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09.12.2012

10:59 Uhr

Drei Strategien, drei Depots

Die Märkte brauchen den Staat

Politische Börsen bestimmen vor allem den Aktienhandel in den USA. In Deutschland macht die Jahresendrally die Runde. Das macht unseren Redakteuren Mut.

Good Bye: Frank Wiebe, Korrespondent in New York, verabschiedet sich beim spekulativem Depot mit einer Rendite von 8,1 Prozent. Jens Dietrich

Good Bye: Frank Wiebe, Korrespondent in New York, verabschiedet sich beim spekulativem Depot mit einer Rendite von 8,1 Prozent.

Fiscal Cliff hin, Fiscal Cliff her - so läuft hier die Diskussion in den USA, und bewegt die Kurse mal runter, mal rauf. Meine sehr geschätzte Kollegin Gillian Tett hat in der "Financial Times" jetzt noch eine weitere fiskalische Klippe entdeckt: Wenn sich die beiden großen Parteien auf nichts einigen können, dann laufen nicht nur Steuervergünstigungen aus, sondern auch staatliche Garantien für Bankeinlagen. Sie waren nach der Krise in unbegrenzter Höhe vergeben worden, nachdem zuvor "nur" 250.000 Dollar pro Konto abgesichert waren.

Gillian befürchtet nun, dass ein plötzlicher Abzug dieser Garantien wiederum den Markt durcheinander bringt. Schließlich ist denkbar, dass einige Investoren dann ihr Geld von Banken abziehen und dafür Staatspapiere kaufen.

Frank Wiebe

Der Redakteur

Mit Finanzthemen beschäftige ich mich seit mehr als 30 Jahren - lange Jahre von Deutschland aus, seit November 2012 von New York aus. Vor meiner Zeit als Journalist habe ich einige Jahre in einer großen Bank gearbeitet und war dort auch an Aktienemissionen beteiligt.

Die Strategie

Chancenorientiert heißt für mich vor allem, die Chancen von Unternehmen zu nutzen. Ich kaufe daher in erster Linie Aktien mit einer langfristigen Perspektive. Dazu kommen auch Anleihen, um die Risiken besser zu verteilen. Ich werde eher direkt einzelne Papiere kaufen als indirekt über Fonds und Zertifikate zu gehen, weil das einfacher nachzuvollziehen ist und damit die Transparenz erhöht.

Die Regeln

Jeder Kommentator startet mit einem fiktiven Anfangskapital von 100.000 Euro. Zu Beginn werden maximal drei Wertpapiere gekauft. Danach steht es den Kommentatoren frei, in welchen Abständen sie gemäß ihrer Anlegerperspektive konservativ, chancenorientiert oder spekulativ in Wertpapiere investieren. Es werden Gebühren für Kauf und Verkauf von 0,5 Prozent angenommen und vom Barbestand abgezogen. Zinsen und Dividenden werden dem Barbestand zugebucht. Die Depotzusammensetzung muss sich nicht täglich ändern. Ein Redakteur kann an einigen Tagen eine Kommentarpause einlegen - das Portfolio kann sich dennoch ändern.

Das hätte zur Folge, dass die Renditen für Anleihen der US-Regierung noch weiter sinken - und dass die Banken sich möglicherweise schwerer tun, Kredite zu vergeben. Also ein Grund mehr, auf den amerikanischen Markt zu achten - und auf die US-Banken.

Der Hinweis macht vor allem noch einmal deutlich, wie sehr die Kapitalmärke in den USA, dem Mutterland des modernen Kapitalismus, vom Staat abhängig sind.

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Wir sehen das ja auch auf dem Immobilienmarkt: Dort stehen immer riesige Garantien des amerikanischen Steuerzahlers, die auch die derzeit spürbare Erholung abstützen. Der bekannte Ökonom Bob Shiller hat vor einiger Zeit darauf hingewiesen, dass man von einer echten Gesundung erst sprechen kann, wenn der Staat sich nach und nach aus den Märkten zurückgezogen hat.

Kommentare (3)

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Jack

09.12.2012, 12:48 Uhr

Die Fiskalklippe ist nur eine weitere Kuh die durchs Dorf getrieben wird. Wer denkt das dieses Problem nicht gelöst werden würde ist ein Vollidiot.

Desweiteren Frage ich mich ob es auch nur einen Menschen interessiert was die Redaktion auf ihren Musterdepots macht. Warum sollte es auch?



vandale

10.12.2012, 11:21 Uhr

Wenn man 3 Akademiker damit beauftragt sich mit dem Aktienmarkt zu beschäftigen sollte man eigentlich Substantielleres als den obigen Artikel erwarten. Das ist eine Kritik. Wünschenswert wäre wenn diese als Ansporn aufgefasst wird.

Eigentlich sollte es möglich sein von den Banken Aktienunternehmensanalysen zu erhalten und einzelne Firmen vorzustellen.

Interessant wären Berichte über Branchen. Im Fall der Pharmabranche wäre eine Einschätzung interessant inwieweit die zunehmende Praxis von Entwicklungsländern Patente zu brechen auf Europa überschwappen kann und damit die Gewinne dieser Branche zu beeinflussen droht. Welche Szenarien ergeben sich für die Deutschen Versorger, bzw. wieweit haben diese eine Chance die "Energiewende" in Deutschland zu überstehen. Welche Unternehmen der Chemiebranche haben die margenträchtigsten und zukunftsträchtigsten Produktportfolios. Welche Strategien haben diese Unternehmen in Europa im Hinblick auf REACH und den in Europa immer noch aktuellen Klimawandel abseits der überall nachlesbaren Jubelberichte.

Vandale

vandale

10.12.2012, 11:28 Uhr

Als Anregung für die 3 Journalisten....

Wenn man die Auswirkungen der Fiskalklippe auf die Aktienmärkte betrachtet ergibt sich, dass die Summe aus Steuererhöhungen und Einsparungen 600 Mrd.$/a ergeben soll. Welche signifikanten Positionen umfassen diese Aenderungen?
Das BIP der USA beträgt irgendwo 12 Bio. $ Das sind dann ca. 5%. Kann dies die USA und ggf. den Rest der Welt in eine Rezession treiben?
Welche Vorstellungen haben die Republikaner im Kongress? Welche Vorschläge hat der linke Präsident gemacht?

Man könnte auch hinterfragen inwieweit die USA, die bereits heute ein Hochsteuerland sind, seine Ausgaben sinnvoll reduzieren kann.

Vandale

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