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29.02.2012

17:24 Uhr

Dreijahrestender

Ökonomen loben Geldspritze der EZB

VonJan Mallien

Die EZB hat den Banken der Eurozone erneut mehr als 500 Milliarden Euro für drei Jahre geliehen. Ökonomen halten das für einen klugen Schachzug. Sie warnen allerdings auch vor den Risiken der Operation.

EZB flutet die Finanzmärkte erneut mit Geld

Video: EZB flutet die Finanzmärkte erneut mit Geld

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DüsseldorfDie Geldspritze der Europäischen Zentralbank für die europäischen Banken stößt bei Ökonomen auf ein eher positives Echo. "Eine einfachere Lösung um die Märkte zu beruhigen, gibt es sicherlich nicht," sagt Commerzbank-Ökonom Michael Schubert. Auch der Konjunkturchef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Ferdinand Fichtner, sieht die Möglichkeit, dass durch die Bankenhilfe der EZB ein positiver Kreislauf angestoßen werden könnte.

Die EZB hatte den Banken der Eurozone am Mittwoch durch ein Refinanzierungsgeschäft rund 530 Milliarden Euro für drei Jahre zum niedrigen Leitzins von einem Prozent geliehen. Dies war bereits das zweite Mal. Schon im Dezember hatte sie den Banken rund 500 Milliarden Euro geliehen.

Das Refinanzierungsgeschäft der EZB im Dezember hatte bereits den Effekt, dass Anleger wieder eher bereit waren, Risiken einzugehen. Die Risikoprämien für Staatsanleihen europäischer Krisenländer wie Italien und Spanien sanken seit Jahresbeginn deutlich. Durch die Aktion der EZB können sich die Banken Geld zu Billigkonditionen leihen und es in höherverzinsliche Staatsanleihen der Krisenländern investieren.

"Die Operation im Dezember hat Beruhigung in die Märkte gebracht," sagt Fichtner. "Derzeit muss die Beruhigung der Märkte im Zentrum stehen."

Weniger Verständnis hat Fichtner allerdings dafür, dass die EZB nach dem Refinanzierungsgeschäft im Dezember nun noch mal den Banken unter die Arme greift. Aus seiner Sicht habe die Operation im Dezember bereits den gewünschten Effekt erreicht. Das Problem sei wohl gewesen, dass die EZB das Februar-Geschäft bereits vorzeitig angekündigt habe. Eine Absage hätte deshalb vermutlich die Märkte verunsichert, sagte Fichtner.

Grundsätzlich hält er die Strategie der EZB aber für richtig. Durch die Geldspritze an die Banken sei es ihr gelungen, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Einerseits gewährleiste sie die Refinanzierung der Banken. Andererseits trage sie auch dazu bei, dass sich die Krisenländer der Eurozone wieder günstiger refinanzieren könnten.

Die Instrumente der EZB

Veränderung des Leitzinses

Mit der Veränderung des Leitzinses reagiert die EZB in erster Linie auf die Inflation im Euro-Raum. Steigen die Preise deutlich, zieht die Notenbank die geldpolitischen Zügel in der Regel an. Höhere Zinsen verteuern aber auch Kredite. Daher können sie Gift sein für die lahmende Wirtschaft von Krisenländern wie Griechenland oder Portugal. Die EZB muss also die Inflation bekämpfen, ohne die Konjunktur in den 17 Mitgliedstaaten des Euro-Raums abzuwürgen. Die Zinspolitik ist normalerweise das herausragende Instrument der Notenbank. In Krisenzeiten greift sie aber auch zu unkonventionellen Maßnahmen.

Ankauf von Wertpapieren

Nach dem Ausbruch der Euro-Schuldenkrise 2010 hat die EZB die Notenpresse angeworfen, um im großen Stil Staatsanleihen von Euro-Krisenstaaten zu kaufen. Die Währungshüter reagieren damit auf steigende Renditen für Anleihen der Schuldensünder. Für Portugal, Irland, Griechenland und zuletzt auch für Spanien und Italien war es dadurch teurer geworden, sich frisches Geld zu besorgen. Nach dem Einschreiten der EZB sanken die Renditen. Die Notenbank hat derzeit Anleihen von Problemstaaten im Volumen von 156,5 Milliarden Euro in ihren Büchern stehen, die sie auf dem sogenannten Sekundärmarkt gekauft hat, also beispielsweise bei Banken. Die EZB lässt sich ihr Engagement verzinsen. Gehen die Länder pleite, bleibt sie aber zumindest auf Teilen ihrer Forderungen sitzen.

Liquidität

Seit dem Ausbruch der Finanzkrise vor drei Jahren versorgt die EZB die Banken großzügiger mit Geld als sonst. Sie stellt ihnen Kredite mit verschiedenen Laufzeiten zur Verfügung. Zuletzt drehte die EZB den Geldhahn wieder weit auf, weil die Kreditinstitute zögern, sich gegenseitig Geld zu leihen. Banken konnten sich für sechs Monate zum Leitzins von 1,5 Prozent so viel Geld borgen wie sie wollten (Vollzuteilung). In „normalen Zeiten“ sind die Laufzeiten kürzer und es wird nur eine festgelegte Summe versteigert. Daneben vergibt die EZB Darlehen mit kürzerer Laufzeit und mit begrenzter oder voller Zuteilung. Kritiker werfen der Notenbank vor, den Markt mit Geld zu fluten und damit neuen Finanzspekulationen Vorschub zu leisten.

Intervention an Devisenmärkten

Starken Wechselkursschwankungen können die Notenbanken mit dem Kauf oder Verkauf von Devisen begegnen. Die EZB setzte dieses Instrument im Jahr 2000 ein, als der Euro gegenüber dem Dollar einen Schwächeanfall erlitt. Im Kampf gegen einen zu starken Franken, der die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Exportindustrie belastet, hatte die Schweizer Nationalbank SNB erstmals seit mehr als 30 Jahren eine Obergrenze für den Frankenkurs eingeführt, die sie unter allen Umständen verteidigen will, indem sie Franken auf den Markt wirft und damit Euro kauft. Bei massiven Attacken gegen eine Währung können allerdings auch Notenbanken in die Defensive geraten. So wettete der legendäre Hedge-Fonds-Gründer George Soros im Jahr 1992 erfolgreich gegen das britische Pfund und zwang die Bank of England in die Knie.

Kommunikation

EZB-Präsident Mario Draghi ist äußerste Aufmerksamkeit gewiss, wann immer er sich äußert. Manchmal reicht schon die Andeutung, dass die Notenbank aktiv werden könnte, um Spekulationen beispielsweise auf den Devisenmärkten zu beenden. Zugleich ist die EZB bemüht, die Märkte mit ihren Zinsentscheidungen nicht unnötig zu überraschen. Die EZB will - zumindest für Finanzprofis - berechenbar bleiben, damit nicht starke Wechselkurs- oder Aktienkursschwankungen das Vertrauen der Bürger in die Gemeinschaftswährung Euro erschüttern.

Kurzfristige Inflationsgefahren sieht Fichtner durch das Refinanzierungsgeschäft nicht aufkommen. Auch auf mittlere Sicht sei die Inflationsgefahr überschaubar, denn das Refinanzierungsgeschäft der EZB läuft in drei Jahren automatisch aus. Dann würde die EZB eigentlich automatisch dem Markt das Geld wieder entziehen, es sei denn, sie legt dann neue Tender mit einem ähnlichen Volumen auf. Dies könnte passieren, wenn die Peripherieländer auch in drei Jahren noch in der Krise stecken. Die EZB könnte dann durch neue Geldspritzen den dämpfenden Effekt auf die Konjunktur ausbügeln.

Michael Schubert sieht die Risiken des EZB-Geschäfts vor allem darin, dass die Banken ihre Kredite nur mit geringen Sicherheiten absichern müssen.

"Grundsätzlich ist es in Ordnung, dass die EZB so viel verleiht. Das Problem sind aber die Sicherheiten," sagt er. Die EZB hatte zuletzt ihre Sicherheitsanforderungen für Notenbankkredite immer weiter heruntergeschraubt.

Trotz dieses Risikos sieht Schubert jedoch keine bessere Alternative zum Kurs der EZB. Man muss sich fragen, was die Alternative ist, sagt er. "Hätte die EZB auf die Refinanzierungsgeschäfte verzichtet, wäre die Unsicherheit weiter sehr groß."

Kommentare (11)

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29.02.2012, 18:01 Uhr

"Das Refinanzierungsgeschäft der EZB im Dezember hatte bereits den Effekt, dass Anleger wieder eher bereit waren, Risiken einzugehen."

HB sollte nicht ein solch gedankenlosen Mist schreiben. Die Perepherie-Staaten bekommen nicht Geld, weil jemand Risiken eingeht, sondern im Gegenteil weil das Risiko auf andere, die damit gar nichts zu tun haben und von ihrem Glück zum Teil gar nichts wissen, ausgelagert wurde und der ddadurch risikolose Zins lockt. (Selbst-)Betrug unter Duldung der deutschen Volksvertretung und Regierung. Was für Zeiten....

Schön auch die "Experten" (oder doch eher lemmingide Vollhorste) gegenseitig auf die Schulter und freuen sich, dass jemand endlich das wild blinkende rote Lämpchen im Cockpit ausgeschraubt hat und den Lausprecher mit seinem ständig nervenden STALL!, STALL! (Warnung in der Fliegerei vor dem Strömungsabriss an den Tragflächen, der zum unkontrollierten Fallen des Fluggerätes führt) abgeklemmt. Prima alles in Butter und weiter so mit der Symptomunterdrückung!

Account gelöscht!

29.02.2012, 18:20 Uhr

JOURNAILLE UND ÖKONOMEN IN EINEM AUSFLUGSDAMPFER!
Möchte nämlich das Bild des Flugzeuges des Vorredners nicht aufnehmen (obwohl er recht hat).
Der Zeitablauf und die Höhe der Party-Tender (abgesehen von ihrer komplett illegalen Struktur) kommen mir vor, wie die Kalkulation einer Party auf einem Ausflugsdampfer. Der Bedarf an belegten Brötchen mit und ohne Senf werden für den Sommer 2015 fertig gemacht. Dabei sind einige Teilnehmer so betagt, daß sie den Termin des Verzehrs beim besten Willen nicht mehr erleben werden.
Herr Draghi, "unser" Kapitän, raucht hier
dicke Zigarren - bis der Durchfall kommt.
MIT RATIO ODER KALKULATION VON WIRTSCHAFTSRISIKEN
HAT DIES ALLES NICHTS, ABSOLUT NICHTS, ZU TUN.

Account gelöscht!

29.02.2012, 18:29 Uhr

Naja die schlauen sprücheklopfer hier im forum würden die staatsanleihen der PIIGS ja auch nicht kaufen also wer soll es denn dann tun. banken in angststarre? die groben fehler im euro wurden vor mehr als 10 jahren gemacht. und das was zu tun wäre, namlich die harte, kompromisslose regulierung der finanzintermdeiäre über alle rechtsräume hinweg wird von london und der wall street nach kräften torpediert. draghi macht halt seinen italian job, schmutzig aber eben wirkungsvoll. ohne klaffende wunden kommen die geberland-steuerzahler nicht davon, es geht nur um schadensbegrenzung

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