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03.11.2015

13:02 Uhr

Draghis Geldflut

EZB verteidigt lockere Geldpolitik

Die ultralockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank soll Wirkung zeigen. Laut einem heute veröffentlichten Bericht kommt die Kreditvergabe der Banken in Schwung. Firmen und Haushalte kommen leichter an Darlehen.

Die EZB hat ihre nächste geldpolitische Sitzung Anfang Dezember. Sie will dann prüfen, ob eine weitere geldpolitische Lockerung notwendig ist. dpa

EZB-Chef Mario Draghi

Die EZB hat ihre nächste geldpolitische Sitzung Anfang Dezember. Sie will dann prüfen, ob eine weitere geldpolitische Lockerung notwendig ist.

FrankfurtDie EZB hat nur wenige Wochen vor einer möglicherweise noch stärkeren Öffnung der Geldschleusen auf Vorteile ihrer ultra-lockeren Politik hingewiesen. Die längerfristigen Kreditlinien an Geschäftsbanken ("TLTRO") und das auf über eine Billion Euro angelegte Anleihen-Kaufprogramm hätten die Kreditbedingungen im Euro-Raum verbessert, hieß es in einem am Dienstag veröffentlichten Bericht der Europäischen Zentralbank (EZB).

Die Schritte hätten dazu beigetragen, dass Firmen und Haushalte leichter an Darlehen kommen. Die EZB hat ihre nächste geldpolitische Sitzung Anfang Dezember. Sie will dann prüfen, ob eine weitere geldpolitische Lockerung notwendig ist.

"Beide Programme haben zu einer Verringerung der Finanzierungskosten für Banken beigetragen", schrieben die Autoren. Geldhäuser seien dadurch angeregt worden, mehr Darlehen zu besseren Bedingungen zu vergeben. Allein die längerfristigen TLTRO-Geldsalven hätten letztendlich zu Krediten im Volumen von über 100 Milliarden Euro an die Wirtschaft geführt.

Die Macht und die Mittel der EZB

Ziele

Die Europäische Zentralbank (EZB) soll Preisstabilität wahren, die Wirtschaftspolitik unterstützen und Finanzstabilität sichern.

Leitzinsanpassung

Leitzinsanpassungen sind das traditionelle Mittel, um die Wirtschaft und die Arbeitsnachfrage zu dämpfen oder zu stimulieren, und so die Lohnentwicklung und die Inflation stabil zu halten.

Negativzinsen

Negativzinsen von 0,1 Prozent berechnet die EZB den Banken für deren Guthaben bei der Notenbank. Jede Bank will ihre überzähligen Guthaben zu einer anderen Bank schieben, indem sie Wertpapiere kauft oder Kredite vergibt.

Langfristkredite

Langfristkredite vergibt die EZB seit Ende 2011 und ergänzt damit die normalen kurzfristigen Kredite. Das hilft den Banken bei der Finanzierung, da Bankanleihen teurer und für manche gar nicht mehr zu haben waren.

Pfandbriefe

Pfandbriefe und Kreditverbriefungen kauft die EZB den Banken seit Herbst 2014 ab. Auch das hilft bei der Refinanzierung und sorgt für mehr Bankguthaben bei der EZB, was die Bereitschaft zur Kreditvergabe erhöhen soll.

Käufe von Staatsanleihen

Käufe von Staatsanleihen als Mittel der Geldpolitik setzte die EZB erstmals 2010 ein, um die Renditen von Anleihen der Peripherieländer zu drücken, die damals kräftig nach oben schossen. Das gelang mit dem relativ kleinen Programm nur bedingt. Im September 2012 ersetzte die EZB dieses SMP-Programm durch das OMT-Programm. Sie erklärte sich dabei unter Bedingungen bereit, notfalls unbegrenzt Anleihen von Krisenstaaten zu erwerben. Bisher kam das Programm nicht zum Einsatz. Seit März 2015 erwirbt sie mit einem erweiterten Kaufprogramm im großen Stil Staatsanleihen. Der Gegenwert landet als Bankguthaben bei den Verkäufern, zum Beispiel Fonds, und als überschüssiges Guthaben auf den Zentralbankkonten der Banken. Das treibt vor allem die Kurse von Vermögenswerten wie Aktien, Anleihen und Immobilien in die Höhe. Indirekt soll das die Wirtschaft ankurbeln.

Notkredite

Notkredite (ELA) können nationale Zentralbanken des Euro-Raums ihren heimischen Banken gewähren, wenn diese nicht mehr genug gute Sicherheiten für normale EZB-Kredite haben. Die EZB muss diese ELA-Kredite genehmigen. Untersagt sie sie, etwa wenn Griechenland sich nicht mit den Gläubigern einigen kann, haben die Banken keinen Zugang zu Euro-Guthaben und Euro-Bargeld mehr, was zur Schließung und letztlich zum erzwungenen Austritt aus der Währungsunion führen kann.

Die EZB hatte 2014 beschlossen, bis Mitte 2016 mehrere der TLTRO-Tranchen in das Finanzsystem zu pumpen. Banken dürfen diese extrem billigen Kredite nur dann behalten, wenn sie mehr Darlehen ausreichen. Die Geldhäuser haben die Tranchen in einem Volumen von bisher rund 400 Milliarden Euro angenommen, was allerdings geringer ist als zuvor erwartet. Seit März dieses Jahres schleust die EZB zudem mit dem Ankauf von Staatsanleihen Woche für Woche Milliarden in das Bankensystem. EZB-Präsident Mario Draghi will mit den Käufen dafür sorgen, dass Anleihen-Investments für Banken unattraktiver werden. Sie sollen stattdessen mehr Kredite an Firmen und Haushalte vergeben.

Jüngste Daten hatten allerdings nahegelegt, dass bei der Kreditvergabe der große Schwung zuletzt ausblieb. So gewährten Geldhäuser im September lediglich 0,1 Prozent mehr Darlehen an Unternehmen außerhalb des Finanzsektors als ein Jahr zuvor. An die Haushalte im Währungsraum reichten Banken 1,1 Prozent mehr Kredite aus.

Von

rtr

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