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06.12.2012

14:31 Uhr

Eugen Weinberg im Interview

„Der Goldpreis wird weiter steigen“

VonAndreas Toller
Quelle:WirtschaftsWoche Online

Gold kostet wieder so viel wie vor zwölf Monaten, dazwischen gab es heftige Schwankungen. Rohstoffexperte Eugen Weinberg von der Commerzbank erklärt, wie es weitergeht mit dem Preis für das Edelmetall.

Eugen Weinberg, Rohstoffexperte der Commerzbank. Andy Ridder für Handelsblatt

Eugen Weinberg, Rohstoffexperte der Commerzbank.

WirtschaftsWoche Online: In der vorigen Woche war der Goldpreis kurzfristig eingebrochen. Was war passiert?

Eugen Weinberg: Es war wahrscheinlich keine falsche Order, sondern vermutlich sogar vorbereitet. Vor dem Einbruch wurden hohe Volumina an Put-Optionen gehandelt – mit denen Spekulanten auf einen fallenden Goldpreis setzen. Sie wurden im großen Stil gekauft und am gleichen Tag mit erheblichen Gewinnen wieder verkauft. Aber es gab auch allen Grund dazu, denn die Diskussion um die Fiskalklippe in den USA schien beendet. Das hätte zu einem Rückgang der Goldnachfrage geführt, die ja sonst mit wachsender Unsicherheit zunimmt. Aber genau werden wir das wohl nie erfahren, das ist überwiegend Spekulation. Der Einbruch beim Goldpreis war jedenfalls nicht fundamental, sondern technisch begründet.

Die Goldnachfrage ist ja auch robust. Vor allem die börsennotierten Goldfonds, kurz Gold-ETCs oder –ETFs genannt,  verzeichnen Rekordbestände. Wie kommt das?

Die Zunahme ist tatsächlich auffällig. Die ETCs haben in letzter Zeit große Zuflüsse verzeichnet und halten inzwischen mehr als 2600 Tonnen Gold. Das ist mehr, als die meisten Zentralbanken der Welt besitzen – mit Ausnahme der Bundesbank und der US-Notenbank Fed. Damit sind die Goldfonds eine ernstzunehmende Komponente im Markt. Schließlich müssen die ETC-Anbieter tatsächlich physisches Gold kaufen und hinterlegen.

Die Goldreserven der Staaten

USA

Goldschatz: 8.133,5 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 75,7 Prozent

Stand: Januar 2014

Deutschland

Goldschatz: 3.387,1 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 72,8 Prozent

Internationaler Währungsfonds (IWF)

Goldschatz: 2.814 Tonnen

Italien

Goldschatz: 2.451,8 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 72,1 Prozent

Frankreich

Goldschatz: 2.435,4 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 70,5 Prozent

China

Goldschatz: 1.054,1 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 1,7 Prozent

Schweiz

Goldschatz: 1.040,1 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 10,6 Prozent

Russland

Goldschatz: 1.015,1 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 9,5 Prozent

Japan

Goldschatz: 765,2 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 3,2 Prozent

Niederlande

Goldschatz: 612,5 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 59,7 Prozent

Indien

Goldschatz: 557,7 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 9,9 Prozent

Türkei

Goldschatz: 506,3 Tonnen

Europäische Zentralbank (EZB)

Goldschatz: 502,1 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 32,9 Prozent

Welche Investoren sind es denn, die die hohe Nachfrage bei ETCs ausgelöst haben?

ETCs sind für alle möglichen Investoren ein tolles Vehikel. Als Bank, Versicherung oder Pensionskasse kaufen sie ihr Gold nicht beim Händler. Auch an der Börse geht das nicht ohne Know-how und die entsprechende Lizenz. Gold-ETCs oder börsennotierte Goldfonds werden gekauft, weil es das einfachste für die Investoren ist. Sie müssen nicht auf Goldgewichte oder Zölle achten und können jederzeit wieder verkaufen. Das kann man mit einer Tonne Gold beim Händler an der Ecke kaum riskieren.

Auch Zentralbanken haben große Mengen Gold gekauft. Wenn die Nachfrage so hoch ist, müsste der Goldpreis doch eigentlich deutlich höher liegen.

Nicht unbedingt. Zum einen bilden sich die Preise für Gold nicht nur am physischen, sondern auch am Terminmarkt. Dort haben sich die Investoren eher zurückgezogen. Zum anderen ist die Schmucknachfrage im vergangenen Quartal sehr schwach gewesen. Das zeigen die Daten des World Gold Council. Offenbar hat hier die Nachfrage unter den hohen Preisen gelitten. Aber wir gehen langfristig davon aus, dass die Schmucknachfrage und die Höhe der Minenproduktion keine so große Rolle spielen. Vor allem die Nachfrage der Anleger wird die Preise beeinflussen. Gold entwickelt sich immer weniger wie ein Rohstoff und immer mehr wie ein Investment. Ähnlich wie Öl oder der Euro: Beides ist nicht knapp, ihre Preise können aber gegenüber anderen Anlagen durchaus steigen.

Kommentare (55)

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G4G

06.12.2012, 14:59 Uhr

Weinberg hat recht.
Gold wird steigen, weil alle Währungen wertlos werden.
Derzeit sehe ich nur Kaufkurse.
Das wird Madam Mimm in Berlin nicht freuen.

Account gelöscht!

06.12.2012, 15:01 Uhr

Ist doch völlig egal wie es weitergeht...wer schlau ist und sicher gehen will, hat das Zeugs physisch gelagert oder noch besser irgendwo versteckt. Der Rest wird in Rauch aufgehen, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche...da interessiert es mich auch nicht was der Goldpreis gestern an Wert hatte und was er morgen wert ist, sondern was ich damit kaufen könnte....das sind 2 Welten die so mancher nach wie vor nicht versteht wenn er vom Goldpreis redet.

Digger

06.12.2012, 15:10 Uhr

Gold ist eine Blase. Sie resultiert aus den rekordtiefen Leitzinsen. Nun, ewig können die nicht auf diesen Niveau bleiben und tiefer können Sie auch nicht mehr sinken. Also bei anziehenden Leitzinsen wird der Goldkurs so was von crashen. Gold eine Hochrisikoanlage. Das ist "sicher".

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