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10.03.2003

08:49 Uhr

Discount-Zertifikate als Beimischung

Anleger sichern sich gegen den Krieg ab

VonHOLGER NACKEN

Mini-Zinsen für Festgeld, hohes Risiko an den Aktienmärkten: Um dennoch Rendite zu erzielen, setzen Anlageprofis auf Discount-Zertifikate. Die Papiere sind wegen der aktuell hohen Kursschwankungen interessant.

DÜSSELDORF. An der Börse herrscht das große Zittern: Scheinbar unbedeutende Nachrichten aus dem Weltsicherheitsrat oder aus Nordkorea schicken die Märkte auf Berg- oder Talfahrt. Die Nervosität der Akteure lässt sich am VDax ablesen: Das Messinstrument für die Schwankungen am deutschen Aktienmarkt notiert mit einem Wert von 44 deutlich über dem langjährigen durchschnittlichen Stand von rund 20.

Für professionelle wie private Anleger erschwert das die Lage: Die Spekulation auf steigende oder fallende Kurse ist angesichts der plötzlichen Ausschläge extrem heikel. Gleichzeitig bieten Bundesanleihen und Festgelder mit Minizinsen von unter drei Prozent kaum eine Alternative. Was also tun?

Immer mehr Experten setzen derzeit auf Discount-Zertifikate. „Im Moment ist das für uns die attraktivste Anlageform“, sagt Michael Hinz, Vorstand bei der Wuppertaler Vermögensverwaltung Michael Pintarelli. Gut 50 Prozent der Kundengelder im Aktienbereich stecken in diesen Papieren. Produktanbieter wie ABN Amro sprechen unisono von einer „extrem hohen Nachfrage“. Am deutschen Markt wurden nach Angaben von UBS im Februar 2003 rund 760 Millionen Euro mit Discount-Zertifikaten umgesetzt, vor zwei Jahren waren es lediglich 200 Millionen.

Der Einsatz der Papiere macht derzeit Sinn: Mit ihnen investiert der Anleger in eine Aktie oder einen Index mit einem Rabatt, der umso größer ausfällt, je stärker die Börsen schwanken. Die Abschläge sind also derzeit sehr hoch. Zwar ist der maximale Gewinn auf einen Höchstbetrag (Cap) begrenzt, die Investition ist aber durch den Abschlag mit einem Risikopuffer versehen.

Das steckt dahinter: Die Discount-Zertifikate verbinden zwei Geschäfte. Der Investor kauft eine Aktie und verkauft eine Kaufoption (Call) mit genau dem Basispreis, der dem Cap entspricht. Durch diesen Call-Verkauf erzielt der Anleger eine Prämie, die den Einstandskurs der Aktie drückt. Nach der Optionstheorie ist diese Prämie bei sonst gleich bleibenden Faktoren umso größer, je höher der Volatilität im zu Grunde liegenden Basiswert ist.

Ein Beispiel: Bei einem Dax-Stand von 2428 würde ein klassisches Zertifikat auf den Index 24,28 Euro kosten. Der Preis für ein Discount-Zertifikat mit einem Cap von 2000 liegt jedoch lediglich bei 18,39 Euro. Der Anleger macht hier erst Verluste, wenn der Index mehr als 24 Prozent verlieren würde. Liegt das Börsenbarometer jedoch am Laufzeitende im Dezember über 2000 Punkte, wird das Papier mit 20 Euro zurückgezahlt, was einer Rendite von knapp neun Prozent entsprechen würde. Wer das Papier also kauft, sollte davon überzeugt sein, dass der Dax im Dezember nicht unter 2000 liegt. Pessimistische Naturen können natürlich auch einen noch niedrigeren Cap wählen. Bei einem Papier mit der Verlustgrenze 1750 liegt der Risikopuffer schon bei 31 Prozent. Die maximale Rendite allerdings beträgt nur noch knapp fünf Prozent.

Ob der Dax neue Rekordtiefs erreicht, hängt nach Meinung der meisten Experten entscheidend vom Verlauf des möglichen Irakkriegs ab. Die Bank Sal. Oppenheim rechnet mit einer kurzen Auseinandersetzung, die den Dax nicht unter 2000 Punkte befördern würde. Darüber hinausgehende Rückschläge erwarten viele Experten erst, wenn sich der Krieg länger als sechs Monate hinziehen und den Ölpreis in eine Bandbreite von 50 bis 80 Dollar je Barrel katapultieren würde. Dies gilt jedoch als unwahrscheinlich.

Fondsmanager Ralph Luther von der Berenberg Bank weist darauf hin, dass Investoren die Discount-Zertifikate im Blick halten sollten: „Wenn die Aktien in die falsche Richtung laufen, soll man nicht bis zum Laufzeitende warten, sondern die Papiere rechtzeitig verkaufen.“ Ohnehin eignen sich die Discount-Zertifikate nur als Beimischung für das Depot. Zudem sollten Anleger auf die Bonität des Emittenten achten. Zertifikate sind verbriefte Schuldverschreibungen. Der Investor wird zum Gläubiger der Bank, die ihre Verpflichtungen am Laufzeitende bedienen muss.

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