Propheten. Ich beurteile die aktuelle Lage an den Märkten, nenne Chancen und Risiken. Nur die Risiken will natürlich niemand hören. Wenn ich ein Crash-Prophet wäre, hätte ich mit Sicherheit auch keinen Aktienfonds, der langfristig auf steigende Kurse setzt.
Hat Sie der aktuelle Kursrückgang überrascht?
Es war absehbar, was hier passiert. Ich habe immer wieder gesagt, dass nicht Griechenland für große Verwerfungen sorgen wird, sondern das China sie auslösen wird. Das diskutieren wir jetzt schon seit zwei oder drei Jahren. Die Gefahr einer sich abkühlenden chinesischen Wirtschaft war immer wieder das Thema. Und die einzige Frage war, wann das kommt.

Dirk Müller

Der Anlageprofi

Dirk Müller, bekannt als Mr. Dax, ist Finanzexperte, mehrfacher Bestsellerautor und Gründer von Cashkurs.com. Er setzt sich für die Förderung der Aktienkultur in Deutschland ein. Seit April 2015 hat er einen eigenen Fonds, den Dirk Müller Premium Aktien. 

Die Anlagestrategie

Der Fonds investiert in weltweit tätige Unternehmen mit den Schwerpunkten USA und Europa. Entscheidende Faktoren für das Fondsmanagement bei der Titelauswahl sind zum Beispiel die Stärke der Bilanz eines Unternehmens, ein erfolgreiches Geschäftsmodell oder steigende Unternehmensgewinne. Das Ziel eines hohen und gleichmäßigen Kapitalzuwachses bei einer mittel- bis langfristigen Anlagestrategie soll mit einem ausgefeilten Anlageprozess erreicht werden.

Der Fonds

Dirk Müller Premium Aktien

ISIN: DE000A111ZF1

Ausgabeaufschlag: 4,0 Prozent

Verwaltungsgebühr: 1,6 Prozent

Ausschüttungsart: thesaurierend

Performance lfd. Jahr: minus 8,7 Prozent

Performance 1 Jahr: minus 9,3 Prozent

Stand: 8. November 2016

Wie groß ist die Gefahr, dass China die Weltwirtschaft mitreißt?
Die Gefahr war immer da. In China hat sich über Jahre ein extremer Boom entwickelt, der ja auch gut war. Aber auf jede Boomphase folgt unweigerlich irgendwann die Rezession. Wachstum und Abkühlung gehören zusammen. Ich brauche die Gegenbewegung, damit Fehlentwicklungen korrigiert werden. In China gab es praktisch seit 25 Jahren keine Rezession. Da gab es nur Boom, Boom, Boom. Es gab unglaublich viel frisches Kapital, das Jahr für Jahr in den Markt geflossen ist.

So lange Kapital zufließt, kann man auch den größten Blödsinn finanzieren, Geisterstädte im Nirgendwo bauen, Autobahnen ins Nichts bauen, sich 60 oder 70 Prozent Leerstandsquoten leisten. Das spielt alles keine Rolle, wenn die Preise immer weiter steigen. Diese Fehlentwicklungen haben wir beobachtet und es war klar, dass die irgendwann korrigiert werden müssen. Nur der Zeitpunkt war unklar. Was über 25 Jahre läuft, kann auch über 30 oder 35 Jahre laufen. Es war vollkommen offen, wann es schief geht.

Kommentare (28)

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Herr Thomas Albers

28.08.2015, 07:41 Uhr

" 70 Prozent Leerstandsquoten"

In diesem Zusammenhang lohnt es sich Atif Mian and Amir Sufis "House of Debt" bezüglich des levered losses Szenario einmal anzusehen. Das Buch geht zwar auf die Finanzkrise in den USA ein, lässt sich aber mit Einschränkungen auf den Immo-Markt in China übertragen. Das Buch ist allgemeinverständlich geschrieben.

In der Verschuldung sehe ich übrigens auch einen Grund, warum man in China ein Interesse daran an, die Aktienbewertungen hochzujubeln. Im Verhältnis zum Kurswert erscheinen dann der Verschuldungsstand etwas geringer.

Herr Ingo Tietz

28.08.2015, 07:53 Uhr

Bis vor einiger Zeit habe ich Dirk Müller sehr geschätzt. Weil er die Dinge beim Namen nannte, mutig und ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen. Aber umso mehr er in den diversen Polit-Talkshows zu Gast war, umso handzahmer wurde er mit seinen kritischen Aussagen. Wenn man sich bei youtube Müllers Videos ab dem Jahr 2008 anschaut und die darin enthaltenen Aussagen, dann erkennt man sehr schnell, dass auch Müller mit seinen Einschätzungen oftmals falsch lag. Und natürlich ist Müller ein Crashprohet, das hat er schließlich die letzten Jahre immer wieder medial und bei youtube in seinen Videos propagiert. Nicht zu vergessen, Dirk Müller selbst lebt von den Kapitalmärkten, es ist sein Job. Er kritisiert das Zinseszinssystem (Jakobspfennig), aber ist doch selbst seit Jahren Zins- und Renditeprofiteur, jetzt sogar mit eigenem „Dirk-Müller-Fonds“. Also wieso um alles in der Welt, kündigt er seit 2008 den drohenden Crash des Geldsystems an (seine Bücher - Crashkurs usw.), obwohl er doch selbst massgeblich von den Kapitalmärkten und dem Zins- und Zinseszinssystem profitiert? Es wäre sehr nett von Ihnen, sehr geehrter Herr Müller, wenn Sie hier vielleicht kurz dazu Stellung nehmen könnten, besten Dank.

Herr Erik Wikinger

28.08.2015, 07:58 Uhr

Das Theater an den Aktienbörsen ist nur ein Vorgeplänkel um die Menschen zu verunsichern und um Erklärungen zu haben, warum den letztendlich alles zusammenbricht.
Die Plunge Protection Teams hätten das alles ohne Problem ausbügeln könne, ohne das es jemand gemerkt hätte. Das sollte aber nicht sein. Genauso wenig wie das Griechenland Theaterstück dem Pöbel vorgeführt wird.
Sehr bald geht es richtig zur Sache. Und das Schafsvolk lässt sich noch mehr manipulieren....

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