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29.05.2012

09:28 Uhr

Entschuldung über Inflation

Die Folterinstrumente des Staates

VonJörg Hackhausen, Jan Mallien

Wie kommen wir von den hohen Staatsschulden runter? Allein durch Sparmaßnahmen oder Steuererhöhungen wird das kaum funktionieren. Es gibt andere Folterwerkzeuge, um an das Vermögen der Sparer heranzukommen.

Aufgefressen: Die Deutschen fürchten um ihr Geld. picture-alliance / dieKLEINERT.d

Aufgefressen: Die Deutschen fürchten um ihr Geld.

DüsseldorfSchulden, überall nur Schulden. Nicht nur Griechenland und Portugal stecken in der Klemme. Auch in den USA, Japan oder Deutschland hat die Verschuldung ein ungesundes Maß erreicht. Wie sollen wir jemals wieder aus den Miesen herauskommen?

Allein durch Sparen von den hohen Schulden herunter zu kommen, wird kaum funktionieren. Nicht mal im kleinen Griechenland erscheint dieser Weg gangbar. Die Menschen wollen den strengen Sparkurs nicht mittragen. Noch schwieriger wäre es, die großen Volkswirtschaften allein durch Sparen zu sanieren; um nicht zu sagen: unmöglich. Wenn alle Welt gleichzeitig anfinge zu sparen, wäre die Folge eine weltweite Rezession. Ein globaler Schuldenschnitt scheidet daher aus.

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Die andere Möglichkeit der Entschuldung geht über Inflation. Unter Ökonomen findet diese Variante mehr und mehr Anhänger, vor allem in den USA. Die Amerikaner haben mit höheren Inflationsraten weniger ein Problem als die Deutschen. Bereits nach dem Zweiten Weltkrieg sind die Vereinigten Staaten ihre hohe Schuldenquote durch Inflation losgeworden.

So treten zum Beispiel der frühere IWF-Chefökonom Kenneth Rogoff und die Nobelpreisträger Greg Mankiw und Paul Krugman, ganz offen für höhere Inflation ein. Rogoff argumentiert, dass die westlichen Staaten die enorme Verschuldung durch die Finanzkrise nur schwer schultern könnten. Der einfachste Weg um das Problem zu lösen, sei eine höhere Inflation. Durch höhere Preissteigerungen nimmt der Wert der Staatsschulden ab. Dies hätte einen ähnlichen Effekt wie eine Neuverhandlung der Schulden.

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„Es könnte einen Anreiz für die Regierungen der Industriestaaten geben, Inflation in einem höheren Maß als in der jüngeren Vergangenheit üblich zuzulassen“, heißt es in einer Studie der Man Group zum Thema Inflationsgefahr. Dass Politiker, die wiedergewählt werden wollen, hochgradig unpopuläre Sparmaßnahmen durchsetzen werden, sei nicht besonders plausibel. Eine Zeit steigender Teuerung werde „mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht wenige Monate dauern“, sondern könnte „ein Begleiter der nächsten Jahre sein“.

Kommentare (17)

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Puke

06.02.2012, 13:43 Uhr

Jedenfalls ist es schon eine beschlossene Sache, dass das Vermögen der deutschen Sparer dem Euro geopfert wird. Das sind die "mitfühlenden Herzen" *würg - kotz*.
Die deutschen Politiker begehen Hochverrat an der deutschen Bevölkerung - besser: am Steuerzahler in Deutschland. Und nur ein Bruchteil der Bevölkerung bemerkt es. So gut funktioniert die Staatspropaganda. Das ist wirklich beeindruckend.

quertreiber

06.02.2012, 14:16 Uhr

Gut zu lesen, dass Italien schin begonnen hat, die Repressionslösung schon mal zu testen! Wie soll denn die Politik beim ESM (oder wie soll da Vehikel dann schlußendlich heißen) den worst-case managen?: Der BRD-Anteil (incl. Target-Salden) wird dann beim 3-fachen des heutigen Bundeshaushalts liegen! Die Inflation hat doch für die Politik noch einen weiteren Charme: Es entstehen wieder Wählerschichten, die im Sozialstaat aufs Neue beglückt werden müssen, um deren Gunst man mit Wahlgechenken buhlen kann und sodann zur Stabilität des Gesamtsystems beitragen: Erste Vorzeichen gefällig: Rot/-Grün will das ALG I länger zahlen und die Bezugsberechtigtenbasis verbreitern, Frau von der Leyen strebt die Verkürzung der Karenz zum Bezug von ALG I an."

Account gelöscht!

06.02.2012, 15:30 Uhr

Schwache Politiker lieben die Inflation, weil sie relativ lautlos und geruchsfrei ist. Die Löhne werden in Prozentregionen steigen, wie die meisten sie nicht kennen. Das führt zur Ankurbelung des Konsums, erhöht die Steuereinnahmen und durch die Inflation wird die Entschuldung beschleunigt. Für Politiker eine win-win-Situation.
Wichtiger und richtiger wäre aber alle Subventionen, volkswirtschaftlich unsinnige Leistung auf den Prüfstand zu stellen, weil wir ohne die bekannten Staatsschulden auch noch Geisterschulden vor uns her schieben, wie Pensions- und Rentenansprüche z.B. Diese Leistungsansprüche steigen und steigen aber es kommt nichts mehr nach.

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