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25.11.2016

09:00 Uhr

Anlagekonzepte

Schulden sind der neue Anlegerhit

VonJulia Groth

Von Anfang Januar bis Ende September flossen unterm Strich 24,5 Milliarden: Börsengehandelte Anleihe-Indexfonds kommen als Investment gut an. Aktien-ETFs sammelten im selben Zeitraum nur 2,7 Milliarden ein.

Börsengehandelte Anleihe-Indexfons kommen als Investment gut an. Getty Images

Anlegerhit

Börsengehandelte Anleihe-Indexfons kommen als Investment gut an.

Der Indexfondsanbieter DB X-Trackers hat im September ein neues Anleiheprodukt gestartet: den weltweit ersten ETF auf asiatische Firmenbonds, die in Dollar gehandelt werden. Der Index, den der ETF abbildet, umfasst derzeit 148 bonitätsstarke Anleihen aus neun asiatischen Staaten. Größtes Gewicht haben chinesische Titel. „Asien entwickelt sich zu einem wichtigen Wachstumsbereich im globalen Anleihemarkt“, sagt Anson Chow von Deutscher Asset Management, jener Deutsche-Bank-Tochter, zu der auch DB X-Trackers gehört. „Der asiatische Investment-Grade-Markt für Unternehmensanleihen hat in den vergangenen drei Jahren insgesamt einen höheren Ertrag erzielt als das vergleichbare US-Anlagespektrum“, wirbt Chow.

Die besten Anlagen im ersten Halbjahr 2016

Aktien USA

Zu Jahresbeginn ging es auch für die großen US-Aktienindizes kräftig nach unten, später erholten sich die Börsen jedoch - anders als in Europa wieder deutlich - und steuerten sogar auf neue Jahreshochs zu. Der Brexit verhagelte auch US-Anlegern die Stimmung. Dennoch liegt Leitindex Dow Jones auf Halbjahressicht 2,9 Prozent im Plus. Für Euro-Anleger ist der Gewinn etwas geringer, aus 100.000 investierten Euro wurden für sie aber immerhin 100.720 Euro.

Aktien Schwellenländer

Die Aktien der Schwellenländer haben sich insgesamt von ihrem Absturz des vergangenen Jahres erholt als der MSCI Index für Emerging Markets noch um 16 Prozent abgestürzt war. Im ersten Halbjahr 2016 legte der auf Dollar lautende Index gut fünf Prozent zu. In Euro gerechnet blieb ein Plus von 3,07 Prozent – aus 100.000 Euro machten Anleger 103.070 Euro.

US-Staatsanleihen

Die Unsicherheit der Investoren hat US-Staatsanleihen Zulauf beschwert Dazu kommt, dass Investoren inzwischen nicht mehr daran glauben, dass die US-Notenbank Fed ihren im Dezember vergangenen Jahres ganz vorsichtig eingeleiteten Zyklus der Leitzinserhöhungen fortsetzt. Wer Anfang des Jahres 100.000 Euro in US-Staatsanleihen gesteckt hat, hat jetzt 103.320 Euro.

Euro-Unternehmensanleihen

Seit Juni kauft die Europäische Zentralbank (EZB) Euro-Anleihen von Unternehmen abseits der Bankbranche mit guter Bonität. Die Käufe beziehungsweise schon vorher die Erwartung der EZB als neuen großen Investor trieben die Kurse. Gemessen am Index der Bank of America Merrill Lynch verdienten Anleger mit den Firmenbonds 5.350 Euro, wenn sie im Januar 100.000 Euro investierten.

Deutsche Staatsanleihen

Bundesanleihen sorgten im ersten Halbjahr für viel Aufsehen. Die Anleihekäufe der Europäischen Zentralbank, die Niedrigzinsen und die Unsicherheit der Anleger über die wirtschaftliche Entwicklung bescherten den deutschen Staatsanleihen regen Zulauf. Selbst die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe rentiert im Minus, am Tag nach dem Brexit-Entscheid fiel sie auf bis zu minus 0,17 Prozent. Für Anleger, die gleich zu Jahresbeginn 100.000 Euro in deutsche Staatsanleihen investierten machten damit Gewinn aus den minimalen Zinsen und den deutlichen Kurssteigerungen von 6.800 Euro.

Anleihen Schwellenländer

Die Anleihen der Schwellenländer haben sich kräftig erholt. Das liegt auch daran, dass die US-Zinswende stockt und die Renditen der US-Staatsanleihen so deutlich gefallen sind. Außerdem haben sich die Fundamentaldaten in vielen Emerging Markets verbessert. Euro-Anleger machten mit auf Dollar lautenden Staatsanleihen gemessen am Index von JP Morgan einen Gewinn von 10.160 Euro, wenn sie am Jahresanfang 100.000 Euro investierten.

Gold

Gold glänzte nach einer fünfjährigen Talfahrt wieder. Zum einen sorgte die Unsicherheit der Anleger mit Blick auf die Weltwirtschaft für die Flucht in die Krisenwährung Gold. Zum anderen machen die Negativrenditen vieler Staatsanleihen in der Euro-Zone und in Japan Gold als Anlage erneut attraktiver. Allein im Juni stieg der Goldpreis um 8,5 Prozent. So stark ist er in einem Juni zuletzt im Jahr 1980 gestiegen. Wer Anfang des Jahres 100.000 Euro in Gold investierte hat nach einem halben Jahr 122.860 Euro.

Öl

Der Ölpreis fiel zwar bis Ende Januar auf ein Zwölfjahrestief von rund 27 Dollar, setzte dann aber zu einer Rally an und kostet aktuell rund 50 Dollar. „Das liegt vor allem, dass die USA deutlich weniger Öl produzieren“, erklärt Ulrich Stephan, Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden bei der Deutschen Bank. In Euro gerechnet wurden aus 100.000 am Ölmarkt investierten Euro auf 130.450 Euro.

Sojabohnen

Auftrieb gab es auch bei vielen Agrarrohstoffen, die ebenfalls ihre jahrelange Talfahrt stoppten. Hauptgründe dafür waren Dürren und extreme Wetterlagen, die teils die Ernte bedrohen. Allen voran stieg der in Dollar notierte Preis für Sojabohnen um fast 35 Prozent. Aus 100.000 in den Agrarrohstoff investierten Euro wurden so im ersten Halbjahr 131.800 Euro.

Aktien Peru

Die Börse in Peru ist als Überraschungsaufsteiger weit nach vorne gerückt, nachdem die Kurse zuvor fast vier Jahre stetig gefallen waren. Aus 100.000 an der Börse in Lima investierten Euro wurden in diesem Jahr bislang 142.990 Euro. Die US-Bank Goldman Sachs sieht Peru „makrookönomisch in optimaler Verfassung“ mit zunehmenden Wirtschaftswachstum und sinkender Inflation. Allerdings sind die Umsätze an der Börse gering, und dort sind nur wenige Werte notiert.

Aktien Brasilien

Der brasilianische Bovespa-Index legte in den ersten sechs Monaten des Jahres zweistellig zu, nachdem er im Januar noch auf ein Siebenjahrestief gefallen war. Da auch der zuvor unter die Räder gekommene Real deutlich aufwertete machten Anleger die 100.000 Euro in Brasiliens Leitindex investiert haben, daraus im ersten Halbjahr 143.420 Euro. Besser schnitt keine andere Anlage ab. Dabei setzen Anleger nach der Ablösung von Präsidentin Dilma Rousseff auf ein Ende des politischen Stillstands und auf Reformen. Aber: Brasilien steckt nach wie vor in der Rezession, als wirtschaftlich gerechtfertigt, gilt der Börsenaufschwung in dieser Form nicht.

Schlussstand für alle Werte: 30.06.2016, Angaben ohne Transaktionskosten

Renten-ETFs haben in den vergangenen 15 Jahren einen kometenhaften Aufstieg hingelegt. Zunächst gab es nur Produkte, die breite Indizes von Staatsanleihen aus Industriestaaten nachbildeten. Nach und nach kamen Indexfonds auf Firmenbonds und auf Schwellenländer-Staatsanleihen hinzu. Mittlerweile gibt es auch ETFs auf Unternehmensanleihen-Indizes aus den Schwellenländern oder gar auf Wandelanleihen.

Im laufenden Jahr waren Renten-ETFs so beliebt wie selten zuvor. Unter dem Strich flossen dem europäischen Indexfonds-Markt von Januar bis Ende September rund 29 Milliarden Euro zu, wie Zahlen des französischen ETF-Anbieters Amundi zeigen. Der Löwenanteil des Geldes floss in Rentenprodukte, nämlich 24,5 Milliarden Euro. Aktien-ETFs sammelten im selben Zeitraum nur 2,7 Milliarden ein.

ETFs auf Unternehmensanleihen verzeichneten mit 14 Milliarden Euro mit Abstand die höchsten Zuflüsse. Produkte, die europäische Indizes nachbauen, sammelten dabei noch etwas mehr Geld ein als ETFs auf US-amerikanische Unternehmensanleihen-Barometer. Staatsanleihen-ETFs verbuchten Zuflüsse in Höhe von 5,3 Milliarden Euro. Besonders beliebt waren Indexfonds auf Schwellenländer-Staatsanleihen. Aus ETFs, die in Staatsanleihen aus der Euro-Zone investieren, zogen Anleger dagegen Geld ab.

Warum Anleger um ETFs auf Euro-Zonen-Staatsanleihen im laufenden Jahr einen Bogen machen, ist nicht ganz klar. Es gibt mehrere Gründe, die das erklären könnten: Erstens sind die Kurse der Produkte durch die expansive Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) bereits stark gestiegen, Investoren befürchten womöglich ein baldiges Ende der Rally. Zweitens zeigten sich Anleger in den vergangenen Monaten vergleichsweise risikofreudig. Das belegen die Zuflüsse in Emerging-Markets-ETFs. Drittens sind die meisten Staaten der Euro-Zone stark verschuldet, Besserung ist kaum in Sicht. Das ist für Anleihe-ETFs keine gute Nachricht.

Kommentare (1)

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25.11.2016, 12:39 Uhr

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