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14.01.2005

10:35 Uhr

Erfolg von Beteiligungsfirmen lockt Anlageprofis an

US-Investoren entdecken deutsche Aktien

VonTobias Moerschen (Handelsblatt)

Fleiß, Zuverlässigkeit, Solidität – diese klassischen Tugenden schätzen amerikanische Investoren derzeit an deutschen Aktiengesellschaften. „US-Anleger konzentrieren sich auf deutsche Unternehmen mit stabilen, kalkulierbaren Einnahmen, die zusätzliche Phantasie durch steigende Dividenden oder Aktienrückkäufe wecken“, sagt Andrew Lockhart, Chefanalyst der Investmentbank Dresdner Kleinwort Wasserstein.

NEW YORK. Bei einer Investorenkonferenz in New York zählten diese Woche Firmen wie der Reifenhersteller und Autozulieferer Continental, der Zementkonzern Heidelberg Cement und der Chemieriese BASF zu den Stars. Bei der Veranstaltung, ausgerichtet von der Investment-Banking-Tochter des Versicherers Allianz, präsentierten sich 24 der 30 Unternehmen aus dem Deutschen Aktienindex (Dax) und weitere deutsche Firmen vor 350 US-Zuhörern.

Nach dem surrealen Neue-Markt-Boom und der langen Börsentalfahrt schwanken amerikanische Investoren derzeit zwischen Skepsis und Optimismus gegenüber Deutschland. Gefragt sind realistische Pläne zur Ertragssteigerung statt luftiger Wachstumsträume. Wer wie die Deutsche Telekom Erfolge im Schuldenabbau und zudem Dividenden-Phantasie aufweist, kann US-Investoren für sich gewinnen. Einen schweren Stand hat dagegen, wer auf eine positive Gesamtwirtschaft und steigende Nachfrage angewiesen ist. Das gilt etwa für den Autohersteller Volkswagen, der seinen Absatz ankurbeln muss, oder für die Fluglinie Lufthansa, deren Geschäft stark von den Passagierzahlen abhängt.

„Der Ruf von Kontinentaleuropa – und besonders Deutschland – als Anlageziel leidet unter dem chronisch schwachen Wirtschaftswachstum der Region“, sagt David Bowers, Chef-Aktienstratege der US-Investmentbank Merrill Lynch. Hinzu kommen die politischen Spannungen zwischen Kontinentaleuropa und den USA, die sich seit dem Ausbruch des Irakkonflikts verfestigt haben. Der beliebte Moderator Mark Hanes im US-Börsenfernsehsender CNBC beschrieb kürzlich die deutsche und französische Regierung gar als „sozialistisch“. Das entspricht übrigens dem Vorurteil vieler Wall-Street-Banker.

Andererseits registrieren US-Investoren jedoch staunend, wie erfolgreich amerikanische Kapitalbeteiligungsgesellschaften (Private Equity) in Deutschland anlegen. Firmen wie Goldman Sachs Capital Partners, eine Tochter der US-Investmentbank Goldman Sachs, und die New Yorker Blackstone Group verdienten glänzend am Kauf deutscher Industrie- und Immobilienbeteiligungen. Das lockt mehr US-Geld an.

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