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23.06.2013

19:58 Uhr

Drei Strategien, drei Depots

Griff ins fallende Messer

Georgios Kokologiannis kauft ein Zertifikat auf den Euro Stoxx 50 und verstößt damit gegen eine Börsenweisheit. Jürgen Röder wartet auf neue Chancen, und Kerstin Leitel behält trotz schwindendem Depotwert die Nerven.

Georgios Kokologiannis Pablo Castagnola

Georgios Kokologiannis

„Greife nie in ein fallendes Messer“, lautet eine Börsenweisheit, gegen die ich jetzt verstoße: Ich kaufe ein Zertifikat, mit dem ich auf eine Erholung des Euro Stoxx 50 setze (WKN: VTA69N). Auch der europäische Leitindex ist in den vergangenen Tagen ziemlich unter die Räder gekommen, nachdem die US-Notenbank Fed einen möglichen Zeitplan für den Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik präzisiert hat. Hintergrund: steigende Zinsen gelten als schlecht für Aktien. Denn gibt es mehr auf dem Anleihenmarkt zu verdienen, werden Dividendenpapiere als Alternative uninteressanter.

Allerdings: Fed-Chef Bernanke hat ausdrücklich betont, dass er Ausmaß und Geschwindigkeit des möglichen Rückzugs aus der ultralockeren Geldpolitik abhängig machen wird, vom Fortschreiten der konjunkturellen Erholung. Im Klartext: man wird den beginnenden Aufschwung auf keinen Fall gefährden. Vor diesem Hintergrund erscheint mir der Kurseinbruch an den Aktienbörsen übertrieben.

Georgios Kokologiannis

Der Redakteur

Mit Geldanlagethemen beschäftigt sich der Diplom-Kaufmann beim Handelsblatt seit über 16 Jahren - davor bereits während seines Studiums der Betriebswirtschaftslehre und beim Finanzconsulting einer Unternehmensberatung.

Twitter: @kokologiannis

Die Strategie

"Mein Ziel ist es, eine durchschnittliche Rendite von sechs bis acht Prozent per annum zu erreichen – und das möglichst nervenschonend. Zwei Kernbestandteilen meiner Strategie: Erstens der Einsatz von Anlagezertifikaten und anderen Derivaten, mit denen sich zum einen Depotpositionen absichern lassen und die es zum anderen ermöglichen, auch von schwierigen Phasen an den Aktien- und Rohstoffmärkten zu profitieren. Zweitens arbeite ich bei risikoreicheren Engagements mit Stopp-Loss-Marken - das soll dazu beitragen, dass ich nicht zu lange an Fehlinvestitionen festhalte."

Die Regeln

Jeder Kommentator startet mit einem fiktiven Anfangskapital von 100.000 Euro. Zu Beginn werden maximal drei Wertpapiere gekauft. Danach steht es den Kommentatoren frei, in welchen Abständen sie gemäß ihrer Anlegerperspektive konservativ, chancenorientiert oder spekulativ in Wertpapiere investieren. Es werden Gebühren für Kauf und Verkauf von 0,5 Prozent angenommen und vom Barbestand abgezogen. Zinsen und Dividenden werden dem Barbestand zugebucht. Die Depotzusammensetzung muss sich nicht täglich ändern. Ein Redakteur kann an einigen Tagen eine Kommentarpause einlegen - das Portfolio kann sich dennoch ändern.

Sobald den Anlegern klar geworden ist, dass leicht steigende Zinsen die Rückkehr zu wirtschaftlich normalen Verhältnissen signalisieren und die Aussicht auf boomende Unternehmensgewinne bedeuten, dürfte es an den Börsen wieder aufwärts gehen. Wie lange diese Übergangsphase von der zinsgetriebenen zur gewinngetriebenen Hausse dauernd wird, ist allerdings unklar. Sicher ist nur, dass dieser Anpassungsprozess von stark schwankenden Börsenkursen begleitet wird - sowie derzeit. 

Und Europas Bluechips dürften nicht nur davon profitieren, dass die US-Wirtschaft die jahrelange Krise allmählich hinter sich lässt. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat jüngst signalisiert, dass es hierzulande auf absehbare Zeit bei der stimulierenden Geldpolitik bleiben wird. Sogar weiter sinkende Zinsen hat EZB-Chef Draghi vergangene Woche ins Spiel gebracht.

Sollte es dem Euro Stoxx 50 gelingen, in den kommenden drei Monaten wieder das Niveau zurück zu erobern, auf dem er bereits Ende Mai notierte, profitiere ich davon mit dem neu erworbenen „Sprint-Zertifikat“ überproportional: Indexgewinne bis knapp über 2900 Punkte werden meinem Depot doppelt angerechnet. Sollte es noch weiter aufwärts gehen, habe ich im Gegenzug davon aber nichts mehr.

Kommentare (6)

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Account gelöscht!

23.06.2013, 22:25 Uhr

'Fed-Chef Bernanke hat ausdrücklich betont, dass er Ausmaß und Geschwindigkeit des möglichen Rückzugs aus der ultralockeren Geldpolitik abhängig machen wird, vom Fortschreiten der konjunkturellen Erholung. Im Klartext: man wird den beginnenden Aufschwung auf keinen Fall gefährden. Vor diesem Hintergrund erscheint mir der Kurseinbruch an den Aktienbörsen übertrieben.'

Angesichts der heftigen Reaktionen wird die Fed ihren Tapering Talk in nächster Zeit wohl etwas zurückfahren;) Ob die Ankündigung vom Rückzug zu früh kam, wird sich bei den nächsten US-Arbeitsmarktdaten zeigen. Bleibt demnächst eine spürbare Belebung aus, war es mindestens ein Quartal zu früh den Ausstieg anzudeuten *g*.

Account gelöscht!

24.06.2013, 06:29 Uhr

Vor 15 Jahren,am 24.06.1998 schloß der DAX bei 5784,400 Punkten.Das ergibt im Zinseszinsrechner bei 2% Zinsen per Anno 7.784,50 Punkte für heute.
Und das war nicht der Milleniumboom-nein das war 2 ganze Jahre vorher.Wir haben hier also unterm Strich, eine Rendite von 2 % brutto per Anno stehent.2% das deckt gerade so die Inflation ab.Die meisten Fonds Fonds und Zertifikate auf den DAX liegen selbstkostenbedingt aber darunter.Soviel zur Überlegenheit der Aktie bei Anlagen in Zertifikaten und Fonds.

Wortakrobat

24.06.2013, 08:54 Uhr

Ich hätte bei der Betrachtung der Depotperformance einen Vorschlag für eine bessere Überschrift:

"Griff ins Klo"

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