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22.11.2013

12:18 Uhr

Draghi-Rede in Frankfurt

„Wir sind alle Europäer“

VonDorit Marschall, Jens Münchrath

EZB-Chef Draghi hat in Frankfurt die eingeschlagene Niedrigzinspolitik verteidigt und vor „nationalistischen Tönen“ in der geldpolitischen Debatte gewarnt. Die EZB müsse den gesamten Euro-Raum im Blick halten.

EZB-Chef Mario Draghi bei seiner Rede in Frankfurt. AFP

EZB-Chef Mario Draghi bei seiner Rede in Frankfurt.

FrankfurtEZB-Chef Mario Draghi hat in Frankfurt eine Rede gehalten, die es in sich hatte – vor allem aus deutscher Sicht. Der Italiener betonte: "Es ist wichtig zu verstehen, dass die Zinsen so niedrig sind, weil die Konjunktur so schwach ist." Wenn die EZB jetzt die Leitzinsen erhöhen würde, würde sie die Konjunktur schwächen, die Menschen würden ihr Jobs verlieren und die Sparzinsen wären eine noch längere Zeit auf niedrigem Niveau, argumentierte der Notenbankchef.

Außerdem wies Draghi darauf hin, dass kein direkter Zusammenhang bestehe zwischen dem Leitzins und den längerfristigen Sparzinsen. Gleichwohl gab er zu, dass langfristig niedrige Leitzinsen die Finanzstabilität gefährden könnten: "Aber wir sehen derzeit keinerlei Hinweise, dass dies jetzt der Fall ist".

Die Folgen der EZB-Niedrigzinspolitik

Schulden steigen

Künstlich niedrig gehaltene Zinsen befördern die Schuldenwirtschaft, insbesondere die der Staaten und der Bankenindustrie.

Spekulationswellen

Künstlich tiefe Zinsen lösen (inflationäre) Spekulationswellen aus, führen zu „Boom-and-Bust“-Zyklen: überhitzte Situationen, in denen, wenn niemand mehr bereit ist, Kredite zu finanzieren, alles in sich zusammenbricht.

Fehlinvestitionen werden künstlich am Leben gehalten

Ein künstlich tief gehaltener Zins befördert, dass unprofitable Investitionsprojekte also Fehlinvestitionen aufrecht gehalten werden.

Verminderter Reformdruck auf Krisenländer

Werden die Zinsen künstlich abgesenkt, so verringert sich der Reformdruck auf Regierungen und Banken, ihre Haushalte beziehungsweise Bilanzen zu verbessern.

Den Vorwurf, dass die niedrigen Zinsen den Anreiz zu Reformen schmälern, konterte Draghi mit dem Hinweis: "Geldpolitik hat immer Nebeneffekte - das ist nicht vermeidbar. Aber wir sollten niemals vergessen, dass die EZB für den gesamten Euro-Raum Geldpolitik macht." Er verwies erneut auf die in seiner Wahrnehmung jüngsten "nationalistischen Töne". "Mitglieder des EZB-Rats sind weder Deutsch, noch Französisch, nicht Spanisch und auch nicht Italienisch. Sie agieren als Europäer und erfüllen ihr europäisches Mandat", so Draghi.

Bundesfinanzminister Schäuble gab Draghi teilweise Recht. „Ich habe Verständnis für die deutlichen Worte Draghis. Aber ich habe ihm auch persönlich gesagt, dass die derzeitige Geldpolitik in dem ein oder anderem Land als falscher Anreiz verstanden werden kann," sagte er.

Bundesbank-Chef Jens Weidmann ließ sich bei der feierlichen Abschlussveranstaltung der Euro Finance Week in der Alten Oper in Frankfurt am Freitag entschuldigen. Statt des Bundesbank-Präsidenten saß dessen Vorstandskollege Andreas Dombret im prominent besetzten Podium. Was er und etliche deutsche Top-Banker, darunter der Co-Vorstandschef der Deutschen Bank Jürgen Fitschen und Commerzbank-Chef Martin Blessing, sich anhören mussten, war alles andere als schmeichelhaft.

Kommentare (15)

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nunja

22.11.2013, 12:40 Uhr

Natürlich "macht die EZB für den ganzen Euro Raum Geldpolitik".
Und so phantasievoll, dass "kreative Buchführung" als Exkurs zum Thema "Geldpolitik und ihre kreativen Momente" stante pede Eingang in volkswirtschaftliche Proseminare Eingang finden wird - oder so.

G4G

22.11.2013, 12:50 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Account gelöscht!

22.11.2013, 12:54 Uhr

Das ist doch Quatsch was der erzählt.Jeder weiß doch,im Sommer 2012 stand sein Heimatland(und die gesamte Südzone) mit dem Rücken zur Wand-Italien,damals und auch noch heute- kurz vor Ramsch geratet- fand keine Käufer für seine Staatsanleihen mehr.Erst seine berühmt,berüchtigte "Londoner Rede" vor den "Investmentbankern" dieser Welt-genannt Investorenkonferenz beruhigte die Anleger-Stichwort"Euro ist unumkehrbar und "whatever it takes".Dann musste er natürlich liefern und erfand auf die Schnelle das OMT Programm,das nichts anderes besagt,als das es die "Bail-Out Klausel" der Maastrichtverträge ad absurdum führt.

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