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07.12.2012

09:47 Uhr

Eckart Langen v.d. Goltz

„Wenn wir so weitermachen, droht eine schlimme Depression“

VonKatharina Schneider

Der Chef der Münchener Vermögensverwaltung PSM erklärt, warum er derzeit kaum Aktien kauft, Staatsanleihen noch immer eine sinnvolle Anlage sind und was EZB-Chef Mario Draghi tun muss, um die Schuldenkrise zu beenden.

Eckart Langen v.d. Goltz hat seine Vermögensverwaltung 1965 gegründet. Quirin Leppert für Handelsblatt

Eckart Langen v.d. Goltz hat seine Vermögensverwaltung 1965 gegründet.

An den Börsen geht es auf und ab, viele Privatanleger trauen sich nicht, bei dieser Achterbahnfahrt mitzumachen. Sind Sie noch dabei?
Wir sitzen momentan auf viel Geld und es mag auf den ersten Blick dumm erscheinen, aber es wäre noch viel dümmer, damit waghalsige Spekulationen zu tätigen. In diesem Spannungsumfeld der ungelösten wirtschaftlichen Krise voll in Aktien einzusteigen, ist nur etwas für Helden. Augenblicklich wollen wir nur circa zehn bis zwanzig Prozent in Aktien investieren.

Und Sie wollen kein Held sein?
Nein, für uns hat der Vermögenserhalt weiterhin höchste Priorität. Wer in diesem Jahr sehr mutig war, hat vielleicht zehn oder zwanzig Prozent Rendite erzielen können. Wir liegen deutlich darunter, aber in den letzten zwölf Jahren waren wir im Schnitt wesentlich erfolgreicher. Viele andere Investoren haben in den letzten fünf Jahren kein Geld verdient. Es nutzt nichts, die Kunden in einem Jahr mit enormen Renditen zu beglücken, wenn man im nächsten Jahr alles wieder verliert.

Wo parken Sie das Geld, haben Sie es als Festgeld angelegt?
Beim Festgeld ist die Rendite gleich null. Seit der Erklärung von Mario Draghi, dass die Europäische Zentralbank kurzfristige Staatsanleihen notfalls in unbegrenzter Höhe aufkaufen will, sind zwei- bis dreijährige italienische und spanische Staatsanleihen wieder eine relativ sichere Anlage geworden.

Aber nur auf kurze Sicht, oder?
Staatsanleihen sind kein sanftes Ruhekissen, nur bei kurzen Laufzeiten von ein bis drei Jahren ist man relativ sicher. Deswegen haben wir Anleihen von Spanien und Italien gekauft und erzielen damit immerhin eine Rendite von 1,8 bis 2,8 Prozent.

So legen die Deutschen ihr Geld an

40,55 Prozent

Die privaten Haushalte in Deutschland hatten Anfang 2012 ein Geldvermögen in Höhe von 4,8 Billionen Euro. Einen Großteil davon, 40,55 Prozent, haben sie in Bargeld und sonstigen Spareinlagen angelegt.

29,35 Prozent

Knapp 30 Prozent ihres Geldvermögens der privaten Haushalte besteht aus Ansprüchen gegenüber Versicherungen.

8,55 Prozent

Trotz des Risikos haben die Deutschen 8,55 Prozent ihres Geldvermögens in Investmentzertifikate angelegt.

6,87 Prozent

Knapp sieben Prozent des Geldvermögens der Deutschen besteht aus sonstigen Forderungen und Pensionsrückstellungen.

5,25 Prozent

In Aktien haben die privaten Geldhaushalte gerade mal 5,25 Prozent ihres Vermögens angelegt.

5,19 Prozent

Auch bei festverzinslichen Wertpapieren sind die Deutschen vorsichtig: Sie haben 5,19 Prozent ihres Geldvermögens in solche Papiere angelegt.

4,24 Prozent

Etwas mehr als vier Prozent des Geldvermögens der privaten Haushalte in Deutschland entfallen auf sonstige Beteiligungen.

Langfristig erwarten aber sicher auch Ihre Kunden höhere Renditen. Wann wagen Sie sich wieder aus der Deckung?
Aktuell hat uns immer noch die Schuldenkrise im Griff. Alles, was bislang unternommen wurde, hat den Crash nur verzögert. Wenn wir so weitermachen, droht einigen europäischen Staaten der Bankrott und das würde zu einer schlimmen Depression führen.

Sie malen also ein eher düsteres Bild für die Zukunft?
Wir sehen nicht schwarz, es gibt keinen Weltuntergang. Aber wir sind an einem Punkt angekommen, wo die Überschuldungskrise unsere Wirtschaft ruinieren könnte. Es gibt jedoch einen Ausweg aus der Schuldenkrise. Und ich bin sicher, dass unsere Politiker und die Notenbank dazu bereit sein werden, allerdings erst wenn es ein Finanzbeben gibt, das noch schlimmer ist als 2008.

Es kursieren ja schon einige Lösungsansätze.
Die meisten dieser Vorschläge führen zu keiner echten Lösung unserer Schuldenkrise. Etwa die Idee, dass Staaten wie Deutschland zu Zahlmeistern Europas werden: Das ist nicht realistisch, sie würden dann alle mit in den Schuldenstrudel hineingezogen. Manche wollen es sogar auf Staatspleiten und eine Depression ankommen lassen. Das wäre Wahnsinn, es könnte zu einem Crash wie in den 30er Jahren kommen. Die Folgen wären Massenarbeitslosigkeit, Massenpleiten und soziale Unruhen. Anschließend müssten die Staaten noch mehr Schulden machen, um aus dieser Misere wieder herauszukommen.

Kommentare (39)

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Account gelöscht!

07.12.2012, 10:10 Uhr

Ich habs doch immer schon gesagt, im Handelsblatt schreiben auch Leute, die das derzeitige und immer vorhandene Aktienrisiko beim Namen nennen.

Immerhin gibts diese Firma schon seit 1965.

Solche konservativen, sicherheitsorientierten Leute sind mir lieber, als die Tulpenzwiebel-Marktschreier: "Ich habe mein ganzes Geld in Aktien angelegt!"

Rainer_J

07.12.2012, 10:11 Uhr

Will da einer seinen Müll auf Kosten des Steuerzahlers loswerden?

ROBERT_LEE

07.12.2012, 10:13 Uhr

Herr Langen von der Goltz ist ein erfahrener
Mann - er weiß, wovon er spricht.

Noch besser ist sein alter Kumpel J. P. Schäfer - eine
wahre Ikone, eine absolutes Top-Ass!

"Mit jugendlicher Frische die beiden alten Hasen
schlagen!" Viele blieben auf der Strecke.

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