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17.11.2014

10:11 Uhr

DWS-Fondsmanager Gebhardt einmal anders

„Ich warte nicht, bis der Markt mir Recht gibt“

VonKatharina Schneider

Nur eine Korrektur oder doch ein Aktien-Crash? Der Finanzexperte Henning Gebhardt sieht keinen Grund zur Panik. Auf dem Golfplatz erklärt er, wie Anleger heikle Marktphasen meistern und warum Golfer nicht versnobt sind.

Finanzexperten einmal anders

„Geschäfte machen auf dem Golfplatz? Kenne ich nicht.“

Finanzexperten einmal anders : „Geschäfte machen auf dem Golfplatz? Kenne ich nicht.“

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An den Wochenenden geht es für Henning Gebhardt nicht um Rendite, sondern ums Handicap. Der Fondsmanager verantwortet bei der Deutschen Asset & Wealth Management global das Aktienfondsmanagement. Im Interview auf dem Grün des Royal Golf Club Bad Homburg erklärt er, wie er mit Panik am Markt umgeht, welche Eigenschaften sowohl Golfer als auch Anleger zum Erfolg führen und warum der Golf-Sport sein verstaubtes Image längst abgelegt hat.

Während der Woche Fondsmanager, am Wochenende Golfer – Herr Gebhardt, ist das Golfen für Sie eine zusätzliche Herausforderung oder ein Ausgleich zum Job?
Golfen ist immer eine Herausforderung, aber ich habe damit angefangen, um einen Ausgleich zu finden. Die Börsen sind stressig, momentan besonders. Wenn ich auf dem Golfplatz unterwegs bin, ist das eine schöne Abwechslung.

Mitte Oktober ging es in vielen Märkten bergab. War das eine Marktbereinigung oder der Vorbote des nächsten Crashs?
Teile dessen, was wir da gesehen haben, kann man schon als größere Korrektur bezeichnen. So etwas gibt es im Rahmen eines langfristigen Aufwärtstrends aber immer wieder. Anzeichen für einen Crash sehe ich momentan nicht. Ungewöhnlich war jedoch, dass es sich in allen Märkten entladen hat und es auch in den Rentenmärkten Spannungen gab – besonders im amerikanischen. Das ist womöglich auf die Wachstumssorgen zurückzuführen.

Die Wachstumsprognosen sind momentan im besten Fall zurückhaltend, teilweise auch negativ. Kommt da eine neue Krise auf uns zu?
Die Krise in Europa ist immer noch nicht ganz abgearbeitet. Das ist von Zeit zu Zeit noch zu spüren. In Deutschland ist sie aber nur noch gering ausgeprägt, im restlichen Europa sind die Wachstumssorgen deutlich größer. Es könnten weitere Reformen nötig werden und wir müssen uns darauf einstellen, dass das ein längerer Prozess ist. Dieser kann durchaus noch drei oder vier Jahre weitergehen.

Welche Folgen sehen Sie für die Aktienmärkte?
Wenn wir davon ausgehen, dass wir in Europa weiterhin nur schwaches Wachstum haben, dann ist auch an den Aktienmärkten nicht mit rasanten Kurssteigerungen zu rechnen.

In den vergangenen Wochen haben sich viele Kurse wieder erholt. Ist die Gelegenheit zum Einstieg schon wieder vorbei?
In einer Marktphase wie dieser ist Timing besonders schwierig. Die Volatilität ist hoch und es kann durchaus weitere Korrekturen geben. Ich habe mich auch schon häufig geärgert, dass ich nicht den richtigen Zeitpunkt erwischt habe. Aber den trifft man einfach nicht. Deshalb ist es ratsam, sukzessive einzusteigen.

Wovor sich Anleger hüten sollten

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Wo sehen Sie besondere Chancen?
Alle Märkte haben sich zuletzt stark bereinigt und sind wieder auf ein Niveau gekommen, wo wir sagen würden, dass keine Übertreibung mehr drin ist. Deutschland ist besonders interessant, weil die Bewertungen der Aktien hinter anderen Märkten zurückgeblieben sind. Auch den amerikanischen Aktienmarkt darf man nicht vergessen. Der ist wesentlich breiter aufgestellt und weniger volatil. Grundsätzlich ist es für jeden Anleger ratsam, das Risiko zu streuen – auch über Regionen.

Kommentare (4)

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Herr Dr. Peter Lustig

17.11.2014, 13:47 Uhr

Schöner (freudscher) Verschreiber:

"Heute als weltweiter Leiter des Aktienfondsmanagement der Deutschen Asset & Weltmanagement"."

Was sagt uns dieser Artikel (bzw. diese kostenfreie Werbung als Gegenzug zur Einladung der Redakteurin auf den Golfplatz)?

Auch Fondsmanager könnes es nicht besser als der Index und auf dem Golfplatz lernt man etwas fürs Leben.

Herr Paul Mueller

17.11.2014, 20:39 Uhr

"...Was sagt uns dieser Artikel..."
Das sich die meisten dieser Fonds ab einem gewissen Zeitpunkt deshalb schlecht entwickeln, weil die Verwalter sich selbstverliebt auf dem Golfplatz oder im Solarium tummeln, anstatt für ihr Geld zu arbeiten?

Herr hans meier

18.11.2014, 08:16 Uhr

Besonders deutsche Anleger lernen es nie und lassen sich mit Fond und sonstigen Vehikeln das letzte Geld aus der Tasche ziehen, obwohl es sehr gute Möglichkeiten gibt risikolos sein Geld schön zu mehren!

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