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22.06.2012

09:28 Uhr

Emmerich Müller im Interview

„Die Euro-Krise trifft die breite Masse“

VonJörg Hackhausen

Die Krise wird uns alle belasten, meint Emmerich Müller vom Bankhaus Metzler. Im Interview erklärt er, wer für die Schulden geradestehen muss, was auf Sparer zukommt - und warum er keine Anleihen von Schalke kauft.

„Die Euro-Krise trifft die breite Masse.“Emmerich Müller, Gesellschafter des Bankhaus Metzler Andreas Reeg für Handelsblatt

„Die Euro-Krise trifft die breite Masse.“

Emmerich Müller, Gesellschafter des Bankhaus Metzler

Herr Müller, wie lange wird der Euro noch überleben?

Der Euro wird vermutlich noch lange weiter existieren. Ich glaube nicht an einen völligen Zerfall der Euro-Zone. Der politische Wille, den Euro zu behalten, ist nach wie vor groß.

 

Viele meinen, Deutschland wäre ohne den Euro besser dran.

Niemand sollte so naiv sein, zu glauben, wir kämen schadlos aus der Krise. Es wird so oder so schmerzhaft. Wie groß der Schaden ausfällt, kann niemand seriös beantworten. Gut möglich, dass ein Ende des Euros für Deutschland sogar noch teurer wäre, als weitere Hilfen für die verschuldeten Staaten zu leisten.

So viel kostet Europa

Rettungsfonds EFSM

Beim Rettungsfonds EFSM stehen 60 Milliarden Euro zu Buche. Der deutsche Anteil beträgt dabei 12 Milliarden Euro.

1. Rettungspaket für Griechenland (IWF und EU)

Griechenland erhielt durch das erste Rettungspaket 110 Milliarden Euro, 24 Milliarden davon kamen aus Deutschland.

Einlagensicherungsfonds (von Experten geschätzt)

Nach Schätzung der Citigroup müsste der von der EU-Kommission geforderte Einlagensicherungsfonds ein Volumen von 197 Milliarden Euro haben. Der deutsche Anteil läge dann bei bis zu 55 Milliarden Euro.

EZB-Staatsanleihenkäufe

Die Europäische Zentralbank hat Staatsanleihen für 209 Milliarden Euro eingekauft. Der Bund ist daran mit 57 Milliarden Euro, also mehr als einem Viertel, beteiligt.

IWF-Beitrag zu den Rettungspaketen

Der Internationale Währungsfonds zahlte 250 Milliarden Euro für die Rettungspakete. Deutschland gab dafür 15 Milliarden.

Geplanter ESM

Der dauerhafte Rettungsschirm soll ein Volumen von 700 Milliarden Euro haben. Deutschland wäre daran mit 190 Milliarden Euro beteiligt.

Bürgschaften im Rettungsfonds EFSF

Der Rettungsfonds bürgt mit 780 Milliarden, Deutschland allein mit 253 Milliarden Euro.

Target-Verbindlichkeiten

Die Target-Verbindlichkeiten liegen innerhalb des EZB-Verrechnungssystem bei 818 Milliarden Euro. Der deutsche Anteil daran beträgt 349 Milliarden Euro.

Ist das 'Experiment Euro' gescheitert?

Der Euro hatte von Anfang an seine Konstruktionsfehler. Aber auch Deutschland hat in den vergangenen Jahren profitiert. Wir können uns jetzt nicht aus der Verantwortung nehmen.

 

Warum trägt Deutschland die Verantwortung für die Schulden der Griechen oder Spanier?

Wir haben der Einführung des Euros zugestimmt und dafür einen Teil unserer Souveränität aufgegeben. Wir haben sehenden Auges zugestimmt, dass Länder wie Griechenland in den Euro aufgenommen werden. Im Übrigen hat sich Deutschland auch nicht immer vorbildlich verhalten. Wir waren unter den ersten, die die im Vertrag von Maastricht festgelegten Stabilitätskriterien missachtet haben. Das haben viele anscheinend vergessen.

 

Also soll Deutschland für alle zahlen.

Verantwortung übernehmen heißt nicht, für alles haften zu müssen. Eine uneingeschränkte Haftung darf es nicht geben - das war eine der Grundideen des Euros. Auch das ist mittlerweile in Vergessenheit geraten.

Kommentare (42)

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Ben-Wa

22.06.2012, 09:37 Uhr

Eigentlich sollte dieser Banker wissen, daß politischer Wille - ich nenne das eher Willensfanatismus(!) - nicht ausreicht, um ein "politisches Projekt" wider ökonomischen Sachverstand durchzuziehen.
Man sieht hier schon, wie Wunschdenken, Bankstergehabe und GLAUBE eine Melange eingehen, die alle in Politik und Wirtschaft als der Realität entrückt zeigt. Ein Fall für Psychiater und später Historiker!

Ihre_Branche_ist_das_Problem

22.06.2012, 09:43 Uhr

Herr Metzler, Sie und ihre gesamte Branche sind das Problem.
Spielcasino-Kapitalismus bedeutet mit Geld, noch viel mehr Geld zu verdienen. Westerwelle würde es als „spätrömische Dekadenz“ bezeichnen. Leistingslose Geldvermehrung durch Spekulation. Gehts schief, werden die Verluste sozialisiert, geht es gut landen die Gewinne auf den Privatkonten ihrer Kunden.
Die Geld- und Vermögensverwalter verdienen dabei kräftig mit. Auch sollte man mal kritisch hinterfragen, warum die meisten Vermögenden hauptsächlich „Privatiers“ sind, und mit produktiver, körperlicher Arbeit relativ wenig am Hut haben. Vielleicht mal noch hin und da Charity oder das ein oder andere Golfturnier. Ansonsten Jetsetleben auf kosten der Allgemeinheit. Und nein, ich bin nicht neidisch auf diesen dekadenten Lebensstil, aber richtig sauer, das bei Verlusten der Leiharbeits-Malocher die Zeche dieser verwöhnten Schnösel bezahlen muss.
Das ist das was mich so ankotzt!


Petra

22.06.2012, 09:46 Uhr

EU-Verträge sind dazu da, gebrochen zu werden! Bestes Beispiel ist das "no-bail-out"-Gesetz.
Warum soll Deutschland nicht auch EU-Gesetzte zum Wohl des Volkes biegen dürfen? Wie sagte ein Politiker: Selbst schuld, wer sich an die Gesetze hält! Da sind die Politiker der anderen EU-Staaten unseren Politikern um Lichtjahre voraus! Einzig das Deutsche Volk wird von Deutschen (!) Politikern ständig und bis aufs Blut ausgepresst!!! Den nahezu gottgleichen Politikern und Beamten passiert ohnehin nichts....

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