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15.08.2016

10:46 Uhr

Edelmetalle

Gold ist bloß aus Silber

VonAlexander Busch, Gertrud Hussla

Manche beißen auf die Medaille, andere schwenken sie bei der Siegerehrung fröhlich in die Runde. Der Wert von olympischem Gold ist höchst emotional. Weit höher als der wahre Edelmetallgehalt.

Jeff Henderson aus den USA stört es wenig, dass der Materialwert seiner Goldmedaille im Weitsprung nur 550 Dollar beträgt. AP

Unbezahlbares Gold

Jeff Henderson aus den USA stört es wenig, dass der Materialwert seiner Goldmedaille im Weitsprung nur 550 Dollar beträgt.

Salvador de Bahia/ DüsseldorfAls  die deutschen Frauen beim Doppelvierer in Brasilien Gold holten, hängte Ihnen die IOC-Funktionärin und frühere Olympiasiegerin Irena Szewinska eigentlich nur sechs Gramm echtes Gold um den Hals. Die 500 Gramm schweren Medaillen bestehen laut offiziellen Angaben nämlich zu fast 99 Prozent aus Silber.  Damit ist das Metall der Goldmedaillen gerade mal 200 Euro mehr wert als das der Silber-Medaillen, die aus reinem Silber gegossen werden.

Genauer: Beim derzeitigen Goldpreis von 43 Dollar je Gramm Gold und 65 US-Cent je Gramm Silber ist eine Goldmedaille 555 US-Dollar wert, also rund 500 Euro. Übertroffen wurde das in jüngster Zeit nur von den Medaillen der Olympischen Spiele in London, als Edelmetallpreise noch höher waren. Damals hatte eine Goldmedaille 640 US-Dollar Materialwert.

Gerade mal sechs Gramm Gold haben Annekatrin Thiele, Carina Bär, Julia Lier and Lisa Schmidla jeweils am Hals. dpa

Sieg im Doppelvierer

Gerade mal sechs Gramm Gold haben Annekatrin Thiele, Carina Bär, Julia Lier and Lisa Schmidla jeweils am Hals.

Für 500 Euro um den Hals haben sie die Ruderfrauen bestimmt nicht so angestrengt. Es ist der ideelle Wert, der zählt. Wären die Medaillen durch und durch aus echtem Gold, hätten sie rund  21.500 US-Dollar gekostet.  Das wäre bei über 1600 Goldmedaillen in den olympischen und paralympischen Spielen für das Gastgeberland unbezahlbar.

Teuer wird es für die staatliche Münzprägeanstalt Brasiliens auch so. Sie musste für die Wettbewerbe 5130 Medaillen prägen und dafür insgesamt 2,5 Tonnen Metall verarbeiten. Darunter 4,9 Kilo Gold und 1,6 Tonnen Silber. Vom Materialwert her ist auch eine Silbermedaille nicht billig. Das Silber wäre, zum aktuellen Tageskurs von 65 Cent berechnet, umgerechnet knapp 300 Euro teuer. Nur bei Bronzemedaillen lässt sich der Materialwert vernachlässigen. Er liegt bei rund zwei Euro für fast 500 Gramm Kupfer und etwas Zink.

Nun zur Optik: Die Olympiade die große Stunde der  brasilianischen Münzanstalt, die sonst unter den brasilianischen Institutionen nur ein Schattendasein führt. Vor mehr als dreihundert Jahren wurde sie vom portugiesischen König Dom Pedro  II gegründet. Doch in Brasilien weiß kaum jemand, dass das Land einer der größten staatlichen Banknoten-, Pass- und Münzdruckereien weltweit betreibt.

Die Kosten von Olympia

Budgetplanung

Olympische Sommerspiele auszurichten ist ein teures Vergnügen. In den vergangenen Jahrzehnten sind die Budgets der Organisationskomitees (OK) stark gewachsen. Reichten dem OK für Tokio 1964 umgerechnet rund 56 Millionen Euro, werden für Rio 2016 rund 7,4 Milliarden Reais (2,06 Milliarden Euro) erwartet. Rio liegt damit immerhin unter den Organisationskosten von London 2012. Regelmäßig werden die Kosten zum Politikum in den ausrichtenden Nationen.

Kostenvergleich

Das vollständige finanzielle Ausmaß der Spiele zu berechnen und zu vergleichen, ist nicht leicht: Umstritten ist etwa, ob Investitionen in die städtische Infrastruktur einbezogen werden sollten, wenn sie ohnehin geplant waren. Die OK-Ausgaben stehen dafür schwarz auf weiß in den Abschlussberichten, nachzulesen beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC).

Die teuersten Sommerspiele

Addiert man alle auf Olympia bezogenen Ausgaben, gelten die Wettkämpfe in Peking 2008 mit knapp 29 Milliarden Euro als bislang teuerste Sommerspiele – die Kosten von knapp zwei Milliarden Euro, die das OK davon verbuchte, fallen dabei kaum ins Gewicht. Rio 2016 ist im Vergleich dazu billiger: Insgesamt soll das Event diesmal rund 10 Milliarden Euro kosten, ein Großteil davon fließt in die Infrastruktur, etwa eine neue Metrolinie.

Agenda 2020

Mit der Olympischen Agenda 2020 will das IOC weg vom Gigantismus. Für Tokio 2020 zeichnen sich dennoch bereits höhere Kosten ab als geplant – von umgerechnet 13 Milliarden Euro ist die Rede. Nach Rio könnte es also doch wieder teurer werden. Dank zahlungskräftiger Sponsoren und Medienpartner sowie Touristen sind aber auch immense Einnahmen zu erwarten.

Das muss sich ändern, dachten sich die Verantwortlichen im Finanzministerium, dem die Münze untersteht. Die Olympischen Spiele am Zuckerhut nahmen sie zum Anlass, um mal richtig zu zeigen, was sie können: Die Münzanstalt hat die Medaillen nicht nur geprägt – sondern auch ganz neu designt: 100 Mitarbeiter waren dort jahrelang mit der Entwicklung einer ganz neuen Serie von Medaillen beschäftigt. „Sie haben ganz einzigartige Objekte rarer Schönheit geschaffen“, lobte sie Carlos Arthur Nuzman, der Präsident des brasilianischen Olympischen Komitees bei der Vorstellung Mitte Juni an der Seite von IOC-Präsident Thomas Bach. 

Wenn man den Ausführungen der brasilianischen „Münze“ glauben darf, hat sie die Medaillen besonders nachhaltig hergestellt. Das Gold sei frei von Quecksilber, 30 Prozent des Silbers wurden nach ihren Angaben aus Schweißdrähten, Windschutzscheibenheizungen und Röntgengeräten recycelt. Das Holz der Schatullen, die zu den Medaillen gehören, stammt laut „Münze“  aus  Plantagen und nicht aus Regenwäldern.

Für die Medaillen der der Para-Olympischen Spiele wurde zudem eine einfallsreiche Neuerung eingeführt: Die Münzen enthalten zwischen 28 bis 16 kleine Metallkugeln. Die Medaillen klingen so je nach Rang unterschiedlich:  Bei der Goldmedaille klingelt es am lautesten, bei Bronze leiser.

Kommentare (5)

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Frau Lana Ebsel

15.08.2016, 11:34 Uhr

Diese "Gold"-Medaille ist also genauso ein Fake, wie das ganze gekünstelte Herumgedödel um die ach so beliebte und wichtige Olympiade überhaupt. Da wird man wochenlang von zwanghaft begeisterten Kommentatoren in Rundfunk und öffentlichem Fernsehen mit schauspielerisch sicherlich kunstvoll vorgetragenen Begeisterungstürmen gelangweilt und muss dafür auch noch Zwangsgebühren bezahlen. Wenn dann dem Gebührenzahler neben dem Hüpfsport im Ersten parallel im Zweiten auch noch ein allseits angeblich beliebtes und wichtiges Fußballspiel aufgezwungen wird, dann fällt der Krug endgültig in den Brunnen des Erträglichen. Es ist eine einzige Frechheit und Zumutung.

Baron v. Fink

15.08.2016, 11:40 Uhr

Der Wert von olympischem Gold ist höchst emotional., nicht für uns Finken, wir wollen richtiges Gold
und Aktien. Diesen Blödsinn mit dem Staatssport machen wir nicht mit, es sei den es würden Dividende abfallen. Ansonsten können die Funktionäre, Bonzen und Pharma-Vertreter ihre falsches
Gold behalten.

Herr Percy Stuart

15.08.2016, 13:04 Uhr

 Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. http://www.handelsblatt.com/netiquette  

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