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08.04.2016

16:15 Uhr

„Emerging Markets”

Schwellenländer-Aktien vor dem Comeback?

VonJessica Schwarzer

Die Börsen in den aufstrebenden Schwellenländern haben das erste Quartal überraschend stark abgeschlossen, sogar besser als die der Industrieländer. Doch Experten warnen, dass es für ein Comeback vielleicht zu früh ist.

Der brasilianische Bovespa-Index ist seit seinem Tiefstand um mehr als 30 Prozent in die Höhe geschossen. Imago

Christusstatue von Rio de Janeiro

Der brasilianische Bovespa-Index ist seit seinem Tiefstand um mehr als 30 Prozent in die Höhe geschossen.

Viele Jahre lang galten Aktien aus den aufstrebenden Schwellenländern als die Renditebringer überhaupt. Doch diese Zeiten sind seit ein paar Jahren vorbei. Phasen mit dicken Gewinnen wechseln sich mit Phasen hoher Verluste ab. Anleger, die weiterhin auf die Emerging Markets setzen, brauchen starke Nerven.

Doch zumindest im ersten Quartal wurden sie dafür auch belohnt. Die Turbulenzen haben zwar auch die Börsen in den Schwellenländern stark belastet, aber von der darauffolgenden Erholung an den Weltmärkten profitierten die Schwellenländermärkte besonders stark.

Der MSCI Emerging Markets brachte es gar auf ein Quartalsplus von mehr als fünf Prozent. Zum Vergleich: Der Weltaktienindex MSCI World, der nur Aktien aus Industrieländern beinhaltet, schaffte nur ein mageres Plus von gut einem Prozent.

Stehen die Schwellenländermärkte also vor dem Comeback? So weit wollen Experten wie Ulrich Stephan nicht gehen. „Es wäre zu früh, von einer Renaissance der Schwellenländer zu sprechen, aber interessant ist die Entwicklung allemal“, sagt der Chefanlagestratege der Deutschen Bank. „Weitere Chance würde ich auch nicht ausschließen.“

Bedeutung der Schwellenländer für Anleger

Welche Länder sind Schwellenländer?

Schwellenmärkte sind die Finanzmärkte von Volkswirtschaften im Wachstumsstadium ihres Entwicklungszyklus und weisen ein niedriges bis mittleres Pro-Kopf-Einkommen auf. Diese Länder liegen in aller Regel in Asien (ohne Japan), dem Nahen Osten, Osteuropa, Zentral- und Südamerika und auch in Afrika. Insgesamt sind es etwa 170 Länder.

Quelle: Mark Mobius – Emerging Markets für Anleger, Börsenbuchverlag

Wie bedeutend sind diese Länder?

Auf Schwellenländer entfallen 77 Prozent der globalen Landmasse, mehr als 80 Prozent der Weltbevölkerung, mehr als 65 Prozent der globalen Devisenreserven und rund 50 Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts.

Wie viele Menschen leben in den Emerging Markets?

2010 lebten rund 5,7 Milliarden Menschen in Schwellenländern – etwa fünf Mal so viele wie in den Industrieländern mit ihren 1,2 Milliarden Einwohnern. Allein China und Indien haben mehr als 2,5 Milliarden Menschen – in etwa das Vierfache der rund 700 Millionen Bürger der USA und der Europäischen Union.

Wer sind die „Big Five“?

China, Indien, Indonesien, Brasilien und Russland sind die sogenannten Big Five und sind nach sämtlichen Maßstäben rentable Schwellenmärkte. Sie sind nicht nur in der Entwicklung begriffen, sondern gehören auch zu den 20 größten Volkswirtschaften der Welt, China, Brasilien und Indien sogar zu den Top Ten. Marc Mobius ist überzeugt: „Diese Volkswirtschaften sind ganz klar die Wirtschaftsmotoren des 21. Jahrhunderts.“

Wie stark wachsen die Emerging Markets?

Von 2000 bis 2010 wuchsen die Volkswirtschaften von vier maßgeblichen Schwellenländern, nämlich Brasilien, Russland, Indien und China (Bric), um 112 Prozent. Die USA, Großbritannien und Japan brachten es nur auf vergleichsweise magere auf 14 Prozent.

Noch verhaltener urteilt Jakob Tanzmeister, Portfolio-Manager bei JP Morgan Asset Management: „Wir sind skeptisch, dass die jüngste Rally bei Schwellenländeraktien fortgesetzt werden kann.“

Seit seinem Quartalstief im Januar hat der MSCI Emerging Markets in Lokalwährung um 14 Prozent zugelegt und sogar um fast 20 Prozent unter Berücksichtigung von Währungseffekten. Doch ein kurzfristiger Anstieg in dieser Größenordnung sei laut Tanzmeister nicht ungewöhnlich.

Investieren in Schwellenländern

Wo können Anleger investieren?

In vielen Schwellenländern ist die Anlage von vornherein ausgeschlossen, weil etliche Barrieren vorliegen, etwa Beschränkungen für ausländische Investoren, Besteuerung oder das Fehlen von Aktienmärkten. Damit ist das Spektrum sehr viel kleiner als die Zahl der 170 Länder.  Mobius setzt nur auf die FELT-Märkte. FELT steht für fair, effizient, liquide und transparent. Er kommt so auf mehr als 60 Länder, in denen sich Investments lohnen könnten.

Quelle: Mark Mobius – Emerging Markets für Anleger, Börsenbuchverlag

Wie wichtig sind Schwellenländer-Börsen?

Die Börsen der Schwellenländer werden immer wichtiger. 2011 entfielen bereits 34 Prozent der gesamten Aktienmarktkapitalisierung der Welt auf Schwellenmärkte. Zehn Jahre zuvor waren es noch nicht einmal zehn Prozent.

Wie entwickeln sich die Börsen in den Schwellenländern?

Die Kursentwicklung kann sich sehen lassen: Die Schwellenländermärkte haben den US-Markt von 1998 bis 2012 um rund 940 Prozent übertroffen und den globalen Markt um mehr als 1.360 Prozent. Natürlich schwankt die Wertentwicklung von Jahr zu Jahr. Und manchmal schneiden die Schwellenmärkte auch schlechter ab.

Welche Anlageinstrumente gibt es?

Anleger können natürlich nicht nur in Investmentfonds mit Schwerpunkt Emerging Markets und entsprechende börsennotierte Indexfonds (ETFs) investieren, sondern auch in Einzeltitel, die an den dortigen Börsen notiert sind. Außerdem gibt es an Aktienmärkten in Industrieländern notierte Hinterlegungsscheine für Schwellenländeraktien.

Wie viele Fonds gibt es?

Als Templeton 1987 den ersten börsennotierten Schwelländerfonds auflegte, engagierte sich noch kein anderer US-Investmentfonds in nennenswertem Umfang in Übersee. Heute stehen Anlegern mehr als 6000 Aktienfonds mit Schwellenländer-Engagements offen.

Wie stark sind Anleger investiert?

Obwohl bereits mehr als 30 Prozent der globalen Marktkapitalisierung auf die Aktienmärkte der Schwellenländer entfallen, sind sie in den Portfolios institutioneller US-Investoren nur mit drei bis acht Prozent gewichtet.

„Seit seinem Höchststand im Mai 2011 waren sechs Anstiege vom Tiefst- zum Höchststand um mehr als zehn Prozent zu beobachten, die jedoch sämtlich in der Folge abflauten“, sagt er. Die Frage sei nun, ob sich der aktuelle Stimmungsaufschwung zu einer dauerhaften Erholung ausweitet.

Es waren die gleichen Themen, die zu Jahresbeginn für den Absturz der Weltbörsen gesorgt hatten, die schließlich ab Mitte Februar die Erholungsrally anschoben: China, die Weltkonjunktur, die Zinspolitik der US-Notenbank und ihre Auswirkung auf den US-Dollar und natürlich der Ölpreis. Zu Jahresbeginn waren die Sorgen um die Konjunktur in asiatischen Land groß und ließen die Börsen beben. Doch mit dem wieder aufkeimendem Optimismus, erholten sich auch die Märkte.

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