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29.10.2014

21:05 Uhr

Ende der Konjunkturspritzen

Fed beendet die Stützungskäufe

VonAxel Postinett

Die US-Notenbank montiert die Stützräder ab, die milliardenschweren Konjunkturspritzen werden eingestellt. Der Aktienmarkt muss ab jetzt wieder alleine fahren, die Anleihekäufe sind Geschichte. Zumindest teilweise.

Janet Yellen ändert ihre Geldpolitik ap

Janet Yellen ändert ihre Geldpolitik

San FranciscoDas Ende einer Ära, und keiner weiß, was kommen wird. Die US-Notenbank Fed stoppt wie erwartet ihre Stützungskäufe von Anleihen am US-Bondmarkt. Die Aktienmärkte reagieren gelassen auf die Entscheidung, die von Fed-Chefin Janet Yellen langfristig angekündigt worden war.

Zunächst war die Summe der monatlichen Anleihenkäufe gesenkt worden. In 2013 hatten sie mit 85 Milliarden Dollar pro Monat ihren Höhepunkt erreicht. Ende Oktober fallen sie komplett weg. Als das Ende der Geldschwemme Mitte 2013 erstmals erörtert wurde, hatte es noch starke Verluste am Aktienmarkt gegeben.

Jetzt, mit stabilisierter Konjunktur in den USA und Aktienmärkten nahe ihren Allzeithochs, wird die Aussetzung der Hilfsmaßnahmen eher als positives Signal einer starken Wirtschaft interpretiert. Als eine wichtige Begründung für den Schritt nennt Janet Yellen eine Arbeitslosenquote von unter sechs Prozent.

Börsen in Aufruhr

Was spielt sich derzeit an den Finanzmärkten ab?

Vor allem eingetrübte Konjunkturperspektiven belasten die Märkte. Die Rohstoffpreise - ein Barometer für die wirtschaftliche Lage - befinden sich auf Talfahrt. Zu den Sorgen über die Wirtschaft kommt die Verunsicherung durch Krisen im Nahen Osten und der Ukraine sowie die Furcht vor einer Ausbreitung von Ebola. „Die Anleger sind nervös und nutzen jede Gelegenheit zum Verkaufen, während noch vor Wochen jede Schwäche zum Nachkaufen genutzt wurde“, sagt Marktexperte Daniel Saurenz von Feingold Research. Die Stimmung sei innerhalb kürzester Zeit von fast schon euphorisch auf sehr negativ gedreht. Auch an den Anleihemärkten dominiert die Angst. Die Risikoaufschläge für Papiere aus den europäischen Krisenländern zogen stark an, während die Renditen auf die deutschen Staatspapiere auf Rekordtiefs fielen. Letzteres deutet auf eine große Nachfrage der Investoren hin - die sogenannten Bundesanleihen gelten als sicherer Hafen in Krisenzeiten.
Quelle: dpa

Haben die Anleger die Gefahren für die Wirtschaft zu lange ignoriert?

Tatsächlich haben insbesondere die Aktienmärkte die politischen Krisen und die Gefahren einer globalen Wachstumsschwäche lange Zeit kaum beachtet. Die Notenbanken pumpten billiges Geld in den Markt. Und wegen der mickrigen Zinsen mangelte es an Alternativen, so dass die Anleger in großem Stil zu Aktien griffen. „Befürchtet wird nun ein Übergreifen der Wirtschaftsschwäche und sinkender Inflationsraten aus der Eurozone auf die USA“, sagt Volkswirt Eugen Keller vom Bankhaus Metzler.

Sind die Notenbanken mit ihrem Latein am Ende?

Während die US-Notenbank Fed jahrelang Milliarden in die Wirtschaft pumpte und Erfolge vorweisen konnte, gilt die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) bei vielen Ökonomen mittlerweile als wenig wirksam. „Die jüngst von der EZB beschlossenen Maßnahmen zielen auf das Angebot an Krediten ab, aber tatsächlich fehlt es angesichts der wirtschaftlichen Schwäche an Nachfrage“, sagt Volkswirt Keller. Auch die jetzt diskutierten, breit angelegte Staatsanleihekäufe würden nichts am Grundproblem ändern.

Sind die Konjunkturängste gerechtfertigt?

Laut Volkswirten gibt es zwar Grund zur Vorsicht, allerdings sollten die jüngsten Signale nicht überbewertet werden. Nach Einschätzung der Experten von Goldman Sachs gilt das vor allem mit Blick auf die USA. Dort gebe es wenig Anzeichen einer Konjunkturabkühlung. Auch die Ausbreitung des Ebola-Virus sehen die Experten der US-Investmentbank nicht sonderlich kritisch. Es müsse schon viel passieren, bis derartige Ereignisse tiefere Spuren in der Wirtschaft hinterließen. Mit Blick auf Europa hält Graham Secker, Marktstratege bei Morgan Stanley, die Konjunkturaussichten zwar nicht für rosig, aber längst nicht so trübe wie die Anlegerstimmung es signalisiere.

Droht am Ende der große Crash am Aktienmarkt?

Noch sehen Experten keinen Grund für übertriebene Angst. Nach dem starken Lauf der vergangenen Jahre sind auch größere Korrekturen nicht ungewöhnlich. Investoren sollten nicht die Nerven verlieren und blind der Masse hinterherrennen, sagt Marktexperte Saurenz. Möglicherweise nutzten manche Investoren die niedrigen Kurse auch zum Kaufen, was den Markt stützen würde. Viel schlechter könne die Stimmung am europäischen Aktienmarkt nicht werden, schrieb Morgan-Stanley-Experte Secker wie zur Beruhigung.

Gleichzeig sei das Risiko einer zu geringen Inflation deutlich gesunken. Der Leitzins, die Fed Funds, werde „auf absehbare Zeit“ in ihrer Zielzone von null bis 0,25 Prozent bleiben, verspricht die Fed. Analysten gehen in der Mehrzahl von Mitte 2015 als Zeitpunkt für erste Zinsanhebungen aus.

Es war eine gigantische Aktion und ein Ausflug in unbekannte Regionen: Über gut fünf Jahre kaufte die Notenbank für über drei Billionen Anleihen auf und pumpte so Liquidität in die Märkte. Gleichzeitig wurde der Leitzins praktisch auf null gesetzt. Geld gab es im Sonderangebot. Es folgte eine massive Rally am Aktienmarkt. Im Gegenzug liegen die aufgekauften Papiere jetzt bei der Notenbank und blähen ihre Bilanz auf beispiellose vier Billionen Dollar auf. Die bange Frage ist jetzt, wie diese Bilanzblase marktschonend abgebaut werden kann. Das Experiment „Quantitative Easing“ ist noch nicht ganz vorbei. Lediglich die erste Phase ist abgeschlossen.

In einer Mitteilung lobte die Fed die positiven Auswirkungen auf die Wirtschaft, die ihre Aktionen gebracht hätten. Kritiker sind sich da allerdings nicht so sicher, es gibt schlicht keine Anhaltspunkte oder Vergleiche, ob es ohne den Eingriff schlimmer gekommen wäre oder besser gelaufen wäre. Sie beklagen, dass die Reichen so nur noch reicher und die Armen ärmer geworden seien.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

29.10.2014, 19:54 Uhr

Völlig ungeachtet der tatsächlichen Konjunkturentwicklung muß es aufhören mit QE und Nullzins.
Allerdings ist dafür gesorgt, daß die gewünschten Zahlen verfügbar sind.

Die Lage ist hingegen nicht ganz so, wie gewünscht, aber zur Neuausrichtung wird es reichen (müssen).

Die auf recht tönernen Füßen stehende US-Wirtschaft ist immer noch finanzlastig und es werden zu wenig der Armen in Arbeit zurück geführt.

Ob daher dem Start in die bessere Zukunft auch ein dauerhafter Flug folgen kann, ist offen, bestenfalls.

Herr Josef Schmidt

30.10.2014, 08:08 Uhr

Ein schlechter Scherz denn die verdeckten Anleihenkäufe über Belgien usw. werden weiterlaufen oder glaubt schon jemand an höhere Zinsen ?

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