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15.06.2014

13:32 Uhr

Diskussion über Abwertung

Bundesbank-Präsident gegen weichen Euro

Würde der Euro gegenüber dem Dollar an Wert verlieren, dürften die europäischen Exporte anspringen. Doch der Wunsch südeuropäischer Länder wird in der Bundesbank-Zentrale in Frankfurt nicht gehört.

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann vor der Zentrale der Notenbank in Frankfurt. Reuters

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann vor der Zentrale der Notenbank in Frankfurt.

FrankfurtBundesbankpräsident Jens Weidmann lehnt Forderungen aus süd-europäischen Ländern nach einer Abwertung des Euro zu Gunsten der Exportwirtschaft ab. „Wettbewerbsfähigkeit lässt sich nicht durch eine Abwertung herbeiführen, sie entsteht in den Unternehmen durch attraktive Produkte, die sich auf den Märkten behaupten“, sagte Weidmann dem „Focus“ nach einem Vorabbericht vom Sonntag: „Eine starke Wirtschaft kann auch eine starke Währung vertragen.“ Außerdem würden Notenbanken anderer Länder nicht untätig bleiben und versuchen, zum Ausgleich die eigene Währung ebenfalls zu schwächen, argumentierte er. Das könne zu einem weltweiten Abwertungswettlauf führen, der nur Verlierer kenne.

Kürzlich hatte Frankreichs Ministerpräsident Manuel Valls gewarnt, der Euro sei zu stark. Zudem hatte er gefordert, die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank zu einem Instrument für Wachstum und Arbeitsplätze zu machen. Vorrangiges Ziel der EZB ist die Preisstabilität. Zurzeit kostet der Euro 1,35 Dollar, Anfang Mai waren es fast 1,40 Dollar. Der relativ hohe Außenwert des Euro verteuert den Absatz europäischer Produkte in der Welt.

Der Werkzeugkasten der EZB

Leitzins

Das wichtigste Instrument ist der Leitzins, also der Zins, zu dem sich Geschäftsbanken bei der Notenbank Geld ausleihen können, um es dann zum Beispiel als Kredit an Unternehmen und Verbraucher weiterzugeben. Im August 2016 liegt der EZB-Zins bei historisch niedrigen 0,0 Prozent. Niedrige Zinsen können die Konjunktur ankurbeln.

Einlagezins

In normalen Zeiten bekommen Geschäftsbanken von der EZB Zinsen für überschüssiges Geld, das sie bei der Zentralbank parken. Im Juni 2014 senkten die Währungshüter den Zins unter die Nullgrenze. Aktuell müssen die Kreditinstitute einen Strafzins von 0,4 Prozent zahlen. Das Ziel ist eine Schwächung des Euro und ein Abbau der Einlagen der Banken bei der EZB.

Geldspritzen

Ende 2011/Anfang 2012 unterstützte die EZB Banken mit Notkrediten (LTRO) im Volumen von einer Billion Euro. Die Kredite wurden zu Mini-Zinsen und für drei Jahre gewährt. 2014 folgten weitere Notkredite, allerdings diesmal in deutlich geringerem Umfang.

Kauf von Kreditpaketen

Seit Herbst 2014 kauft die EZB Pfandbriefe (Covered Bonds) und gebündelte Kreditverbriefungen (ABS). Das soll Geschäftsbanken Freiräume zur Vergabe von Krediten verschaffen.

Staatsanleihen Käufe

Im Mai 2010 begann die EZB erstmals mit dem Kauf von Staatsanleihen. Das „Securities Markets Programme“ (SMP) sollte den Anstieg der Renditen von Anleihen angeschlagener Euro-Länder bremsen. Bis Anfang 2012 kaufte die EZB Staatspapiere für rund 220 Milliarden Euro, zumeist italienische Anleihen. Im September 2012 ersetzte das Programm „Outright Monetary Transactions“ (OMT) diese Maßnahme: Die EZB erklärt sich dabei bereit, notfalls unbegrenzt Anleihen von Krisenstaaten zu erwerben. Gekauft wurde in diesem Rahmen bisher keine Anleihe.

Quantitative Lockerung

Für die sogenannte Quantitative Lockerung druckt sich die Zentralbank quasi selbst Geld und kauft damit in großem Stil Anleihen - Staatsanleihen und andere Papiere wie Unternehmensanleihen. Das tut die EZB seit März 2015. Bis mindestens Ende März 2017 wollen die Währungshüter auf diese Weise 1,74 Billionen Euro in den Markt pumpen. Das soll die Konjunktur ankurbeln und die anhaltend niedrige Inflation wieder in Richtung der EZB-Zielmarke von knapp unter 2,0 Prozent befördern.

Weidmann wandte sich auch gegen die Idee, die EZB solle Banken problematische Kredite abnehmen. „In einigen Ländern - auch in Deutschland - sehen wir die Gefahr einer Immobilienblase - und dann sollen wir als Eurosystem niederländische Immobilienkredite kaufen?“, warnte der Bundesbankpräsident. Außerdem dämpfte er die Erwartung, der gerade beschlossene negative Einlagezins der EZB würde viel zur Ankurbelung der Kreditvergabe beitragen.

Im Süden der Eurozone sei die Kreditvergabe auch deshalb schwach, weil viele Firmen wegen der schwachen Wirtschaft kaum frisches Geld nachfragten. Daran werde der negative Einlagezins wenig ändern. Dieser soll wie ein Strafzins wirken und die Banken anregen, ihr Geld zu verleihen und nicht bei der EZB zu parken.

Von

rtr

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