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12.05.2013

17:21 Uhr

Drei Strategien, drei Depots

Die Sorge vor der Übertreibung an den Börsen wächst

Die US-Notenbank lanciert einen möglichen Kursdämpfer, die Konjunkturaussichten decken nicht die Gewinne an den Börsen – manche Anleger bekommen flatternde Nerven angesichts neuer Kurshöhen. Über „Terra incognita“.

Good Bye: Frank Wiebe, Korrespondent in New York, verabschiedet sich beim spekulativem Depot mit einer Rendite von 8,1 Prozent. Jens Dietrich

Good Bye: Frank Wiebe, Korrespondent in New York, verabschiedet sich beim spekulativem Depot mit einer Rendite von 8,1 Prozent.

Es gibt Nachrichten, die sind gar keine Nachrichten, geben aber möglicherweise trotzdem ein Signal. Das „Wall Street Journal“ hat in seiner Wochenendausgabe groß über einen Plan der US-Notenbank zum Rückzug aus dem Ankauf von Staatspapieren berichtet. Allerdings werden keine Details genannt, es bleibt völlig offen, wann der „Plan“ umgesetzt werden soll; eigentlich steht in dem Artikel nur, dass es irgendwie nach und nach passieren soll, was ohnehin jedem klar ist.

Trotzdem sehen die Märkte hier vielleicht ein Signal, dass die Fed bald zu einer härteren Gangart wechseln möchte, möglicherweise selbst den Artikel als eine Art Testballon lanciert hat. Ich persönlich glaube aber an kein starkes Signal.

Frank Wiebe

Der Redakteur

Mit Finanzthemen beschäftige ich mich seit mehr als 30 Jahren - lange Jahre von Deutschland aus, seit November 2012 von New York aus. Vor meiner Zeit als Journalist habe ich einige Jahre in einer großen Bank gearbeitet und war dort auch an Aktienemissionen beteiligt.

Die Strategie

Chancenorientiert heißt für mich vor allem, die Chancen von Unternehmen zu nutzen. Ich kaufe daher in erster Linie Aktien mit einer langfristigen Perspektive. Dazu kommen auch Anleihen, um die Risiken besser zu verteilen. Ich werde eher direkt einzelne Papiere kaufen als indirekt über Fonds und Zertifikate zu gehen, weil das einfacher nachzuvollziehen ist und damit die Transparenz erhöht.

Die Regeln

Jeder Kommentator startet mit einem fiktiven Anfangskapital von 100.000 Euro. Zu Beginn werden maximal drei Wertpapiere gekauft. Danach steht es den Kommentatoren frei, in welchen Abständen sie gemäß ihrer Anlegerperspektive konservativ, chancenorientiert oder spekulativ in Wertpapiere investieren. Es werden Gebühren für Kauf und Verkauf von 0,5 Prozent angenommen und vom Barbestand abgezogen. Zinsen und Dividenden werden dem Barbestand zugebucht. Die Depotzusammensetzung muss sich nicht täglich ändern. Ein Redakteur kann an einigen Tagen eine Kommentarpause einlegen - das Portfolio kann sich dennoch ändern.

Der Artikel macht vor allem deutlich, wie sehr die Märkte von der Politik der Notenbank abhängig sind. In den letzten Monaten haben Spekulationen darüber, wann denn die Fed auf eine härtere Gangart umschwenken könnte, häufig den Markt bewegt.

Möglicherweise machen sich Leute in der Notenbank Sorgen, dass sich an den Märkten eine Blase bildet, und sie wollen deswegen dämpfend eingreifen, ohne tatsächlich irgendeinen genaueren Plan zu haben. Denn Fed-Präsident Ben Bernanke hat immer wieder gesagt, dass er erst dann seine Politik zurückfahren möchte, wenn die Arbeitslosenquote niedriger ist - das ist eigentlich schon der ganze Plan, den aber jeder kennt.

Kommentare (4)

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Michael

12.05.2013, 17:45 Uhr

Ob diese Verhaltensweisen in Psychologie-Kreisen schon einen Namen haben? Es erscheint mir, überall herrscht nur noch krankhaftes Festhalten an..tja, nicht einmal Ideologien, sondern mehr nur an Schlagworten. Als ob man sich einredet, bzw. einreden muss, dass das, was passiert, seine Richtigkeit hat.
Wissen die - nicht nur die Drei hier, sondern allgemein die Finanzwelt - eigentlich überhaupt noch was sie tun? Versteht überhaupt noch jemand was passiert?

Psychologe

12.05.2013, 17:59 Uhr

In der Psychologie gibt es eine Reihe von Beschreibungen für das, was gerade passiert (und ich lasse mal die Psychosen wie halluzinative Störungen aussen vor). Hier mal ein kleiner Anfang:

1) Konstruktivismus
Wir alle - und zur Zeit die Finanzwelt ganz besonders - schaffen uns unsere eigene Realität. Wir nehmen ein und das selbe Objekt/Phänomen unterschiedlich wahr. Getreu dem Motto von Pippi Langstrumpf "Ich mache mir die Welt, wie sie mir gefällt."

2) Mere Exposure
Das machen sich Medien und besonders die Werbung zunutze. Wenn man etwas oft genug sieht/hört etc., fängt man irgendwann an es positiv zu assoziieren. Man muss uns also nur oft genug sagen (am besten noch durch Experten), dass man jetzt noch in Aktien anlegen sollte.

3) Selbsterfüllende Prophezeihung
Funktioniert nachgewiesener Massen. Falls Sie Kinder haben, unbedingt dem Lehrer vermitteln, dass Ihr Kind intelligenter ist. Er wird es dann entsprechend (unbewusst) anders behandeln und die Noten verbessern sich.

4) Die Marktpsychologie würde noch Folgendes ergänzen:
- Herdentrieb
- Selbstüberschätzung
- Konfirmatorische Informationssuche (ich nehme nur das wahr, dass mein Verhalten/meine Einstellung/mich bestätigt)
- Selbst-Behinderung (ich rechtfertige das (Nicht)Investiert sein müssen als Folge äußerer Einflüsse/höherer Gewalt)

Jux_und_Dollerei

12.05.2013, 18:07 Uhr

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