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03.07.2017

17:30 Uhr

Erfolgreiche Geldanlage

Das Investment meines Lebens

VonJessica Schwarzer

Gründe, warum eine Aktie im Depot landet, gibt es viele – ob Kommunionsgeschenk, der richtige Riecher für einen ganz großen Trend oder einfach nur ein Pflichtkauf. Experten erinnern sich an ihr bestes Investment.

Finanztipp

Was muss ich bei einer Geldanlage in Aktien beachten?

Finanztipp: Was muss ich bei einer Geldanlage in Aktien beachten?

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DüsseldorfSie gilt als „Trade des Jahrhunderts“: die Wette von George Soros gegen das britische Pfund. Und es dürfte auch das Investment seines Lebens gewesen sein. Mehr als eine Milliarde Dollar Gewinn machte Soros an nur einem einzigen Tag, dem 16. September 1992, mit seinen Spekulationen gegen die britische Währung. Aber das „Investment meines Lebens“ muss nicht immer ein Milliarden-Deal sein.

Bei Christoph Bruns beispielsweise war es der Kauf von Nokia-Aktien im Jahr 1994 – und der sollte sich als „die reinste Freude“ entpuppen. Der Fondsmanager und Mitinhaber der Fondsgesellschaft Loys erkannte früh den Trend zum schicken Mobiltelefon, dass nicht mehr nur funktional war. „Nokia schwang sich aufgrund besseren Designs und Marketing bald zum Marktführer auf und nahm dem vormals dominanten Spieler Ericsson die Butter vom Brot“, erinnert er sich. Gleichzeitig wuchs der Markt für mobile Telefonie exponentiell und Nokia wurde binnen weniger Jahre das wertvollste Unternehmen Europas und zählte zu den – gemessen am Börsenwert – größten Gesellschaften der Welt.

Wie Deutsche ihr Vermögen verteilen – und welche Folgen dies hat

Wo steckt das viele Geld?

Sparbuch und Co. werfen wegen der Zinsflaute kaum noch etwas ab, zugleich nagen die Niedrigzinsen an der Rendite von privaten Renten- und Lebensversicherungen. Dennoch liegt das Geld vor allem auf Girokonten, es steckt in Sparbüchern oder Lebensversicherung. Der größte Posten waren der Bundesbank zufolge Ende vergangenen Jahres Bargeld, Geld auf Girokonten oder Spareinlagen mit insgesamt 2.200 Milliarden Euro. Weitere 2.113 Milliarden Euro steckten in Versicherungen und Pensionseinrichtungen. 2016 hatten einer GfK-Umfrage zufolge 40 Prozent der Bundesbürger ihr Geld auf einem Sparbuch angelegt – wohlwissend, dass es sich um eine unattraktive Form der Geldanlage handelt.

Was ist mit Aktien?

Die meisten Menschen in Deutschland meiden Aktien nach wie vor. Die Zahl der Aktienbesitzer in Deutschland sank im vergangenen Jahr sogar wieder unter die Marke von neun Millionen. „Die Deutschen sind eben leider immer noch kein Volk der Anleger, sondern ein Volk der Sparer - daran hat selbst die anhaltende Niedrigzinsphase bis heute nichts ändern können“, meint der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Marc Tüngler.

Welche Folgen hat das?

Sparer verzichten nicht nur auf Gewinne durch steigende Börsenkurse, sondern auch auf Dividenden. Nach Berechnungen von Aktionärsvertretern schütten allein die 30 Börsenschwergewichte im Leitindex Dax in diesem Jahr die Rekordsumme von 31,6 Milliarden Euro an ihre Anteilseigner aus. Die Gewinnbeteiligung bei 640 untersuchten Aktiengesellschaften steigt im Vergleich zum Vorjahr um rund 9 Prozent auf die Bestmarke von insgesamt 46,3 Milliarden Euro.

Sind Aktien immer eine gute Wahl?

Nicht unbedingt. Zwar gelten die Anteilsscheine langfristig als lukrative Geldanlage. Wer beispielsweise Ende 1995 Aktien kaufte und bis Ende 2010 hielt, habe in diesem Zeitraum im Schnitt 7,8 Prozent Rendite pro Jahr erzielt, rechnet das Deutsche Aktieninstitut (DAI) vor. Doch nicht jede Aktie zahlt sich aus - wie die DSW-Liste der 50 „größten Kapitalvernichter“ zeigt. Wer dort investierte, musste herbe Kursverluste hinnehmen, „die durch die Dividendenzahlungen meist nicht ansatzweise kompensiert werden konnten“, wie Tüngler erläutert.

Wie ist der Reichtum verteilt?

Darüber gibt die Analyse der Bundesbank keine Auskunft. Der aktuelle Armut- und Reichtumsbericht der Bundesregierung kommt aber zu dem Ergebnis, dass die reichsten zehn Prozent der Haushalte mehr als die Hälfte des gesamten Netto-Vermögens besitzen. „Die untere Hälfte nur ein Prozent“, erläuterte Sozialministerin Andrea Nahles (SPD) jüngst. Von dem seit Jahren anhaltenden wirtschaftlichen Aufschwung in Deutschland profitieren danach vor allem die Reichen. „Die unteren 40 Prozent der Beschäftigten haben 2015 real weniger verdient als Mitte der 90er Jahre“, so die Ministerin.

Es war die Zeit der Jahrtausendrally nebst gigantischer Internetblase. Bruns ließ sich von der Euphorie und dem Mobilfunk-Hype nicht blenden. „Nachdem die Aktie weit mehr als 1000 Prozent zugelegt hatte und jedermann um die Großartigkeit der Finnen wusste, die Bewertung zudem astronomisch war und der Himmel geradezu voller Geigen zu hängen schien, veräußerte ich den Titel im Jahr 1999“, erinnert er sich. „Das war keineswegs der Höhepunkt, aber mir war klar, dass es ideal gelaufen war und man gehen soll, wenn die Party am schönsten ist.“ Nokia stieg zwar noch deutlich weiter und erreichte im Frühjahr 2000 sein Allzeithoch, wurde aber von Crash infolge des Platzens der Internetblase voll getroffen und verlor anschließend einen Großteil des Börsenwertes. Da hatte Bruns seine Gewinne längst realisiert.

Das Nokia-Engagement war und ist für seinen konservativen Anlagestil eher untypisch. Aber auch mit weniger spektakulären Werten lassen sich hohe Renditen erzielen. So hat Bruns Aktien der Maschinenfabrik Berthold Hermle in seinem Fonds Loys Global. „Dort steht inzwischen eine Kurszuwachs von nahezu 1000 Prozent zu Buche, wenngleich es sich um einen wenig beachteten Langweiler handelt“, sagt er.

Es müssen auch nicht immer Renditen von 1000 Prozent sein. Manchmal wird auch aus einem „Pflichtkauf“ ein Super-Investment. Christine Bortenlänger, Vorstand beim Deutschen Aktieninstitut, hat genau das erlebt. Als Mitglied des Aufsichtsrats bei Covestro hatte sie sich verpflichtet, jährlich etwa die Hälfte der Vergütung in Aktien des Unternehmens zu investieren. Und zwar so lange, wie sie in diesem Gremium arbeitet. Der Erfolg dieses Investment stellte sich quasi sofort ein. „Der Wert der Aktien stieg relativ kontinuierlich“, freut sie sich. Die Aktien hat Bortenlänger noch immer in ihrem Depot, „weil ich dem Aufsichtsrat weiterhin angehöre und zudem von langfristigen Investments sehr überzeugt bin.“ Das passt auch zu Bortenlängers grundsätzlicher Anlagestrategie: „Ich steige generell nicht schnell ein und aus.“

Ebenfalls nicht ganz freiwillig ging Robert Halver das Investment seines Lebens ein: Er bekam RWE-Aktien zu seiner Kommunion geschenkt, es waren seine ersten Aktien überhaupt. „Der Sparkassen-Berater hatte Tanten und Onkeln, Omas und Opas zu dieser Langfristanlage geraten“, erinnert sich der Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank. Man solle sich doch die steigenden Stromkosten durch die hohen Dividenden zurückholen. Damals hätte er sich zwar lieber eine Eisenbahn von Märklin oder eine Carrera-Bahn gewünscht. „Aber im Zeitablauf habe ich dennoch immer mehr Gefallen an dieser Versorger-Aktie gefunden, vor allem an den besagten hohen Ausschüttungen.“ Diese seien in seinem Studium immer ein „schönes Zubrot“ gewesen.

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RWE verbuchte im vergangenen Jahr den größten Verlust seiner Geschichte. Und der Energieriese muss bereits die nächste Milliardenlast stemmen. Die Lebensversicherung des Konzerns ist seine grüne Tochter Innogy.

Auch nach der Ausbildung hielt Halver der Aktie die Treue. Erst vor ein paar Jahren stieg er aus. Die plötzliche Energiewende nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima traf RWE „wie ein Blitz aus heiterem Himmel“. Die Aktien der Versorger stürzten ab und haben sich bis heute nicht erholt. Der beschleunigte Ausstieg aus der Kernenergie führt noch immer zu milliardenschweren Abschreibungen bei der konventionellen Stromerzeugung. „In der Folge habe ich die Aktie schließlich verkauft“, sagt er.

Dass einem Unternehmen quasi über Nacht das Geschäftsmodell wegbricht, passiert eher selten. Doch auch Firmen mit eigentlich stabilen Geschäftsmodellen können an der Börse unter die Räder kommen, vor allem in Krisenzeiten, wenn mehr oder weniger alle Aktien fallen. Doch gerade dann können sich auch Chancen bieten.

Kommentare (1)

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Baron v. Fink

03.07.2017, 19:57 Uhr

Ich bin hier der Experte und sage Gas-Tanker mit 12% Dividende.

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