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19.06.2013

19:30 Uhr

Drei Strategien, drei Depots

Zertifikate sind keine Zockerpapiere!

Seit dem Lehmann-Desaster gelten Zertifikate als Teufelszeug. Jürgen Röder und Georgios Kokologiannis zeigen dagegen, wie Anleger ihr Depot mit Zertifikaten gleich zweifach optimieren - bei der Rendite und beim Risiko.

Georgios Kokologiannis Pablo Castagnola

Georgios Kokologiannis

Ich verkaufe den Großteil meiner Anteile an Western Union – einem US-Anbieter von Bargeldtransfers. Etwas mehr als das freigesetzte Kapital investiere ich gleichzeitig in ein Discountzertifikat auf das US-Börsenbarometer S&P 500 (WKN: HV7CL7). Zweck der Depot-Rochade: Ich baue Klumpen- und Marktrisiken ab, verringere aber unterm Strich nicht mein Engagement an der Wall Street.

Kräftige Kursgewinne hatten zu einer Übergewichtung von Western Union im Portfolio geführt. Mit dem defensiven Zertifikat setze ich jetzt nicht nur breit gestreut, sondern quasi mit einem Rabatt von sieben Prozent auf den US-Aktienmarkt. Im Gegenzug ist die Rendite des Papiers allerdings begrenzt: Bis zum Laufzeitende im März 2014 sind maximal 7,6 Prozent pro Jahr drin. Mehr ist nur möglich, falls der Dollar zum Euro wieder steigt.

Georgios Kokologiannis

Der Redakteur

Mit Geldanlagethemen beschäftigt sich der Diplom-Kaufmann beim Handelsblatt seit über 16 Jahren - davor bereits während seines Studiums der Betriebswirtschaftslehre und beim Finanzconsulting einer Unternehmensberatung.

Twitter: @kokologiannis

Die Strategie

"Mein Ziel ist es, eine durchschnittliche Rendite von sechs bis acht Prozent per annum zu erreichen – und das möglichst nervenschonend. Zwei Kernbestandteilen meiner Strategie: Erstens der Einsatz von Anlagezertifikaten und anderen Derivaten, mit denen sich zum einen Depotpositionen absichern lassen und die es zum anderen ermöglichen, auch von schwierigen Phasen an den Aktien- und Rohstoffmärkten zu profitieren. Zweitens arbeite ich bei risikoreicheren Engagements mit Stopp-Loss-Marken - das soll dazu beitragen, dass ich nicht zu lange an Fehlinvestitionen festhalte."

Die Regeln

Jeder Kommentator startet mit einem fiktiven Anfangskapital von 100.000 Euro. Zu Beginn werden maximal drei Wertpapiere gekauft. Danach steht es den Kommentatoren frei, in welchen Abständen sie gemäß ihrer Anlegerperspektive konservativ, chancenorientiert oder spekulativ in Wertpapiere investieren. Es werden Gebühren für Kauf und Verkauf von 0,5 Prozent angenommen und vom Barbestand abgezogen. Zinsen und Dividenden werden dem Barbestand zugebucht. Die Depotzusammensetzung muss sich nicht täglich ändern. Ein Redakteur kann an einigen Tagen eine Kommentarpause einlegen - das Portfolio kann sich dennoch ändern.

Vorteil gegenüber einem Direktinvestment in den US-Leitindex  - beispielsweise mit Hilfe eines Indexfonds (ETF): Einen Gewinn streiche ich auch dann ein, falls die Märkte nicht mehr vom Fleck kommen und nur noch seitwärts tendieren.

Selbst wenn es abwärts geht, macht sich das nicht sofort in meinem Depot bemerkbar. Zum Verlustbringer wird das Papier schließlich erst, wenn die Indexverluste bis zum Frühjahr kommenden Jahres höher ausfallen als mein siebenprozentiger Rabatt.

Kommentare (6)

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allemeineentchen

19.06.2013, 20:34 Uhr

Ja, Herr Röder, was machen Sie, wenn die emittierende Bank
dieser Zertifikate Pleite geht ?

malvin

19.06.2013, 20:41 Uhr

Zertifikate sind eindeutig Zockerpapiere. Es werden künstlich irgendwelche Randbedingungen mathematisch statistisch errechnet, unter denen man am Fälligkeitstat so viel oder nur sovile zurückerhält. Das ist einfach so wie wenn man auf etwas wettet!!! Man kann ja auch in eine richtige Zockerbude gehen und auf den Dax wetten!!! Ich kann auch wetten dass die AfD an die Regierung kommt.

Was natürlich nicht unter Zocken läuft, ist wenn man in den Dax "INVESTIERT", d.h. man Anteilsscheine kauft. Man erält einen Sachgegenwert.

Bei mir hat bei den Zertifikaten immer die Bank gewonnen, komisch oder?

Account gelöscht!

19.06.2013, 20:45 Uhr

haha "Zertifikate sind keine Zockerpapiere" hahaha Neeeinn natürlich nicht.

Waffen töten keine Menschen, sondern derjenige der den Abzug durchzieht. Und genauso ist es auch mit exotischen Optionen, Packages, und sonstigen synthetischen Finanzinstrumenten (aka Zertifikate). Man kann diese benutzen um als Jäger Landschaftspflege zu betreiben, oder aber auch um einen Amoklauf zu veranstalten.

Ich bin (als Privatanleger) sehr froh, dass es alle mögliche Zertifikate zu halbwegs akzeptablen Konditionen zu bekommen (z.B. Ask-Bids, Mindestvolumen, usw.). Denn Geldanlage ist eine Jagd. Und in der Geldanlage gilt: Waffen töten keine Menschen, sondern derjenige der den Abzug durchzieht.

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