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02.11.2016

11:23 Uhr

Anlagekonzepte

Wenn Regulierung Hoffnung macht

VonJulia Groth

Die neue Finanzmarktrichtlinie Mifid II untersagt es Beratern Provisionen zu verlangen, wenn sie Finanzinstrumente vermitteln. Indexfondsanbieter erhoffen sich dadurch Auftrieb, Honorarberater gar eine neue Zeitrechnung.

ETF-Anbieter in Europa sitzen vor allem dort. Reuters

Finanzviertel Canary Wharf

ETF-Anbieter in Europa sitzen vor allem dort.

Der Begriff ist kompliziert und klingt hölzern, birgt allerdings reichlich Sprengstoff. Die Finanzmarktrichtlinie Mifid II tritt zwar erst in gut einem Jahr, am 3. Januar 2018, in der Europäischen Union in Kraft und soll die Qualität der Anlageberatung verbessern. Doch die Branche muss sich bereits heute auf die neue Zeitrechnung einstellen. Vermögensverwalter und unabhängige Berater dürfen keine Provisionen mehr verlangen, wenn sie Kunden Finanzinstrumente vermitteln. Andere Berater müssen nachweisen, dass sie besondere Leistungen erbringen, wenn sie Provisionen kassieren.
Unabhängige Berater, die von ihren Kunden, nicht aber von Investmentgesellschaften bezahlt werden, machen sich große Hoffnungen: „Mifid II wird der Honorarberatung einen Schub verschaffen“, sagt Dieter Rauch, Geschäftsführer des Verbunds Deutscher Honorarberater (VDH). Auch ETF-Anbieter frohlocken. Ihr Kalkül: Wenn sich die Honorarberatung weiterverbreitet, hilft das der Indexfondsbranche.

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Klassische Bankberater verkaufen ihren Kunden ungern ETFs, weil sie für die Produkte keine Provisionen bekommen. Unabhängige Berater haben dieses Problem nicht. ETF-Anbieter und Honorarberater sind überzeugt: Wäre provisionsunabhängige Beratung in Deutschland weiter verbreitet, hätten Privatanleger inzwischen deutlich mehr Indexfonds im Depot liegen.

ETF-Anbieter in Europa sitzen vor allem in der Londoner City. In Deutschland gibt es für das Privatkundengeschäft drei Vertriebskanäle: Onlinebanken, unabhängige Vermögensverwalter, Family Offices oder bankeneigene Vermögensverwaltungen und klassische Bankberater sowie Berater, die auf Provisionsbasis oder gegen Honorar arbeiten. „Speziell die Beratung gegen prozentuale Vergütung öffnet sich durch Mifid II immer weiter und gewinnt an Bedeutung“, sagt Peter Scharl, Vertriebsleiter für Deutschland, Österreich und Osteuropa beim ETF-Anbieter iShares. „Das Potenzial, das sich aus diesen Flatrate-Vergütungsmodellen für ETFs in Deutschland ergibt, ist enorm.“

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Tatsächlich sind viele unabhängige Berater vom Nutzen der Indexfonds überzeugt. „Wir empfehlen ETFs gern, und zwar allen Kundengruppen. Sie sind ein intelligentes und gut konstruiertes Anlageprodukt“, sagt Stefan Heine, Berater der Quirin Bank, Deutschlands erster Honorarberaterbank. Anleger seien so in der Lage, ihr Portfolio ohne großen Aufwand zu diversifizieren. „Diversifizierung ist bei der Geldanlage das A und O“, sagt Heine. Auch niedrige Kosten von ETFs spielen eine Rolle. Er ist sich sicher, dass die deutsche ETF-Branche durch Großinvestoren, Robo-Advisors und Honorarberatung wächst.

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