Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

22.06.2012

15:57 Uhr

Euro-Krise

EZB senkt Sicherheitsanforderungen für Banken

Angeschlagene Banken in der Euro-Zone kommen bald leichter an Zentralbankgeld. Die EZB lockert die Sicherheiten für ihre Refinanzierungsgeschäfte. Damit steigen die Risiken für sie.

Menschen aus Spanien, Italien, Portugal und Griechenland halten ihre jeweiligen Landesfahnen vor der großen Euro-Skulptur am Sitz der EZB in Frankfurt in die Höhe. dpa

Menschen aus Spanien, Italien, Portugal und Griechenland halten ihre jeweiligen Landesfahnen vor der großen Euro-Skulptur am Sitz der EZB in Frankfurt in die Höhe.

FrankfurtDie Europäische Zentralbank (EZB) kommt den Banken in der Krise weiter entgegen und erleichtert damit vor allem den maroden spanischen Instituten das Leben. Wie die Notenbank am Freitag in Frankfurt mitteilte, werden die Anforderungen an Wertpapiere, die Banken bei den Refinanzierungsgeschäften mit der Zentralbank als Sicherheiten benutzen können, weiter gelockert. Im Detail werden die Anforderungen an Verbriefungen von Hypothekenkrediten, sowie Auto-, Leasing- und Konsumentenkrediten gesenkt.

Dadurch wird es für die Banken unter anderem um einiges leichter, verbriefte Hypothekenkredite - sogenannte Mortgage Backed Securities (MBS) - künftig in größerem Umfang als Pfand zu benutzen. Viele spanische Banken halten nach dem Immobilienboom der vergangenen Jahre massenweise solche Papiere. Wegen der geplatzten Immobilienblase sind sie jedoch großteils von recht niedriger Qualität oder von den Ratingagenturen sogar auf Ramschniveau herabgestuft worden.

Der Instrumentenkasten der EZB

Die EZB soll's richten

Wieder einmal blicken alle in der Euro-Schuldenkrise gebannt nach Frankfurt: die Europäische Zentralbank (EZB) soll es im schlimmsten Fall richten, mit ihrem Waffenarsenal intervenieren und so die Märkte beruhigen.

Die Mittel der EZB

Zwar streiten sich Fachleute und auch die Notenbanker darüber, wie effektiv, nachhaltig und sinnvoll weitere Eingriffe der Geldpolitik sein könnten. Fest steht aber: die EZB verfügt als einzige Institution über einen gut gefüllten und theoretisch sofort verfügbaren Instrumentenkasten, um angeschlagenen Banken unter die Arme zu greifen, Institute im Falle eines Bank-Runs mit neuem Geld zu schützen und durch ihre Finanz-Feuerkraft wenigsten für eine begrenzte Zeit wieder für Ruhe an den Börsen zu sorgen.

Liquiditätssalven für das Finanzsystem

Vor dem Wahlsonntag in Athen verdichten sich die Hinweise, dass die großen Notenbanken der Welt gemeinsame Sache machen und die Märkte mit Geld fluten könnten. Eine solche konzertierte Aktion der Zentralbanken gab es schon einmal - Anfang Oktober 2008, kurz nach dem Kollaps der US-Investmentbank Lehman Brothers, als weltweit die Finanzströme zu versiegen drohten.
In der aktuellen Krise rund um die Überschuldung Griechenlands und anderer südeuropäischer Länder hat bislang nur die britische Notenbank angekündigt, dass sie gemeinsam mit dem Finanzminister in London ihren Bankensektor zum Schutz vor aus Griechenland überschwappenden Problemen mit 100 Milliarden Pfund fluten will. Am Freitag sorgte die Aussicht auf eine gemeinsame Intervention der Zentralbanken zunächst für bessere Stimmung an den Märkten.

Senkung des Leitzinses unter 0,75 Prozent

Aktuell steht der Leitzins der EZB bei 0,75 Prozent. Die Notenbank kann natürlich jederzeit an dieser in normalen Zeiten wichtigsten Stellschraube drehen. Es wäre ein historischer Schritt: Noch nie seit Bestehen der Währungsunion lag der Schlüsselzins für die Versorgung des Finanzsystems mit frischer Liquidität niedriger.
Allerdings nimmt der Spielraum der EZB mit jeder weiteren Leitzinssenkung ab - schließlich rückt damit die Nulllinie unausweichlich immer näher. Fachleute erwarten, dass die Zentralbank mit weiteren Zinssenkungen so lange wartet wie nur möglich, um für den Fall echter Verwerfungen an den Finanzmärkten, wie sie etwa bei einem Austritt der Griechen aus der Euro-Zone drohen würden, noch Munition zu haben.

Absenken des Einlagezinssatzes auf Null

Um den Geldmarkt wiederzubeleben und die Banken zu ermuntern mehr Geld in den Wirtschaftskreislauf zu geben, könnte die EZB den sogenannten Einlagezinssatz auf null Prozent kappen. Dieser Zins liegt aktuell bei 0,25 Prozent. Das bedeutet, dass Banken, die keiner anderen Bank mehr trauen, immerhin noch Geld dafür bekommen, wenn sie überschüssige Liquidität bei der EZB parken. Bei einem Einlagezinssatz von einem Prozent entfiele der Anreiz dies zu tun. Doch ob die Banken der EZB den Gefallen tun oder das Geld dann lieber horten, ist fraglich. Aktuell parken sie jedenfalls knapp 800 Milliarden Euro in Frankfurt.

Weitere Langfrist-Refinanzierung der Banken

Im Dezember und im Februar ist es der EZB gelungen, mit zwei jeweils drei Jahre laufenden Refinanzierungsgeschäften die Gemüter der Banker wenigstens für eine Zeit lang zu beruhigen. Damals sicherten sich die Geldhäuser insgesamt rund eine Billion Euro bei der Zentralbank zum Billigtarif von nur einem Prozent.
Einige Experten glauben, dass weitere langlaufende Geschäfte dieser Art das durch die Unsicherheit über die Zukunft der Euro-Zone untergrabene Vertrauen wieder zurückbringen könnten. Die Banken, die sich um den Jahreswechsel bei der EZB bedient haben, sind allerdings ohnehin bis mindestens Ende 2014 abgesichert. Außerdem kann jede Bank darüber hinaus bei den wöchentlichen Hauptrefinanzierungsgeschäften der Notenbank aus dem Vollen schöpfen.

Weitere Erleichterungen für das Bankensystem

Damit den Banken die Sicherheiten nicht ausgehen, die diese als Pfand bei den Refinanzierungsgeschäften mit der Notenbank stellen müssen, kann die EZB weitere Erleichterungen bei den Anforderungen beschließen. Sie kann dabei auch selektiv nach Ländern vorgehen, um gezielter zu helfen. Allerdings sind Erleichterungen bei den Sicherheiten immer auch ein Politikum, weil dadurch die Risiken steigen, die die Zentralbank durch die Refinanzierung in ihrer Bilanz ansammelt. Im Fall der Fälle müssten diese von den Steuerzahlern der Mitgliedsländer getragen werden.

Erneuter Start der Staatsanleihenkäufe

Die EZB hat seit Mai 2010 Staatsanleihen hoch verschuldeter Euro-Länder für mehr als 200 Milliarden Euro gekauft. Das im Fachjargon SMP (Securities Markets Programme) genannte Programm ist wegen seiner möglichen Nebenwirkungen in Deutschland und einigen anderen nord- und mitteleuropäischen Ländern umstritten. Es ruht derzeit, kann allerdings jederzeit wieder vom EZB-Rat in Kraft gesetzt werden.
Ob es allerdings noch seine erhofften positiven Wirkungen am Bondmarkt entfalten kann, ist unklar. Wegen der Erfahrungen bei der Umschuldung Griechenlands im Frühjahr dürften wenige private Investoren wie Banken oder Versicherungen der EZB folgen und wieder in den Markt gehen, weil sie fürchten, dass die Zentralbank erneut einen Sonderstatus als Gläubiger durchsetzen könnte, wie sie es im Fall Griechenland getan hat.

Zusätzlicher Kauf anderer Wertpapiere

Theoretisch kann die EZB neben Staatsanleihen auch andere Arten von Wertpapieren kaufen und auf diese Weise Geld schaffen: zum Beispiel Bankschuldverschreibungen, Aktien und Unternehmensanleihen. Während der Ankauf von Bank Bonds eine durchaus denkbare Möglichkeit wäre, Liquidität bei den Banken zu schaffen, scheinen andere Wege wenig erfolgversprechend. So könnte die EZB wohl schlecht erklären, warum sie etwa Aktien von Banken kauft, nicht aber von Auto- oder Chemiekonzernen. Oder sie setzt sich dem Verdacht aus, der einen Bank mehr Aktien abzukaufen als anderen oder zum Beispiel spanische Institute deutschen oder österreichischen Banken vorzuziehen.

Weitere Reduzierung der Mindestreserveanforderung

Theoretisch kann die EZB auch ihre Anforderungen an die Mindestreserve der Banken, die diese bei ihr halten müssen, absenken. Sie hat dies um den Jahreswechsel bereits getan und den Satz ihrer gesamten Einlagen, den jede Geschäftsbank bei ihr parken muss, von zwei auf ein Prozent halbiert. Dadurch hatte sie damals eine Summe von rund 100 Milliarden Euro für die Banken freigemacht. Ein solcher Schritt würde es für Banken in Südeuropa, die wohl am ehesten unter einer Kapitalflucht leiden würden, leichter machen, Mittel flüssig zu halten.

Spaniens Banken leider massiv unter den Folgen dieser geplatzten Immobilienblase und benötigen 62 Milliarden Euro aus dem europäischen Rettungsschirm. Die EZB hat im Verlauf der Finanz- und Schuldenkrise der vergangenen Jahre immer wieder ihre Anforderungen an die Sicherheiten gelockert, die die Geschäftsbanken ihr als Pfand für Liquidität überlassen müssen. Die Bundesbank, die diese Sicherheiten-Politik der EZB wegen der damit verbundenen Risiken ablehnt, zeigte sich wenig begeistert von dem Schritt des EZB-Rats. "Wir sehen das kritisch", sagte ein Sprecher der deutschen Notenbank. Allerdings nimmt die EZB bei den Sicherheiten Abschläge vor, um ihr eigenes Risiko zu reduzieren.


Von

rtr

Kommentare (13)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Eurowahn

22.06.2012, 16:10 Uhr

Kauft nur den ganzen Schrott der Banken auf, damit die wieder ihre unfähigen Vortsände mit Millionenboni überschütten können. Verallegmeinert die Schulden zu Lasten der steuerzahler, damit die Bankvortsände weiterhin in ihe dicken Chefsesseln sitzen können, Millionen an Gehältern bekommen und dazu noch weitere Millione an Boni.
Wenn ein normaler Srbeitnehmer eine solche Leistung abgleifet hätte, wäre ihm gekündigt worden. UNd er hätte Schadensersatzforderungen am Hals, die er in 10 Leben nie bezahlen könnte. Leute wacht endlich auf. In den letzten vier Jahren ging es ausschließlich immer nur um Banken, die Billionen an Krediten erhalten haben. Fr die Billionen müssen wir haften. Die Banker verdienen weiterhin Millionen und lachen sich eins

Account gelöscht!

22.06.2012, 16:11 Uhr

"sowie Auto-, Leasing- und Konsumentenkrediten gesenkt."

Nun kommen also auch die Autobanken und KKB-Typen unter Druck. Anders dürfte diese Aktion wohl kaum zu bewerten sein. Stück für Stück bricht das Kartenhaus zusammen.
Und Draghi's EZB ist nur noch lächerlich.
Das ist keine Bad-Bank mehr, das ist mittlerweile eine Schrott-Bank :-))

Account gelöscht!

22.06.2012, 16:11 Uhr

LOL was erwartet mana uch wenn an den HEbeln jene sitzen die ausgerechnet aus den Pleitegeierstaaten kommen? Weiter so....umso schneller ist der Spuk vorbei.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×