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16.12.2016

13:28 Uhr

Anlagekonzepte

Doppelt hält nicht besser

VonJulia Groth

Indexfonds mit Hebel versprechen Turborenditen. Vielen Anlegern ist aber nicht bewusst, dass die Produkte enorme Risiken bergen und sich nur als kurzfristige Investments eignen.

Auch wenn Privatinvestoren offenbar die Scheu vor Hebel- und Short-Produkten verloren haben: Die Produkte sind für sie im Grunde genommen nicht geeignet. dpa

Börse Frankfurt

Auch wenn Privatinvestoren offenbar die Scheu vor Hebel- und Short-Produkten verloren haben: Die Produkte sind für sie im Grunde genommen nicht geeignet.

KölnWas gut ist, kann in doppelter Dosis nur noch besser werden. Das denken viele Investoren - und vergessen, dass zu viel des Guten oftmals schlecht ist. Börsengehandelte Indexfonds (ETFs) auf den Aktienindex LevDax sind bei Privatanlegern beliebt, berichten ETF-Anbieter. Der von der Deutschen Börse berechnete LevDax ist an die Dax-Entwicklung gekoppelt, allerdings mit dem Hebel zwei. Das heißt: Steigt der Lieblingsindex vieler Deutscher, klettert er doppelt so stark; fällt er, stürzt sein Pendant doppelt so tief.

Die besten Anlagen im ersten Halbjahr 2016

Aktien USA

Zu Jahresbeginn ging es auch für die großen US-Aktienindizes kräftig nach unten, später erholten sich die Börsen jedoch - anders als in Europa wieder deutlich - und steuerten sogar auf neue Jahreshochs zu. Der Brexit verhagelte auch US-Anlegern die Stimmung. Dennoch liegt Leitindex Dow Jones auf Halbjahressicht 2,9 Prozent im Plus. Für Euro-Anleger ist der Gewinn etwas geringer, aus 100.000 investierten Euro wurden für sie aber immerhin 100.720 Euro.

Aktien Schwellenländer

Die Aktien der Schwellenländer haben sich insgesamt von ihrem Absturz des vergangenen Jahres erholt als der MSCI Index für Emerging Markets noch um 16 Prozent abgestürzt war. Im ersten Halbjahr 2016 legte der auf Dollar lautende Index gut fünf Prozent zu. In Euro gerechnet blieb ein Plus von 3,07 Prozent – aus 100.000 Euro machten Anleger 103.070 Euro.

US-Staatsanleihen

Die Unsicherheit der Investoren hat US-Staatsanleihen Zulauf beschwert Dazu kommt, dass Investoren inzwischen nicht mehr daran glauben, dass die US-Notenbank Fed ihren im Dezember vergangenen Jahres ganz vorsichtig eingeleiteten Zyklus der Leitzinserhöhungen fortsetzt. Wer Anfang des Jahres 100.000 Euro in US-Staatsanleihen gesteckt hat, hat jetzt 103.320 Euro.

Euro-Unternehmensanleihen

Seit Juni kauft die Europäische Zentralbank (EZB) Euro-Anleihen von Unternehmen abseits der Bankbranche mit guter Bonität. Die Käufe beziehungsweise schon vorher die Erwartung der EZB als neuen großen Investor trieben die Kurse. Gemessen am Index der Bank of America Merrill Lynch verdienten Anleger mit den Firmenbonds 5.350 Euro, wenn sie im Januar 100.000 Euro investierten.

Deutsche Staatsanleihen

Bundesanleihen sorgten im ersten Halbjahr für viel Aufsehen. Die Anleihekäufe der Europäischen Zentralbank, die Niedrigzinsen und die Unsicherheit der Anleger über die wirtschaftliche Entwicklung bescherten den deutschen Staatsanleihen regen Zulauf. Selbst die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe rentiert im Minus, am Tag nach dem Brexit-Entscheid fiel sie auf bis zu minus 0,17 Prozent. Für Anleger, die gleich zu Jahresbeginn 100.000 Euro in deutsche Staatsanleihen investierten machten damit Gewinn aus den minimalen Zinsen und den deutlichen Kurssteigerungen von 6.800 Euro.

Anleihen Schwellenländer

Die Anleihen der Schwellenländer haben sich kräftig erholt. Das liegt auch daran, dass die US-Zinswende stockt und die Renditen der US-Staatsanleihen so deutlich gefallen sind. Außerdem haben sich die Fundamentaldaten in vielen Emerging Markets verbessert. Euro-Anleger machten mit auf Dollar lautenden Staatsanleihen gemessen am Index von JP Morgan einen Gewinn von 10.160 Euro, wenn sie am Jahresanfang 100.000 Euro investierten.

Gold

Gold glänzte nach einer fünfjährigen Talfahrt wieder. Zum einen sorgte die Unsicherheit der Anleger mit Blick auf die Weltwirtschaft für die Flucht in die Krisenwährung Gold. Zum anderen machen die Negativrenditen vieler Staatsanleihen in der Euro-Zone und in Japan Gold als Anlage erneut attraktiver. Allein im Juni stieg der Goldpreis um 8,5 Prozent. So stark ist er in einem Juni zuletzt im Jahr 1980 gestiegen. Wer Anfang des Jahres 100.000 Euro in Gold investierte hat nach einem halben Jahr 122.860 Euro.

Öl

Der Ölpreis fiel zwar bis Ende Januar auf ein Zwölfjahrestief von rund 27 Dollar, setzte dann aber zu einer Rally an und kostet aktuell rund 50 Dollar. „Das liegt vor allem, dass die USA deutlich weniger Öl produzieren“, erklärt Ulrich Stephan, Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden bei der Deutschen Bank. In Euro gerechnet wurden aus 100.000 am Ölmarkt investierten Euro auf 130.450 Euro.

Sojabohnen

Auftrieb gab es auch bei vielen Agrarrohstoffen, die ebenfalls ihre jahrelange Talfahrt stoppten. Hauptgründe dafür waren Dürren und extreme Wetterlagen, die teils die Ernte bedrohen. Allen voran stieg der in Dollar notierte Preis für Sojabohnen um fast 35 Prozent. Aus 100.000 in den Agrarrohstoff investierten Euro wurden so im ersten Halbjahr 131.800 Euro.

Aktien Peru

Die Börse in Peru ist als Überraschungsaufsteiger weit nach vorne gerückt, nachdem die Kurse zuvor fast vier Jahre stetig gefallen waren. Aus 100.000 an der Börse in Lima investierten Euro wurden in diesem Jahr bislang 142.990 Euro. Die US-Bank Goldman Sachs sieht Peru „makrookönomisch in optimaler Verfassung“ mit zunehmenden Wirtschaftswachstum und sinkender Inflation. Allerdings sind die Umsätze an der Börse gering, und dort sind nur wenige Werte notiert.

Aktien Brasilien

Der brasilianische Bovespa-Index legte in den ersten sechs Monaten des Jahres zweistellig zu, nachdem er im Januar noch auf ein Siebenjahrestief gefallen war. Da auch der zuvor unter die Räder gekommene Real deutlich aufwertete machten Anleger die 100.000 Euro in Brasiliens Leitindex investiert haben, daraus im ersten Halbjahr 143.420 Euro. Besser schnitt keine andere Anlage ab. Dabei setzen Anleger nach der Ablösung von Präsidentin Dilma Rousseff auf ein Ende des politischen Stillstands und auf Reformen. Aber: Brasilien steckt nach wie vor in der Rezession, als wirtschaftlich gerechtfertigt, gilt der Börsenaufschwung in dieser Form nicht.

Schlussstand für alle Werte: 30.06.2016, Angaben ohne Transaktionskosten

Sogenannte Hebel-ETFs sind längst in den Portfolios von Privatanlegern angekommen. Auch vor Short-ETFs, mit denen man auf fallende Kurse setzt, machen viele Privatinvestoren nicht mehr Halt. Hebel- und Short-ETFs können sich in bestimmten Marktphasen lohnen, sagen Analysten. Sie sind allerdings komplex aufgebaut und nicht einfach zu verstehen. Viele Anleger zeigen sich deshalb überrascht, wenn sich ein Hebel- oder Short-ETF nicht so entwickelt wie gedacht.

Alternative Anlagekonzepte: Die Mischung macht es

Alternative Anlagekonzepte

Die Mischung macht es

In den vergangenen Jahren hat die ETF-Branche eine rasante Entwicklung vollzogen. Es gibt ETFs auf nahezu alle Anlageklassen und -strategien. Doch Indexfonds jenseits der klassischen Sparten sind schwer zu durchschauen.

Beispiel LevDax: Steigt der Dax binnen eines Jahres um 20 Prozent, heißt das nicht, dass sein gehebeltes Gegenstück im selben Zeitraum um 40 Prozent zulegt. Der Hebel wird nämlich jeden Tag neu angepasst. So erzielt der LevDax zwar die doppelte Performance des Dax - aber immer nur bezogen auf den Schlussstand des Vortags. Über längere Zeit weicht die Wertentwicklung des LevDax deutlich von der des Dax ab. Bei anderen gehebelten Indizes sieht es ähnlich aus.

Short-ETFs haben denselben Haken. Sie zeichnen die Entwicklung von Indizes spiegelbildlich nach. Fällt etwa der Nebenwerteindex MDax, steigt sein Gegenstück, der Short-MDax, im selben Maß. Auch Short-Indizes erzielen ihre Performance stets auf Tagesbasis. Der direkte Zusammenhang zwischen ihnen und ihrem Ursprungs-Index kommt immer nur von Schlusskurs zu Schlusskurs zum Tragen. Über einen längeren Zeitraum verhalten sich Basis-Index und Short-Index deshalb nicht genau gegenläufig, sondern weichen stark voneinander ab. Viele Investoren sind sich dieser sogenannten Pfadabhängigkeit nicht bewusst. Das kann zu bösen Überraschungen führen.

Hebel- und Short-ETFs gibt es nicht nur auf Aktienindizes. Auch in Anleihen, Währungen und Rohstoffe wie Öl oder Gold können Anleger investieren. Inzwischen gibt es sogar ETFs, die die Entwicklung eines Indexes nicht nur doppelt, sondern mit noch stärkerem Hebel nachvollziehen. So bietet das britische ETF-Haus ETF Securities, ein Vorreiter auf dem Gebiet der Hebelprodukte, etwa dreifach gehebelte Indexfonds auf das europäische Aktienbarometer Eurostoxx 50 an. Mit weiteren Produkten können Anleger mit fünffachem Hebel auf die Entwicklung unterschiedlicher Währungen setzen. Dabei gilt: Je größer der Hebel, desto stärker weicht der gehebelte Index von seinem Basisbarometer ab, und desto höher ist das Verlustrisiko für Anleger.

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