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06.10.2016

12:59 Uhr

Commerzbank-Pläne

Umbau bei ETFs und Zertifikaten

VonJürgen Röder

Der ehemalige Marktführer im Handel mit Zertifikaten kündigt drastische Kürzungspläne an, die auch das Geschäft mit börsengehandelten Indexfonds betreffen. Beide Geschäftsbereiche haben völlig unterschiedliche Probleme.

Der Vorstandsvorsitzender der Commerzbank sieht rot für die Zukunft der Geschäftsbereiche ETF und Zertifikate innerhalb der Bank. dpa

Commerzbank -Martin Zielke

Der Vorstandsvorsitzender der Commerzbank sieht rot für die Zukunft der Geschäftsbereiche ETF und Zertifikate innerhalb der Bank.

FrankfurtDie Commerzbank streicht ihr Investmentbanking zusammen: Opfer sind das Geschäft mit börsengehandelten Indexfonds (ETFs) und Zertifikaten. Das erklärte Vorstandschef Martin Zielke in London auf einer Investorenkonferenz. Dafür soll erst eine rechtlich eigenständige Einheit gebildet werden, die dann „mittelfristig“ verkauft oder auch an die Börse gebracht werden soll. Wann genau das passieren soll, sagte Zielke laut Frankfurter Allgemeiner Zeitung nicht. „Wir werden dafür einen besseren Eigentümer finden“, sagte er. Das sei eher keine Bank.

Die Änderungen dürften die Bank deren Berechnungen zufolge in den kommenden vier Jahren zwar 400 Millionen Euro Ertrag kosten, zugleich aber 500 Millionen Euro Nettokapital freisetzen, das bisher in der Investmentbank gebunden sein. Die Bilanzrisiken würden sich um sechs Milliarden Euro reduzieren, wegen der verschärften Regulierung würden diese Risiken in den nächsten Jahren auf acht Milliarden Euro steigen.

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Das Geschäft mit ETFs und Zertifikaten entwickelt sich unterschiedlich: Der Handel mit Indexfonds wächst, immer mehr private Anleger und auch institutionelle Anleger entscheiden sich für die einfachen und sehr günstigen Produkte. Größe spielt in dem Markt eine entscheidende Rolle, die die Commerzbank mit ihrer Tochter Comstage als Nummer vier der Branche aber noch nicht erreicht hat. Den Markt dominieren Blackrock, die mit ihrem Anbieter iShares knapp die Hälfte des Marktes ausmacht. Die Deutsche Bank ist mit db-xtrackers zuletzt stark gewachsen und steht auf Platz zwei.

Die Commerzbank selbst betont, sie wolle sich von dem Geschäft mit Anlage- und Finanzprodukten und das dazugehörige Market-Making aus dem Bereich „Equity Markets & Commodities“ nicht trennen, sondern es nur in eine Tochtergesellschaft überführen. "Details sind abhängig von Gremienverhandlungen", sagt ein Sprecher der Bank. Für Inhaber von Commerzbank-Zertifikaten ändere sich durch den Schritt aber nichts. Das gelte auch für ComStage ETFs, die ohnehin als Sondervermögen gelten. 

Die neue Tochtergesellschaft werde sich "voll auf ihr Kerngeschäft als einer der führenden europäischen und asiatischen Anbieter und Market-Maker für Finanzprodukte konzentrieren" und solle mittelfristig an den Markt gebracht werden.

Dieser Markt ist jedoch hart umkämpft, die laufenden Jahresgebühren für Indexfonds bewegen sich tendenziell nach unten. Das liegt an den erwarteten sinkenden Wertpapiererträgen, den kräftig gefallenen Anleiherenditen und am wachsenden Kostendruck bei den Großinvestoren. Ihnen gelingt es teilweise erfolgreich, die Fondsanbieter bei den geforderten Gebühren unter Druck zu setzen.

Denn auch wenn die Produkte bei Privatanlegern an Beliebtheit gewinnen: Der Markt wird von Investments der Versicherungen und Pensionskassen dominiert. Für die Vermögensverwalter fallen kaum Kosten für Fondsmanager und Analysen an. Sie folgen im Depot blind der Struktur einer vorgegebenen Messlatte wie dem Dax. Der Aufwand ist recht gering. Deshalb sind auch die Gebühren für die Anleger niedrig.

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