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29.03.2017

14:09 Uhr

Edelmetalle

Die neue Gold-Hoffnung

VonIngo Narat

Der Preisanstieg des gelben Edelmetalls stärkt den Gold-Optimisten den Rücken. Die positiv eingestellten Experten erwarten eine höhere Inflation – und als Folge einen Goldpreis so hoch wie vor sechs Jahren.

Das Edelmetall ist wieder gefragt. dpa

Goldbarren und Goldmünzen

Das Edelmetall ist wieder gefragt.

FrankfurtSteigende Geldentwertung und weiter sinkende Negativzinsen sind das ideale Treibmittel für den Goldpreis. Das glaubt Ronald-Peter Stöferle, Mitgründer der liechtensteinischen Vermögensverwaltung Incrementum. Gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg sprach er vom Goldmarkt im Anfangsstadium einer Hausse.

In den vergangenen drei Monaten stieg der Preis bereits um mehr als 100 Dollar auf über 1250 Dollar je Unze. Schon für dieses Jahr hat Stöferle ein weit höheres Niveau im Auge: bis zu 1500 Dollar. Doch auch damit wäre der Preis noch weit entfernt vom historischen Top über 1900 Dollar vor knapp sechs Jahren.

Der Preis ist zuletzt aus mehreren Gründen gestiegen. Zur Unsicherheit über die Umsatzbarkeit der Pläne von US-Präsident Donald Trump und die Wahlen in Europa kam noch die Brexit-Diskussionen. Vor diesem Hintergrund mussten die Anleger auf die jüngsten Inflationsdaten reagieren, die sowohl in USA als auch in Europa sehr hoch waren.

Die globalen staatlichen Goldreserven

Hintergrund

Die Daten des Internationalen Währungsfonds zeigen die Goldreserven ausgewählter Staaten (in Tonnen) zum Jahresende 2016. Die Statistik legt außerdem offen, wie groß der Anteil des Goldes an den gesamten staatlichen Währungsreserven ist. Viele Länder bunkern neben Gold große Devisenbestände, etwa in US-Dollar oder in Euro.

USA

Bestand: 8133,5 Tonnen

Gold-Anteil an staatlichen Reserven: 73,8 Prozent

Quelle: World Gold Council

Deutschland

Bestand: 3779,9 Tonnen

Gold-Anteil an staatlichen Reserven: 67,6 Prozent

Frankreich

Bestand: 2435,8 Tonnen

Gold-Anteil an staatlichen Reserven: 61,5 Prozent

China

Bestand: 1842,6 Tonnen

Gold-Anteil an staatlichen Reserven: 2,2 Prozent

Schweiz

Bestand: 1040,0 Tonnen

Gold-Anteil an staatlichen Reserven: 5,6 Prozent

Russland

Bestand: 1615,2 Tonnen

Gold-Anteil an staatlichen Reserven: 15,2 Prozent

Indien

Bestand: 557,8 Tonnen

Gold-Anteil an staatlichen Reserven: 5,7 Prozent

Großbritannien

Bestand: 310,3 Tonnen

Gold-Anteil an staatlichen Reserven: 8,5 Prozent

Die gleichzeitig absehbaren weiteren Zinserhöhungen rückten die Anleger erst einmal in den Hintergrund. Auch deshalb, weil die Inflationsanstiege deutlich höher waren als die erwarteten Zinsniveaus. In der Eurozone beispielsweise waren es im Februar zwei Prozent.

Der Edelmetallhändler Degussa hat bereits vorgerechnet, dass etwa ein deutscher Anleger bereits mit negativen Realzinsen von minus drei Prozent zu kämpfen hat. So eine hohe Entwertung von Zinsanlagen ist in der historischen Rückschau einmalig. Zeiten negativer Realzinsen waren immer ein Plus für die Alternativwährung Gold.

Momentan muss der Goldpreis noch nicht kräftig steigen, meint Stöferle. Sein Szenario: „Der Schwung könnte im Sommer kommen. Wir sind jetzt im sehr frühen Stadium des Aufschwungs, deshalb sind viele Anleger noch vorsichtig oder sogar leicht negativ gestimmt, aber das wird sich dann ändern.“

Gold gilt traditionell als Schutz gegen Inflation. Höhere Zinsen und ein steigender Dollar waren häufig schädlich für das Edelmetall. Laut Stöferle könnten jedoch die jüngsten Äußerungen Trumps, der sich gegen einen stärkeren Dollar aussprach, dem Metall nutzen.

Skeptische Analysten sehen den Preis aber deutlich tiefer. Die Experten der Société Générale empfehlen bei höheren Preisen zu verkaufen. Sie pochen auf absehbare höheren Zinsen und erwarten keine Stimulanz durch politische Ereignisse. Ihre Prognose für das vierte Quartal: 1125 Dollar je Unze.

Kommentare (1)

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Frau Edelgard Kah

29.03.2017, 15:22 Uhr

Sehr geehrter Herr Narat,

leider erleben wir immer wieder, dass Lobbyisten aus Eigeninteresse sich die Zukunftsaussichten schön reden.

In den USA hat die FED den Leitzins schon im Jahr 2012 auf Null gesenkt. Er liegt auch heute noch unter 1 %. Ich folgere daraus, dass die Anleger 5 Jahre Zeit hatten, sich von ihren zinslosen Anlagen zu trennen und in das angeblich so werthaltige Gold zu investieren.

In den USA lag die Inflationsrate zuletzt (Februar 2017) bei 2,7 %. Natürlich kann man spekulieren, dass sie vielleicht noch etwas steigen wird. Ganz ohne Spekulation läßt sich aber vorhersagen, dass die FED ihren Leitzins kontinuielich erhöhen wird.

Dass Gold und Zinsanlagen miteinander konkurrieren, ist seit Jahrzehnten bekannt. Da die Zinsen aller Voraussicht nach steigen werden, scheint mir ein Anstieg des Goldpreises Utopie.

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