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22.01.2017

16:57 Uhr

Dr. Sommers Marktdiagnose

Die Trump-Euphorie ist verflogen

VonUlf Sommer

Anlegern drängt sich der Verdacht auf, dass die Anfangseuphorie an Wall Street und Co. nur ein Strohfeuer ist – und die Kurse nun sinken werden. So erlebten Börsianer es schon oft bei republikanischen Präsidenten.

Dr. Ulf Sommer, Handelsblatt-Redakteur und Kolumnist.

Dr. Sommers Marktdiagnose

Dr. Ulf Sommer, Handelsblatt-Redakteur und Kolumnist.

DüsseldorfEin paar Punkte rauf, fast ebenso viele Punkte wieder runter – keine Frage, die Begeisterung an den Weltbörsen ist verflogen. Als sich die Amerikaner am 8. November für Donald Trump als 45. Präsidenten entschieden, schossen die Kurse tagelang nach oben. Rasch setzte sich die Erkenntnis durch, dass Trumps Konjunkturprograme – wenn sie denn kommen! – die Ausgabefreude der Konsumenten und die Gewinne der Unternehmen beflügeln werden.

Doch inzwischen wollen die Anleger Taten sehen. Und weil diese (noch) nicht kommen und auch noch gar nicht kommen können – Trump ist ja erst seit Freitag im Amt – erlahmte die Kauffreude rasch wieder. Anleger stellen sich inzwischen die Frage, wie realistisch die vorweggenommenen Erwartungen sind und was der Republikaner Trump tatsächlich realisieren wird.

Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass auch bei früheren Wechseln von Demokraten zu Republikanern die Aktienkurse in den ersten Wochen sehr gut liefen. So war es zu Beginn der Präsidentschaft von Eisenhower 1952, dann bei Nixon 1968 und schließlich auch bei Ronald Reagan 1980. Doch immer gaben die Kurse nach einer Anfangseuphorie bald wieder nach – und das stärker als sie zuvor gestiegen waren.

Markus Koch exklusiv

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Der Verdacht drängt sich auf, dass es diesmal wieder so kommt. Nicht nur weil die Kurse inzwischen nur noch auf der Stelle treten. Mehr noch: Aktien sind schließlich nicht mehr billig, die Hausse in den USA geht in ihr neuntes Jahr und ist damit mehr als überreif. Auch mahnt die Sorglosigkeit vieler Anleger zur Vorsicht, wie sie sich in sehr geringen Kursschwankungen und einer niedrigen Volatilität widerspiegelt. In der Vergangenheit folgte daraufhin oft eine Korrektur oder gar ein Kurseinbruch.

Doch Vorsicht: Bislang hat es sich nicht gelohnt, Trump mit irgendwelchen Vorgängern zu vergleichen. Verlässlich war bislang einzig seine Unberechenbarkeit.

Wer sich deshalb lieber an handfesten Argumenten halten will, orientiert am besten an den Gewinnen der Unternehmen, die hinter den meist gestiegenen Aktienkursen stehen. Erstmals seit anderthalb Jahren sind im abgelaufenen vierten Quartal die Konzerngewinne der 500 größten Unternehmen in den USA wieder gestiegen. Und in Deutschland steuern die 30 Dax-Konzerne auf eines ihrer erfolgreichsten Jahre zu, wenn Bayer, Daimler, SAP & Co. in den kommenden Wochen ihre Geschäftszahlen für 2016 präsentieren. Das sind eigentlich gute Voraussetzungen für – weiter – steigende Kurse.

Kommentare (1)

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Frau Edelgard Kah

23.01.2017, 13:03 Uhr

Geschichtliche Vergleiche bei einem wirklichen Umbruch, bei einer Art von Revolution? Das kann doch wohl nicht Ihr Ernst sein.

Ich rate dazu, sich einmal näher mit dem Wirtschaftsprogramm von Donald Trump zu befassen. Taugt es, das Wirtschaftswachstum in den USA anzukurbeln, neue Arbeitsplätze entstehen zu lassen und vor allem die Gewinne der Unternehmen sprudeln zu lassen? Lassen Sie mich einige Punkte herausgreifen.

Neben massiven staatlichen Investitionen in die Infrastruktur hat Trump eine "Steuer-Revolution" angekündigt. Unter anderem soll die steuerliche Belastung für Unternehmen von bislang 35 % auf 15 % gesenkt werden. In der Handelspolitik will Trump die US-Wirtschaft stärker gegen die Konkurrenz aus dem Ausland schützen. In der Klima- und Energiepolitik will Trump die USA von den ehrgeizigen Klimaschutzvereinbarungen von Paris abkoppeln, die Umwelt- und Emissionsvorschriften lockern, eine Rückbesinnung auf fossile Energieträger (Kohle) einläuten, das Fracking erleichtern und die Regulierung der Banken zurückdrehen.

Doch zurück zur Börse. Ich glaube, dass Trump wie geschildert über eine Vielzahl mächtiger wirtschaftlicher Stellschrauben verfügt. Die Erfolgsaussichten seiner Wirtschaftspolitik zu beurteilen, überlasse ich Ihnen.

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