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08.08.2013

19:12 Uhr

Drei Strategien, drei Depots

Im Dilemma zwischen Ethik und Rendite

Wie geht es an den Märkten weiter? Georgios Kokologiannis erwartet keine großen Kurssprünge. Jürgen Röder sucht neue Chancen in der Automobilbranche. Und Kerstin Leitel steckt in einem Dilemma. Unsere Musterdepots.

Kerstin Leitel Bert Bostelmann für Handelsblatt

Kerstin Leitel

Als konservativer Anleger will man gut schlafen. Bisher konnte ich das auch – trotz Kursverlusten bei einigen Aktien, etwa bei BASF. Ich habe nicht auf die Preise von Nahrungsmittel spekuliert und um Unternehmen aus nicht-nachhaltigen Branchen, wie etwa der Tabak- oder Rüstungsindustrie, einen Bogen gemacht. Zumindest dachte ich das.

Aber bei genauerem Hinsehen sehe ich, dass ich über mein MDax-ETF auf steigende Kurse bei EADS und MTU Aero Engines setze. Beide Unternehmen sind auch für die Rüstungsindustrie tätig.

Kerstin Leitel

Die Redakteurin

Kerstin Leitel arbeitet für die Finanz-Zeitung des Handelsblatt und berichtet vor allem über die Versicherungsbranche.

Die Strategie

Ich will kein Geld verlieren, mit dieser Maxime gehe ich an den Start. Ein ausgewogenes Depot ist für mich wichtig, Anleihen sollen deswegen auch im Portfolio sein. Von Derivaten versuche ich mich allerdings fernzuhalten, was ich nicht verstehe, das kaufe ich nicht. Schließlich lässt sich auch mit Titeln aus Dax und MDax gutes Geld verdienen. Einen Kursrutsch kann ich aussitzen – wenn es anschließend wieder hoch geht. Das kann mir zwar keiner garantieren, aber schließlich versuche ich auf solide Unternehmen zu setzen, die nicht von einem Windhauch aus der Bahn geworfen werden. Und letztlich ist für mich wichtig, wie das Depot zum Kassensturz aussieht.

Die Regeln

Jeder Kommentator startet mit einem fiktiven Anfangskapital von 100.000 Euro. Zu Beginn werden maximal drei Wertpapiere gekauft. Danach steht es den Kommentatoren frei, in welchen Abständen sie gemäß ihrer Anlegerperspektive konservativ, chancenorientiert oder spekulativ in Wertpapiere investieren. Es werden Gebühren für Kauf und Verkauf von 0,5 Prozent angenommen und vom Barbestand abgezogen. Zinsen und Dividenden werden dem Barbestand zugebucht. Die Depotzusammensetzung muss sich nicht täglich ändern. Ein Redakteur kann an einigen Tagen eine Kommentarpause einlegen - das Portfolio kann sich dennoch ändern.

Was nun? Ich war mir dessen beim Kauf des Papiers nicht bewusst. Sollte ich deshalb wieder aussteigen? Ich bin noch unschlüssig. Schließlich landet nur ein Bruchteil meiner Investition in den ETF bei diesen Unternehmen. Aber „mein“ ETF ist ein voll replizierender ETF, das heißt, der Anbieter kauft in der Regel alle Wertpapiere des zugrunde liegenden Index und hält sie als Fondsvermögen.

Eins ist jedenfalls klar: Es zeigt, dass man bei Indexpapieren genau hinschauen muss, wenn man derartige Investitionen auf jeden Fall vermeiden will.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

09.08.2013, 09:07 Uhr

Sehr geehrte Frau Leitel,

ich schätze Ihren Ansatz und finde Ihre Gedanken grundsätzlich sehr löblich.

Allerdings frage ich mich, was ist "ethisch" und wo zieht man die Grenze? Das definiert jeder für sich selbst.

Sie investieren in Amazon. Sind hier die Arbeitsbedingungen ethisch und moralisch ok?

Sie investieren in BASF. Gentechnik und Umweltverschmutzung ethisch?

Hugo Boss produziert viele seiner Produkte in asiatischen Fabriken. Ist das ethisch?

Novartis und NovoNordisk? Die Skandale in Afrika und Indien ethisch?

Talanx? Die Umgang von Versicherungsmaklern mit Menschen hat das HB ja ausführlich beleuchtet. Ist das ethisch?

Ich möchte nicht mit dem grünen Zeigefinger auf Sie deuten, aber ich denke, wenn Ihnen der Gedanke wirklich ernst ist, müssten Sie mehr als nur die kleine Investition via MDAX überdenken.

Weiterhin viel Erfolg & ein schönes Wochenende!

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