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17.04.2013

20:18 Uhr

Drei Strategien, drei Depots

„Fat finger“ unter Verdacht

Die Aktienmärkte stürzten am Mittwoch tief ins Minus. Kaum ein Wert konnte heute überzeugen. Lediglich die RWE-Aktie in Frank Wiebes Depot hielt ihre Verluste in Grenzen. Darüber freuen kann er sich aber nicht.

Kerstin Leitel Bert Bostelmann für Handelsblatt

Kerstin Leitel

War da schon wieder ein Wurstfinger im Spiel? Wenn ein Börsenkurs ohne ersichtlichen Grund auf einmal abstürzt, vermuten Börsianer dahinter oft einen „fat finger“, also den Wurstfinger eines armen Händlers, der sich bei einer Order vertippt hat. Das kommt gar nicht so selten vor wie man denkt. Und ein solcher Tippfehler kann schwere Folgen haben, vor allem wenn charttechnische Marken durchbrochen werden und andere Marktteilnehmer mitziehen. Auch am Mittwoch machten Spekulationen über einen solchen Patzer die Runde, so heftig war der Fall des Dax am Morgen.

Kerstin Leitel

Die Redakteurin

Kerstin Leitel arbeitet für die Finanz-Zeitung des Handelsblatt und berichtet vor allem über die Versicherungsbranche.

Die Strategie

Ich will kein Geld verlieren, mit dieser Maxime gehe ich an den Start. Ein ausgewogenes Depot ist für mich wichtig, Anleihen sollen deswegen auch im Portfolio sein. Von Derivaten versuche ich mich allerdings fernzuhalten, was ich nicht verstehe, das kaufe ich nicht. Schließlich lässt sich auch mit Titeln aus Dax und MDax gutes Geld verdienen. Einen Kursrutsch kann ich aussitzen – wenn es anschließend wieder hoch geht. Das kann mir zwar keiner garantieren, aber schließlich versuche ich auf solide Unternehmen zu setzen, die nicht von einem Windhauch aus der Bahn geworfen werden. Und letztlich ist für mich wichtig, wie das Depot zum Kassensturz aussieht.

Die Regeln

Jeder Kommentator startet mit einem fiktiven Anfangskapital von 100.000 Euro. Zu Beginn werden maximal drei Wertpapiere gekauft. Danach steht es den Kommentatoren frei, in welchen Abständen sie gemäß ihrer Anlegerperspektive konservativ, chancenorientiert oder spekulativ in Wertpapiere investieren. Es werden Gebühren für Kauf und Verkauf von 0,5 Prozent angenommen und vom Barbestand abgezogen. Zinsen und Dividenden werden dem Barbestand zugebucht. Die Depotzusammensetzung muss sich nicht täglich ändern. Ein Redakteur kann an einigen Tagen eine Kommentarpause einlegen - das Portfolio kann sich dennoch ändern.

Doch dass der Markt sich bis Handelsschluss nicht erholen konnte, spricht gegen diese Theorie. Die Investoren sind nervös wegen der schlechten Nachrichten aus der Eurozone, den USA und Asien. Händler erklärten den Rutsch mit technischen Faktoren. „Ein Gruß an die Algotrader“, sagte einer von ihnen, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtete. „Wir haben heute den Lemminge-Effekt gesehen: Einer fängt an und alle ziehen mit“, meinte ein anderer.

Andere Börsianer begründeten das Minus mit einem Raketeneinschlag in Israel, aber auch eine mögliche Fehleingabe bei einer Order wurde diskutiert. Es sind halt keine leichten Zeiten für Aktionäre – ganz egal, ob man nun Wurstfinger hat oder nicht.

Kommentare (4)

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17.04.2013, 21:15 Uhr

Von wegen "Fat Finger". Das ist nur eine neue Legende, die dazu dient, die Liquidität zu erhalten und unerfahrene Anleger, wie auch Journalisten vorzuführen. Es reicht mittlerweile nicht mehr aus, eine große Zahl an Aktienhändlern zu beschäftigen, die die Liquidität herstellen, bzw. diese Händlerzahl ist schlicht zu teuer.
Das übernehmen ganz einfach billige Handelssysteme. Wie Märkte funktionieren, wurde denen eingegeben. Aufwachen!

Account gelöscht!

17.04.2013, 23:10 Uhr

Schön, wie sie hier einzelne Gründe aufzählen, warum die Kurse fallen. Wie verträgt sich das aber mit der These vom effizienten Markt, dass stets alle Gründe "Informationen" am Kurs beteiligt sind?

Account gelöscht!

18.04.2013, 02:10 Uhr

Das Problem ist, dass die meisten Leute denken, sie können aus der Kombination von fundamentalen Daten in Verbindung mit früheren Erfahrungen und der Einbeziehung von vermuteten emotionalen Faktoren des "Marktes" in der Glaskugel sehen, wohin die Reise geht.
Eine exzellente Charttechnik, die sich nur am realen Verlauf des "Marktes" orientiert hätte beim Dax am 15.3.2013
ein Verlaufshoch bei 8.086 festgehalten, von dem es bisher bereits 500 Punkte abwärts ging. Wenn man gut eingestiegen wäre, z.B. gegen Juni 2012, hätte man mit guten, nicht zu großzügigen Stoplimits laufend satte Gewinne einsacken können, anstatt den irrwitzigen Marktmeinungen von DAX 10000 oder Dow 20000 zu glauben. Die mögen ja kommen, vielleicht auch nicht, aber ein gut gebauter Chart zeigt auch da die mögliche Wende an. Also nicht mit seinen Werten in den Keller mitgehen, aber im Keller bereits neu einsteigen. So muss Börse!!

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