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05.04.2017

15:49 Uhr

Diskussion um die Geldpolitik

Bundesbank für Ausstieg aus EZB-Anleihekäufen

Bundesbank-Präsident Weidmann hat sich für einen baldigen Ausstieg aus den Staatsanleihekäufen der Europäischen Zentralbank ausgesprochen. Einer Straffung der Geldpolitik widerspricht die EZB: Die Zinsen blieben niedrig.

Der Präsident der Bundesbank ist gegen eine zu lockere Geldpolitik. AP

Jens Weidmann

Der Präsident der Bundesbank ist gegen eine zu lockere Geldpolitik.

Frankfurt„Der Zeitpunkt, den Fuß nicht mehr durchgedrückt auf dem Gaspedal zu lassen, sondern ihn leicht anzuheben, (…) nähert sich aus meiner Sicht“, sagte Weidmann in einem am Mittwoch vorab veröffentlichten Interview der Wochenzeitung „Die Zeit“. Wenn es in einem Jahr keine Anleihekäufe mehr gäbe, würde er das begrüßen.

Mit den Käufen wollen die Währungshüter um EZB-Präsident Mario Draghi die Konjunktur stützen und die Teuerung im Euro-Raum anheizen. Das Gesamtprogramm soll noch bis Ende Dezember dieses Jahres laufen und einschließlich anderer Wertpapierkäufe ein Volumen von 2,28 Billionen Euro erreichen.

Die Wirtschaftslage im Währungsgebiet sei inzwischen gut, sagte Weidmann. „Nach allem, was wir derzeit wissen, ist der wirtschaftliche Aufschwung im Euro-Raum robust und wird sich fortsetzen.“ Damit werde auch der Preisdruck zunehmen. Eine gefährliche Preisspirale nach unten – Deflation genannt – habe er schon in der Vergangenheit für unwahrscheinlich gehalten. „Angesichts der positiven Aussichten für die Konjunktur ist sie jetzt noch unwahrscheinlicher.“ Im März lag die Inflation im Euro-Raum bei 1,5 Prozent. Die EZB strebt als idealen Wert für die Wirtschaft knapp unter zwei Prozent Teuerung an.

Best of Mario Draghi

3.11.2011

„Wir werden von niemandem gedrängt. Wir sind unabhängig. Wir bilden uns unsere eigene Meinung. Das ist es.“

(Draghi bei seiner ersten Pressekonferenz nach seinem Amtsantritt am 3.11.2011 in Frankfurt)

26.7.2012

„Die EZB ist bereit, im Rahmen ihres Mandats alles zu tun, was nötig ist, um den Euro zu retten. Und glauben Sie mir: Es wird genug sein.“

(Draghi am 26.7.2012 in London)

3.4.2014

„Der EZB-Rat ist sich einig, dass die EZB gegebenenfalls auch weitere unkonventionelle Maßnahmen im Rahmen ihres Mandats einsetzen wird, um die Risiken einer zu langen Periode niedriger Inflationsraten in den Griff zu bekommen.“

(Draghi nach der Sitzung des EZB-Rates am 3.4.2014 in Frankfurt)

26.5.2014

„Wir werden nicht zulassen, dass die Inflation zu lange auf zu niedrigem Niveau bleibt.“

(Draghi am 26.5.2014 bei einer EZB-Konferenz im portugiesischen Sintra)

5.6.2014

„Das ist ein bedeutendes Maßnahmenpaket. Sind wir schon am Ende? Nein. Wir sind hiermit nicht am Ende, solange wir uns im Rahmen unseres Mandates bewegen.“

(Draghi am 5.6.2014 in Frankfurt nachdem die Notenbank ein ganzes Bündel von Maßnahmen gegen Mini-Inflation und Konjunkturschwäche im Euroraum beschlossen hat)

4.9.2014

„Wir mussten etwas tun, das ist unsere Pflicht.“

(Draghi am 4.9.2014 in Frankfurt zum EZB-Beschluss, Kreditverbriefungen und Pfandbriefe zu kaufen)

22.1.2015

„Ich könnte ein paar Witze dazu erzählen. Aber ich lese einfach noch mal das Eingangsstatement vor. Denn das ist alles, was wir heute sagen können. Und ich vermeide Witze in dieser Sache lieber.“

(Draghi am 22.1.2015 auf die Frage eines Journalisten: „War's das jetzt? War's das - oder können die Leute erwarten, dass die Geldpolitik demnächst noch verschärft wird?“)

3.9.2015

„Wir haben den Willen und die Fähigkeit zu reagieren, falls dies notwendig ist.“

(Draghi am 3.9.2015 zu einer möglichen Ausweitung des Anleihenkaufprogramms)

9.3.2017

„Unsere Geldpolitik war erfolgreich.“

(Draghi am 9.3.2017 zum Anstieg der Inflation auf zwei Prozent)

9.3.2017

„Es gibt nicht mehr das Gefühl, dass das Risiko einer Deflation drängend ist.“

(Draghi am 9.3.2017 zum Erfolg seiner expansiven Geldpolitik)

Die EZB hat unterdessen am Mittwoch betont, dass sie die Zinsen vorerst nicht anheben wird. In dieser Frage habe auf der Ratssitzung im März Einigkeit geherrscht, versicherte der finnische Notenbankpräsident Erkki Liikanen, der zugleich Mitglied im EZB-Rat ist, im Handelsblatt-Interview. „Wir haben betont, dass die Zinsen auch über das Ende der Anleihekäufe hinaus niedrig bleiben. Das war damals unstrittig“, sagte er.

In den vergangenen Wochen hatte es Spekulationen gegeben, dass die Notenbank den Einlagenzins von derzeit minus 0,4 Prozent anheben könnte, bevor sie ihre Anleihekäufe beendet.

Kommentare (1)

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Baron v. Fink

05.04.2017, 18:26 Uhr

So lange es das Glücksgeld für Investoren gibt, schreib Euro, wird der Steuerzahler an uns Investoren zahlen, welch ein Glück die Erfindung dieses Geldes. Ha Ha Ha

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