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26.11.2012

19:47 Uhr

Drei Strategien, drei Depots

Auf der Suche nach Impulsen

Heute wollte sich keiner der Handelsblatt-Redakteure die Finger verbrennen. Zu viele ungeklärte Fragen hielten sie von den Börsen fern. Genau wie viele andere Anleger warten die Redakteure auf klarere Kaufgründe.

Good Bye: Frank Wiebe, Korrespondent in New York, verabschiedet sich beim spekulativem Depot mit einer Rendite von 8,1 Prozent. Jens Dietrich

Good Bye: Frank Wiebe, Korrespondent in New York, verabschiedet sich beim spekulativem Depot mit einer Rendite von 8,1 Prozent.

Manchmal sind Festwochen schwache Börsenwochen, weil die Investoren lieber Risiken zurückfahren, um in Ruhe feiern zu können. Diesmal ist es umgekehrt. Die Woche um Thanksgiving herum war in den USA eine der besten der letzten Monate, auch als Reaktion auf die schwache Vorwoche. Doch jetzt grübeln die Händler wieder:

Was passiert mit der US-Finanzpolitik? Schaffen die Europäer es endlich, für Griechenland wenigstens eine vorübergehende Lösung zu finden? Weil alle Probleme ungelöst sind, bleiben die Sorgen. Das dürfte zumindest die amerikanischen Werte in meinem Depot in der nächsten Zeit etwas unter Druck bringen. Man darf aber nicht vergessen: Sobald sich eine Problemlösung auf eine der beiden Seiten des Atlantiks findet, haben die Kurse ganz gutes Potenzial nach oben.

Frank Wiebe

Der Redakteur

Mit Finanzthemen beschäftige ich mich seit mehr als 30 Jahren - lange Jahre von Deutschland aus, seit November 2012 von New York aus. Vor meiner Zeit als Journalist habe ich einige Jahre in einer großen Bank gearbeitet und war dort auch an Aktienemissionen beteiligt.

Die Strategie

Chancenorientiert heißt für mich vor allem, die Chancen von Unternehmen zu nutzen. Ich kaufe daher in erster Linie Aktien mit einer langfristigen Perspektive. Dazu kommen auch Anleihen, um die Risiken besser zu verteilen. Ich werde eher direkt einzelne Papiere kaufen als indirekt über Fonds und Zertifikate zu gehen, weil das einfacher nachzuvollziehen ist und damit die Transparenz erhöht.

Die Regeln

Jeder Kommentator startet mit einem fiktiven Anfangskapital von 100.000 Euro. Zu Beginn werden maximal drei Wertpapiere gekauft. Danach steht es den Kommentatoren frei, in welchen Abständen sie gemäß ihrer Anlegerperspektive konservativ, chancenorientiert oder spekulativ in Wertpapiere investieren. Es werden Gebühren für Kauf und Verkauf von 0,5 Prozent angenommen und vom Barbestand abgezogen. Zinsen und Dividenden werden dem Barbestand zugebucht. Die Depotzusammensetzung muss sich nicht täglich ändern. Ein Redakteur kann an einigen Tagen eine Kommentarpause einlegen - das Portfolio kann sich dennoch ändern.

Ein Leser hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass die Sappi-Anleihe, die ich neulich ins Depot genommen habe, praktisch nur in sehr großer Stückelung zu haben ist. Weil unsere Depots hier nur virtuell geführt werden, war das nicht aufgefallen – ich bitte dafür um Entschuldigung. Ich habe das Papier daher wieder ausgebucht – und werde mich in den nächsten Tagen auf die Suche nach anderen Unternehmensanleihen begeben.

Dabei zeigt sich, dass inzwischen einige große Unternehmen als ebenso sicher wie Staaten angesehen werden – oder als noch sicherer, wenn man sie mit angeschlagenen Euro-Staaten vergleicht. Das wirft zwei Fragen auf. Erstens: Leben wir in einer verkehrten Welt? Eigentlich sollten Unternehmen Risiken übernehmen und – wie es Schumpeter formuliert hat – im Wege der kreativen Zerstörung auch mal zerbrechen dürfen, um so eine wirtschaftliche Evolution zu ermöglichen. Staaten dagegen sollten die Stabilität bieten – sie können ja auch nicht in dem Sinne pleite gehen, dass man sie einfach zumacht. Ja, wir leben in einer verkehrten Welt.

Das ausgewogene Depot: Bitte Klicken für die Großansicht.

Das ausgewogene Depot: Bitte Klicken für die Großansicht.

Zweitens: Leben Anleger in einer verkehrten Welt? Ich glaube, die Frage muss man auch mit Ja beantworten. Denn der Anleihemarkt zeigt: Es gibt keine Zinsen mehr, sondern nur noch Risikoprämien. Das ist für jeden, der fürs Alter vorsorgen möchte, auf jeden Fall eine verkehrte Welt. So lange die Krisen andauern und die Notenbanken sie mit Liquidität bekämpfen, wird sich daran aber nichts ändern.

Kommentare (2)

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Foxi

27.11.2012, 12:46 Uhr

Auf BUNTE Niveau: wen interessiert denn bitte wie ein Handelsblattredateur investiert. Hätte man da nicht gestandene gute Fondsmanager finden können. Das ist wirklich unter dem Niveau des Handelsblattes.

Klopapier

27.11.2012, 13:08 Uhr

Sorry, das ist nicht "unter dem Niveau".

Das ist DAS Niveau des HB!

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