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04.12.2014

16:53 Uhr

Draghi-Statement

EZB verschiebt Entscheidung über Anleihekäufe

Auf seiner Pressekonferenz hält sich EZB-Chef Draghi zurück mit weiteren Details zu möglichen Anleihekäufen. An den Märkten kommt das nicht gut an. Dennoch gehen Analysten davon aus, dass die EZB bald schon handelt.

EZB-Chef Mario Draghi hat die Inflationsprognosen für die nächsten drei Jahre deutlich nach unten korrigiert. Weitere Hinweise auf Anleihekäufe wollte er hingegen nicht geben. Reuters

EZB-Chef Mario Draghi hat die Inflationsprognosen für die nächsten drei Jahre deutlich nach unten korrigiert. Weitere Hinweise auf Anleihekäufe wollte er hingegen nicht geben.

Frankfurt/BerlinIm Kampf gegen die hartnäckige Konjunkturflaute und die Gefahr einer Deflation will die EZB bald über den Einsatz noch stärkerer Geschütze entscheiden. Sie werde Anfang 2015 ihre geldpolitischen Maßnahmen überprüfen und bei Bedarf "Umfang und Tempo" ändern, sagte Notenbankchef Mario Draghi am Donnerstag nach der Sitzung des EZB-Rats. Als geeignetes Mittel zum Öffnen der Geldschleusen gilt der Ankauf von Staatsanleihen, wie ihn andere Zentralbanken - etwa in den USA oder Großbritannien - bereits eingesetzt und damit die Wirtschaft nach der Finanzkrise wieder in Schwung gebracht haben. Allerdings stößt dieses Instrument bei der Bundesbank wegen rechtlicher Bedenken auf Kritik.

"Wir haben alle Arten von Maßnahmen lang und breit diskutiert", erklärte Draghi. Dabei sei es auch um das sogenannte "Quantitative Easing" (QE) gegangen, wie der Kauf von Staatsanleihen im Fachjargon umschrieben wird. Die Märkte reagierten zunächst positiv auf die Aussicht einer noch stärkeren Geldflut im Euro-Raum: Der Dax kletterte kurzzeitig auf ein Rekordhoch von 10.083 Punkten, rutschte danach aber deutlich ins Minus. "Die EZB bleibt in einer abwartenden Haltung", sagte Helaba-Analyst Ralf Umlauf. Das habe so machen Marktteilnehmer enttäuscht.

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Mario Draghi spricht viel über mögliche Anleihekäufe. Und er lässt durchblicken, dass die Gegner von QE nichts zu melden haben. Der Dax rutscht ab, der Euro legt zu. Die EZB-Pressekonferenz im Liveblog.

Die neuen Prognosen der hauseigenen EZB-Ökonomen zu Inflation und Konjunktur dürften im Rat die Alarmsirenen schrillen lassen: Das Inflationsziel von knapp zwei Prozent wird wohl auf Jahre hinaus deutlich verfehlt. 2015 soll die Teuerung bei 0,7 Prozent liegen und 2016 nur auf 1,3 Prozent steigen. Das immer billigere Öl drückt auf die Verbraucherpreise, die im November nur noch leicht um 0,3 Prozent stiegen. Manche Experten erwarten sogar, dass sie bald sinken werden. Auch die Wirtschaftsleistung soll laut EZB-Ökonomen nächstes Jahr nur um ein Prozent zulegen - zu wenig, um die hohe Arbeitslosigkeit in vielen Euro-Ländern zu drücken.

Der Chef des Berliner Forschungsinstituts DIW, Marcel Fratzscher, sieht in den Worten Draghis eine klare Ankündigung, dass der Ankauf von Staatsanleihen "immer wahrscheinlicher" wird. Draghi und sein Stellvertreter Vitor Constancio hatten die Tür dafür zuletzt bereits weit geöffnet. Durch einen solchen Schritt würde die Inflation angeheizt. Dahinter steckt die Absicht, die maue Konjunktur anzukurbeln und eine Abwärtsspirale aus fallenden Preisen, sinkender Nachfrage der Verbraucher und Investitionen der Firmen zu verhindern. Eine solche Deflation kann eine Wirtschaft auf Dauer lähmen, wie Japan schmerzlich erfahren musste. Die dortige Notenbank versucht mit einer wahren Geldflut aus dieser misslichen Lage herauszukommen.

Um die EZB-Bilanz auf das Niveau von Anfang 2012 aufzublähen, wie es die Notenbank beabsichtigt, müssten die Hüter des Euro rund eine Billion Euro ins Finanzsystem pumpen. Die meisten Beobachter rechnen nicht damit, dass diese Summe mit den bereits angelaufenen Maßnahmen wie dem Kauf von Pfandbriefen und Kreditverbriefungen erreicht werden kann.

Von

rtr

Kommentare (10)

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Account gelöscht!

04.12.2014, 18:14 Uhr

Wegen des OMT-Urteils des BVerfG darf Draghi nicht Staatsanleihen kaufen.

Der EuGH, dem ein Teil dieses Urteil vorliegt, soll enge Grenzen dafür definieren, die jedoch QE verunmöglichen.

Darauf wartet Draghi, weil er es muß.
Täte er es nicht, müßte Berlin aus dem Euro austreten, bestenfalls.

Der EuGH wartet hingegen auf die Politik, die handeln müßte. Die aber wartete auf die EZB, die handeln soll, was sie nicht kann.

So dreht sich alles im Kreis - aber nichts geschieht.
Perfekte Lage: Stillstand.

Account gelöscht!

04.12.2014, 18:14 Uhr

Wegen des OMT-Urteils des BVerfG darf Draghi nicht Staatsanleihen kaufen.

Der EuGH, dem ein Teil dieses Urteil vorliegt, soll enge Grenzen dafür definieren, die jedoch QE verunmöglichen.

Darauf wartet Draghi, weil er es muß.
Täte er es nicht, müßte Berlin aus dem Euro austreten, bestenfalls.

Der EuGH wartet hingegen auf die Politik, die handeln müßte. Die aber wartete auf die EZB, die handeln soll, was sie nicht kann.

So dreht sich alles im Kreis - aber nichts geschieht.
Perfekte Lage: Stillstand.

Herr Thomas Albers

04.12.2014, 18:40 Uhr

"Darauf wartet Draghi, weil er es muß."

Vor allem ist es nicht sehr klug sich in der Frage gegen Deutschland zu stellen. Damit macht man sich keine Freunde. Vielleicht wartet er, bis die Konjunkturprobleme so offenbar werden, dass sich keiner mehr offen dagegen argumentieren möchte.

So selbstbewusst und offensiv wie sich Draghi und sein Vize gegeben haben, habe ich erwartet, dass die große Mehrheit mit Draghis Kurs einverstanden ist bzw. einen solchen dulden wird.

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