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07.11.2012

21:04 Uhr

Drei Strategien, drei Depots

Eine Frage der Risikoneigung

Defensiv, ausgewogen und spekulativ - drei Handelsblatt-Redakteure geben täglich ihre individuelle Einschätzung zu den Märkten ab und messen sich mit ihren Depots. Frank Wiebe hat vor Ort an der Wall Street recherchiert.

Good Bye: Frank Wiebe, Korrespondent in New York, verabschiedet sich beim spekulativem Depot mit einer Rendite von 8,1 Prozent. Jens Dietrich

Good Bye: Frank Wiebe, Korrespondent in New York, verabschiedet sich beim spekulativem Depot mit einer Rendite von 8,1 Prozent.

Habe zum Börsenbeginn am Morgen nach der Wahl in den USA mit Ted Weisberg gesprochen, einem der bekanntesten und erfahrensten Broker an der Wall Street. Wenn er Recht behält, dann sind Aktien vielleicht doch keine so gute Idee: Er findet den Wahlausgang schrecklich. Andere Investoren offenbar auch, wie die anfängliche Reaktion der Börse zeigt.

Ich glaube allerdings, dass sich die Gemüter schnell wieder beruhigen werden. Man wird sich daran gewöhnen, dass Obama weitermacht und nach vorn schauen. Von den Republikanern im Senat - dort sind sie in der Minderheit - gab es immerhin auch ein leises Anzeichen von Entgegenkommen, um das "fiscal cliff" noch zu verhindern, vor dem jetzt viele so Angst haben, eine automatisch eintretende Sparpolitik, weil einige Steuererleichterungen auslaufen.

Frank Wiebe

Der Redakteur

Mit Finanzthemen beschäftige ich mich seit mehr als 30 Jahren - lange Jahre von Deutschland aus, seit November 2012 von New York aus. Vor meiner Zeit als Journalist habe ich einige Jahre in einer großen Bank gearbeitet und war dort auch an Aktienemissionen beteiligt.

Die Strategie

Chancenorientiert heißt für mich vor allem, die Chancen von Unternehmen zu nutzen. Ich kaufe daher in erster Linie Aktien mit einer langfristigen Perspektive. Dazu kommen auch Anleihen, um die Risiken besser zu verteilen. Ich werde eher direkt einzelne Papiere kaufen als indirekt über Fonds und Zertifikate zu gehen, weil das einfacher nachzuvollziehen ist und damit die Transparenz erhöht.

Die Regeln

Jeder Kommentator startet mit einem fiktiven Anfangskapital von 100.000 Euro. Zu Beginn werden maximal drei Wertpapiere gekauft. Danach steht es den Kommentatoren frei, in welchen Abständen sie gemäß ihrer Anlegerperspektive konservativ, chancenorientiert oder spekulativ in Wertpapiere investieren. Es werden Gebühren für Kauf und Verkauf von 0,5 Prozent angenommen und vom Barbestand abgezogen. Zinsen und Dividenden werden dem Barbestand zugebucht. Die Depotzusammensetzung muss sich nicht täglich ändern. Ein Redakteur kann an einigen Tagen eine Kommentarpause einlegen - das Portfolio kann sich dennoch ändern.

Wie reagiert man in so einer Situation? Eine Möglichkeit wäre, jetzt gerade die gedrückten amerikanischen Aktien zu kaufen - in der Hoffnung, dass sich die Stimmung bald wieder normalisiert. Eine andere ist, einen potenziellen "Gewinner" der Wahl zu kaufen. Ich habe mich dafür entschieden und eine kleinere Position Pfizer-Aktien gekauft. Denn alles, was mit Gesundheit zu tun hat, sollte gut laufen, weil die Angst verfliegt, Obamas große Gesundheitsreform könne zurückgedreht werden. Allerdings hat sich im Laufe des Tages ein gemischtes Bild gezeigt: In der Früh galten die "Health-Care-Aktien" noch als Gewinner, was sich im Laufe des Tages aber nicht mehr in den Kursen gezeigt hat. Möglicherweise schoben sich dann Bedenken in den Vordergrund, dass die Unternehmen in dem Bereich auch mit mehr Auflagen zur Kostendämpfung zu rechnen haben.

Das ausgewogene Depot: Bitte klicken für die Großansicht.

Das ausgewogene Depot: Bitte klicken für die Großansicht.

Stark unter Druck standen im Laufe des Tages auch einige amerikanische Finanztitel. Die Wall Street ist, anders als vor vier Jahren, kein Freund des Präsidenten mehr - und er ist auch nicht ihr Freund. Allerdings lässt sich auch leicht nachrechnen, dass unter Obama die US-Aktien insgesamt sehr stark gestiegen sind - das war der Aufstieg aus dem tiefen Tal nach der Finanzkrise.

Neben dem Wahlthema lastete aber auch die Euro-Krise auf den Kursen, vor allem die Sorge darum, wie es mit Griechenland weitergeht. Nach Aussagen einiger Marktteilnehmer war sie sogar wichtiger als die US-Wahl - auch in Amerika. Das zeigt: Die Wahl ist an der Börse schnell abgehakt.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

08.11.2012, 09:02 Uhr

Was soll dabei rauskommen? Schließlich werden alle drei mit dem gleichen Ergebnis abschließen: +/-2%. Die sogenannte Streuung soll nur das Gewissen beruhigen. In Wirklichkeit bestimmt die globale Information, die sich über alle drei Portfolios legt, die Richtung. Diese Information macht bis zu 30% aus und entspricht nicht-diversifiziertem Kapital, mit dem jedes Portfolio klarkommen muss, auch der DAX®. Oder, warum kann ein Portfolio mit 30 Titeln (nach Markowitz sind 20 ausreichend)um bis zu 50% abschmieren?

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