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02.02.2014

17:07 Uhr

Drei Strategien, drei Depots

Neue Gesichter, neue Strategien

Inmitten einer turbulenten Phase fällt der Startschuss für die neuen Musterdepots. Das neue Konzept: Neben einem Handelsblatt-Depot stellen sich ein Social-Trading-Depot und ein Privatbank-Depot den Finanzmärkten.

Heftiges auf und ab: Die Unruhe an den Börsen dürfte eher zu- als abnehmen. dpa

Heftiges auf und ab: Die Unruhe an den Börsen dürfte eher zu- als abnehmen.

Er gehört für viele Handelsblatt-Leser zum festen Ritual jedes Börsentags: Der Blick auf die Musterdepots im Geldanlageteil. Welche Entwicklungen beschäftigen die Autoren? Was für Schlüsse ziehen sie daraus? Und wie schlagen sie sich im Vergleich zu Dax & Co.?

Mehr als ein Jahr nach Start der Rubrik wird das Konzept überarbeitet: Anders als bisher werden zwei der drei Portfolios nicht mehr durch Redakteure betreut, sondern durch Fachleute aus der Finanzwirtschaft. Anlageprofi Daniel Hupfer von M.M.Warburg managt ab heute das „Privatbank-Depot“, sein Kollege Alexander Kovalenko vom Vermögensverwalter Bayerische Vermögen übernimmt die Verantwortung für das „Social-Trading-Depot“.

Der Grund für die Änderungen: Es sollen weitere aussichtsreiche Ansätze vorgestellt werden, mit denen Investoren ihre Renditeziele erreichen können – auch in schwierigen Börsenphasen wie derzeit. Seit Anfang des Jahres schwanken die Notierungen immer heftiger, einige Anlagemärkte wie in den Schwellenländern sind regelrecht eingebrochen.

Aufschluss geben kann das Handeln der Experten. Im Vordergrund steht nicht ein Wettbewerb zwischen den Portfolios, sondern Nachvollziehbarkeit und Transparenz.

„Das Social-Trading-Depot kombiniert ein langfristig orientiertes Kernportfolio mit sogenanntem Social Trading“, sagt Alexander Kovalenko. Beim Social Trading folgen Investoren öffentlichen Anlagekonzepten anderer Teilnehmer. 60 bis 70 Prozent des Kapitals werden in unterbewertete Aktien investiert. Die Auswahl erfolge mittels fundamentaler Kriterien und Bilanzdaten. Marktführer beim Social Trading ist der Anbieter Wikifolio, an dem die Verlagsgruppe Handelsblatt beteiligt ist. „Der Social-Trading-Anteil beträgt 30 bis 40 Prozent und wird in Wikifolio-Zertifikate investiert“, erklärt Kovalenko.

Die grössten Fehler der Anleger

Risikotoleranz

Die Neigung, Risiken einzugehen, ist mit zwei demografischen Faktoren verbunden: Geschlecht und Alter. Frauen sind normalerweise vorsichtiger als Männer und ältere Menschen sind weniger bereit, Risiken einzugehen, als jüngere Leute. Die Konsequenzen der Verhaltensökonomik für Anleger sind klar: Wie wir uns bei der Geldanlage entscheiden und wie wir uns bei der Verwaltung unserer Anlage entscheiden, hängt sehr davon ab, wie wir über Geld denken. [...] Sie demonstriert, dass Marktwerte nicht ausschließlich von den gesammelten Informationen bestimmt werden, sondern auch davon, wie menschliche Wesen diese Informationen verarbeiten.

Übertriebene Zuversicht

An sich ist Zuversicht ja keine schlechte Sache. Aber übertriebene Zuversicht ist etwas ganz anderes, und sie kann besonders im Umgang mit unseren Finanzangelegenheiten Schaden anrichten. Übertrieben zuversichtliche Anleger treffen nicht nur für sich selbst dumme Entscheidungen, sondern diese wirken sich auch sehr stark auf den Mark als Ganzes aus.

Kurzfristiges Denken

Menschen [legen] zu viel Wert auf wenige mehr oder wenige zufällige Ereignisse [...] und meinen, sie würden darin einen Trend erkennen. Insbesondere sind Anleger tendenziell auf die neuesten Informationen fixiert, die sie bekommen haben, und ziehen daraus Schlüsse. So wird der letzte Ergebnisbericht in ihrem Denken zum Signal für künftige Gewinne. Und da sie meinen, sie würden etwas sehen, das andere nicht sehen, treffen sie dann aufgrund oberflächlicher Überlegungen schnelle Entscheidungen.

Verlustaversion

Der Schmerz durch einen Verlust [ist] viel größer als die Freude über einen Gewinn. Bei einer 50:50-Wette, bei der die Chancen exakt gleich sind, riskieren die meisten Menschen nur dann etwas, wenn der potenzielle Gewinn doppelt so groß ist wie der potenzielle Verlust. Das nennt man asymmetrische Verlustaversion. [...] Auf den Aktienmarkt bezogen bedeutet dies, dass sich die Menschen beim Verlust von Geld doppelt so schlecht fühlen, wie sie sich gut fühlen, wenn sie einen Gewinn erzielen. Diese Abneigung gegen Verluste macht Anleger übertrieben vorsichtig, und das hat einen hohen Preis. [...] Wir wollen alle glauben, wir hätten gute Entscheidungen getroffen, und deshalb hängen wir zu lange an schlechten Entscheidungen, in der vagen Hoffnung, die Dinge werden sich noch wenden.

Verdrängen

Wir neigen dazu, das Geld geistig auf verschiedene Konten zu buchen, und dies bestimmt, wie wir es verwenden. [...] Zudem wurde die geistige Buchhaltung als Grund angeführt, weshalb Menschen schlecht laufende Aktien nicht verkaufen: In ihren Augen wird der Verlust erst real, wenn sie ihn realisieren.

Quelle: Robert G. Hagstrom, Warren Buffett. Sein Weg. Seine Methode. Seine Strategie., Börsenbuchverlag 2011.

Nutzer verwalten dort rund 4 000 Depots. In etwa 800 davon lässt sich mittels Zertifikaten investieren. 127 Millionen Euro beträgt das bisherige Anlagevolumen. „Aus der Kapitalmarktforschung ist bekannt, dass eine Kombination von langfristigen Aufwärtsstrategien einerseits und kurzfristigen Strategien, die auch auf fallende Kurse setzen können, ein ausgezeichnetes Verhältnis von Risiko und Rendite bietet – genau das wird mit dem Portfolio der Bayrischen Vermögen umgesetzt“, sagt Andreas Kern, Geschäftsführer von Wikifolio.com.

Aktien bilden auch im zweiten Profi-Depot einen Schwerpunkt: „Wir werden die Anlagestrategie offensiv ausrichten“, sagt M.M.Warburg-Mann Daniel Hupfer. „Unser Fokus liegt auf chancenorientierten Wertpapieren.“ Daneben setze man im Wesentlichen auf Anleihen. Zwar seien Aktien nicht mehr günstig bewertet, aufgrund des erwarteten positiven Konjunkturszenarios sollten aber die Unternehmensgewinne weiter steigen und sich damit die aktuellen Kurs-Gewinn-Verhältnisse wieder relativieren. „Je nach Markteinschätzung verändern wir die Gewichtung dieser beiden Anlageklassen.“

Es handele sich um ein internationales Portfolio mit Fokus auf Europa. „Wir präferieren die Direktanlage. Daher kaufen wir Fonds nur bei bestimmten Themen, Zertifikate grundsätzlich nicht“, so Hupfer.

Das „Handelsblatts-Depot“ betreut künftig Georgios Kokologiannis, der bereits die Verantwortung für eines der bisherigen Redaktionsportfolios getragen hat. Der Finanzmarkt-Experte gehört bereits seit weit mehr als einem Jahrzehnt zum Journalistenteam des Handelsblatts und verfügt über umfassende Erfahrung rund um das Thema Geldanlage.

Sechs bis acht Prozent jährliche Rendite bei deutlich niedrigeren Schwankungen als am Aktienmarkt ist auch weiterhin der rote Faden, an dem sich sein Depot orientieren wird. Anders als die beiden externen Investmentprofis setzt er auch Derivate zur Absicherung ein – oder um von fallenden Märkten zu profitieren. Dass das funktioniert, hat Kokologiannis in den vergangenen Monaten demonstriert: Nahezu unbeeinflusst von zwischenzeitlichen Rückschlägen an den Märkten ist der Wert seines bisherigen Portfolios gestiegen – zuletzt lag die Rendite bei über zehn Prozent pro Jahr.

Zufrieden sein können auch die bisherigen Betreuer der beiden Redaktionsdepots, die nun durch die Profi-Depots abgelöst werden. Etwa Kerstin Leitel, die seit November 2012 das defensive Portfolio erfolgreich gemanagt hat. „Unter dem Strich habe ich in etwas mehr als einem Jahr eine Rendite von über neun Prozent erzielt – und das, obwohl ich nicht einmal alles Geld eingesetzt habe, sondern auf eine recht hohe Bargeldquote geachtet habe.“

Einfacher dürfte es nach Einschätzung der Experten in den kommenden Monaten nicht werden, attraktive Erträge zu erwirtschaften. „Im Gegensatz zu 2013, als es letztlich egal war, was man gekauft hat – Hauptsache, das Depot war bis zum Anschlag am Aktienmarkt investiert – gibt es dieses Jahr nichts geschenkt“, warnt beispielsweise Finanzredakteur Kokologiannis. Mit einer reinen „Kaufen und Halten“-Strategie seien keine positiven Renditen mehr erzielbar. „Wer sich jetzt an die Börse wagt, muss sein Depot aktiv managen.“

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

03.02.2014, 10:21 Uhr

Auch wenn es ein wenig den Hauch davon hat, dass wie beim Benefizspiel eine Auswahl von Profis gegen Prominente antritt, bin ich mal auf die Portfolioentwicklung gespannt.

Meine Hauptfrage wird sein, ob einer der drei mit seinem Ansatz einen Mehrwert gegenüber der simplen, stressfreien und kostengünstigen Passivanlage in einen ETF liefert, der den MSCI World oder Dax repliziert.

Bisher konnte keines der Redaktions-Portfolios einen Mehrwert liefern.

Aber am Ende investiert ja keiner der drei auch nur einen Cent eigenes Geld von daher ist es nur bedingt vergleichbar.

DrLecter

03.02.2014, 14:58 Uhr

Meiner Ansicht nach ist es richtig, nicht an einem Konzept starr festzuhalten, sondern sich auch immer wieder selbst zu hinterfragen, möglicherweise auf Rückmeldungen der Leser einzugehen. Allerdings ist die aktuelle Neugestaltung nicht gelungen: Ein Depot, das nach eigener Aussage zu etwa 70 Prozent in Value-Werte investiert, als "Social Trading" zu deklarieren, ist irreführend. Entweder sollte die Gewichtung gedreht (70 Prozent in "Social Trading") oder die Bezeichnung geändert werden.

Und Herr Hupfer sagt, er präferiere die Direktanlage, kaufe Fonds nur bei "bestimmten Themen" - nur um dann nicht einmal € 6.000 der bisher investierten knapp € 52.000 direkt zu investieren und den Rest über ETFs abzudecken. Das ist einfach nicht konsequent. Zumal die ETFs keine Sonderthemen wie Schwellenländer oder exotische Branchen abbilden, sondern europäische und amerikanische Standardwerte sowie spanische Anleihen. Merkwürdige Philosophie, nicht nachvollziehbar.

DrNo

04.02.2014, 13:03 Uhr

Ich kann die Zusammensetzung der kompletten Deopts nicht finden - können Sie mir helfen

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