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20.04.2011

14:36 Uhr

Emmerich Müller

„Wir können nicht länger über unsere Verhältnisse leben“

VonJörg Hackhausen

ExklusivDas ständige Schuldenmachen geht so nicht mehr weiter, sagt Emmerich Müller vom Bankhaus Metzler. Im Interview mit dem Handelsblatt erklärt der Privatbankier, warum die Deutschen um ihren Wohlstand fürchten müssen.

Emmerich Müller ist Partner des Bankhauses Metzler und neben Friedrich von Metzler persönlich haftender Gesellschafter. Er ist unter anderem verantwortlich für das Private Banking. Quelle: Bert Bostelmann für Handelsblatt

Emmerich Müller ist Partner des Bankhauses Metzler und neben Friedrich von Metzler persönlich haftender Gesellschafter. Er ist unter anderem verantwortlich für das Private Banking.

Handelsblatt: Herr Müller, erst sind die Banken ins Wanken geraten, jetzt sitzen die Staaten auf hohen Schuldenbergen. Wie hat die Finanzkrise die Welt verändert? 

Müller: Die Finanzkrise hat nur eine Entwicklung beschleunigt, die uns früher oder später ohnehin eingeholt hätte. In Wahrheit haben wir viel zu lange über unsere Verhältnisse gelebt. Wir haben geglaubt, dass es immer weiter aufwärts gehen würde. Aber das war ein Trugschluss. Jetzt sind wir an dem Punkt, an dem klar wird, dass es so nicht mehr weiter geht. Die Finanzkrise ist nicht der Auslöser, aber gewissermaßen ein Kristallisationspunkt.

Wie ist es so weit gekommen?

Wir haben dem Staat über Jahrzehnte alles aufgebürdet, wir haben ihm immer mehr Aufgaben übertragen und haben ihn damit überfordert. Auch vor der Finanzkrise lag unsere Staatsverschuldung schon bei 1,7 Billionen Euro, jetzt sind es zwei Billionen. Dabei sind noch nicht einmal die zukünftigen Verpflichtungen eingerechnet, etwa für die Pensionen von Beamten. 

Wie soll Deutschland seine Schulden zurückzahlen? 

Wir werden nicht alle Versprechen und auch nicht alle Verbindlichkeiten real erfüllen können.

Was Sie so gelassen aussprechen, klingt nach Staatspleite. 

Staatspleite würde ich das nicht nennen und wir reden hier nicht über den Weltuntergang. In der Geschichte ist es immer wieder vorgekommen, dass Staaten nicht alle Verbindlichkeiten real erfüllt haben, es war sogar eher die Regel. Mit Ausnahme der USA ist fast jeder Staat schon einmal pleite gewesen. Am Ende wird es darauf ankommen, wer für den Schaden aufkommt.

Wer wird das sein? 

Es trifft letztlich immer die Bürger. Der Staat muss Leistungen kürzen. Es wird schmerzliche Einschnitte in den Sozialstaat geben. Manche Dinge spüren die Menschen jetzt schon unmittelbar; andere – wie die Rente mit 67 – kommen erst in der Zukunft auf sie zu. Über die längere Lebensarbeitszeit wird im Moment wenig gesprochen, aus volkswirtschaftlicher Sicht wird sie aber einen enorm wichtigen Effekt haben. Was die Menschen auch erst nach und nach spüren werden, ist die schleichende Enteignung durch Geldentwertung. 

Kommentare (30)

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SeriousSam

20.04.2011, 14:48 Uhr

Habe ich das nur überlesen, oder fällt dem Mann tatsächlich nicht ein, die Besitzer sehr hoher Vermögen und Bezieher sehr hoher Einkommen fairer als bislang an der Finanzierung gesamtgesellschaftlicher Aufgaben zu beteiligen - es lann doch wohl nicht alles beim 'kleinen Mann' abgeladen werden, während die Kundschaft des Bankhauses Metzler immer nocb reicher wird? Das ist doch asozial!

limeswart

20.04.2011, 15:26 Uhr

Einfach weiter so. Manche Menschen sind offensichtlich nicht in der Lage die Dinge zu sehen, welche extrem schief laufen und am Ende, wenn nicht endlich gegengesteuert wird, in einer Katastrophe enden. Immer schneller wandert der Wohlstand einer ganzen Gesellschaft in die Taschen sehr weniger.

GibDemMannHirn

20.04.2011, 15:50 Uhr

So ein dummer Schwätzer. Wenn ich Kunde seiner Bank wäre, würde ich jetzt sofort alle Gelder abziehen.

WIR (das deutsche Volk) haben nicht über unsere Verhältnisse gelebt. Andere Länder, wie z.B. die USA, haben - auf unsere Kosten und auf Kosten Chinas, Japans, ... gelebt. Hinzu kam die Unfähigkeit, Korrumpierbarkeit, Verschwendungssucht, Betrug,... unsere Politikerkaste. Ohne diese Schwachmaten würde Deutschland heute blendend darstehen und könnte der nächsten Weltwirtschaftskrise gelassen entgegensehen.

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