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02.10.2012

11:19 Uhr

Euro-Krise

„Kostolanys Schlaftabletten funktionieren nicht mehr“

VonGeorgios Kokologiannis, Anke Rezmer

Wer bislang konservativ und bescheiden gespart hat, muss angesichts niedriger Zinsen und hoher Inflationsrisiken um seine Ersparnisse fürchten. Aber was tun? Experten empfehlen einen radikalen Strategieschwenk.

Wer sein Depot auf Niedrigzins-Level herumdümpeln lässt, sollte sich über Inflationsrisiken nicht wundern. dpa

Wer sein Depot auf Niedrigzins-Level herumdümpeln lässt, sollte sich über Inflationsrisiken nicht wundern.

Fürth/MönchengladbachDie Lage an den Finanzmärkten hat sich innerhalb weniger Wochen deutlich entspannt. Die Schwankungen an den Aktienbörsen sind zurückgegangen, die Kurse gestiegen. Zugleich sinken die Risikoaufschläge für Anleihen der europäischen Krisenstaaten - was zeigt, dass die Furcht vor möglichen Solvenzproblemen Portugals, Spaniens oder gar Italiens spürbar nachlässt. Zu verdanken haben Investoren das in erster Linie immer neuen Stützungsmaßnahmen der Notenbanken.

"Wir erleben an den Börsen eine Liquiditätsschwemme, die die Aktienmärkte und andere Vermögensklassen wahrlich in den Himmel treibt", sagte der Moderator des Abends, der aus New York angereiste Börsenexperte Markus Koch. "Doch es bleiben große Fragezeichen: Was ist mit Inflationsgefahren? Sorgt die europäische Schuldenkrise weiter für Nervosität an den Märkten? Und was macht man als Anleger in den Zeiten solcher Unsicherheit?"

Was aus 1.000 Euro in zehn Jahren wurde

Deutscher Aktienindex (Dax)

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren: +88,8 Prozent (ohne Dividenden)

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.888 Euro

Dow Jones

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +52,7 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.527 Euro

EuroStoxx 50

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +31,3 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.313 Euro

Nikkei

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +10,1 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1101 Euro

Chinesische Aktien (Shanghai B-Index)

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +10,3 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.103 Euro

MSCI Emerging Markets

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +228 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 3.285 Euro

Gold

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +314 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 4.142 Euro

Silber

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +428 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 5.275 Euro

Öl

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +221 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 3.205 Euro

Weizen

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +92 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.916 Euro

Kaffee

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +151 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 2.509 Euro

Staatsanleihen (Rexp)

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +67 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.666 Euro

Unternehmensanleihen (Citigroup World BIG Corporate Index)

Veränderung auf Sicht von zehn Jahren (in Euro): +56 Prozent

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.559 Euro

Sparbuch

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.095,90 Euro*

*bei einem durchschnittlichen jährlichen Zinssatz von 0,92 Prozent (Spareckzins)

Tagesgeld

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.209 Euro*

*bei einem durchschnittlichen jährlichen Zinssatz von 1,92 Prozent

Festgeld

Was aus 1.000 Euro geworden wäre: 1.266 Euro*

*bei einem durchschnittlichen jährlichen Zinssatz von 2,39 Prozent

Antworten auf diese Fragen und Orientierung für die Geldanlage lieferten drei Experten bei den Finanzmarktforen von Deutsche Bank und Handelsblatt in Fürth und Mönchengladbach. Rund 1.000 Interessierte nutzten auf den Veranstaltungen in der Stadthalle Fürth und der "Borussia-Arena" in Mönchengladbach die Gelegenheit, sich umfassend zu informieren.

Manche Detailfrage diskutierten die Experten im Laufe des Abends kontrovers. Doch in zwei entscheidenden Punkten herrschte Konsens. Erstens: Die Katastrophenszenarien der Schwarzmaler sind fehl am Platz - die gegenwärtige Schuldenkrise in Europa wird gelöst werden. Zweitens: Für Anleger besteht trotz - oder gerade - wegen dieser grundsätzlich optimistischen Einschätzung dringend Handlungsbedarf. "Mit vermeintlich sicheren Anlagen wie beispielsweise Bundesanleihen ist kein realer Kapitalerhalt mehr möglich", warnte Ulrich Stephan, Chefanlagestratege für das Privatkundengeschäft der Deutschen Bank. Schuld sei das extrem niedrige Zinsniveau, das unterhalb der Teuerungsrate liegt. "Wer sein Vermögen real erhalten will, muss daher künftig Risiken eingehen", stimmte Oliver Plein zu, Anlageexperte bei der Fondsgesellschaft DWS. "Die Aktie erlebt eine Renaissance, weil es kaum Alternativen gibt."

"Allerdings sind wir noch nicht über dem Berg", sagte Gabor Steingart, Chefredakteur des Handelsblatts. Risiken existierten an vielen Stellen im globalen Wirtschaftsgefüge. Deswegen sei es in diesen Tagen leicht, ein Pessimist zu sein. Aber Steingart hofft: Europa werde gestärkt aus der Krise hervorgehen. "Wir erleben die Geburt der Vereinigten Staaten von Europa." Im Kreißsaal der Geschichte gehe es mitunter archaisch zu. Auch das Baby Europa sei nicht schön anzusehen. Es brauche Zeit, Fürsorge und Erziehung - bis Europa seine Defizite in der Demokratie, in der Wettbewerbskraft und nicht zuletzt in der Schuldendisziplin abgebaut habe.

Morgan Stanley Empfehlungen - Konsumaktien

Flop 1

Unilever

Unilever ist einer der weltweit größten Anbieter von Markenartikeln im Bereich Kosmetik und Körperpflege. Der wesentliche Teil des Unilever-Geschäftes besteht aus der Herstellung und dem Vertrieb von täglich gebrauchten Markenartikeln.

Flop 2

Beiersdorf AG

Die Beiersdorf AG ist ein international führendes Markenartikel-Unternehmen. Zu den Schwerpunkten zählen der Vertrieb von Kosmetikartikeln, sowie die Herstellung von Klebebändern.

Flop 3

L'Oreal SA

L'Oreal S.A ist eines der weltweit führenden Kosmetikunternehmen. Zu dem französischen Konzern gehören insgesamt 27 internationale Marken.

Flop 4

DE Master Blenders 1753

De Master Blenders 1753 ist ein international tätiges Kaffee- und Teeunternehmen. Die Produktpalette beinhaltet mehr als 30 Marken.

Top 1

Oriflame Cosmetics SA

Der schwedische Großkonzern Oriflame ist ein Anbieter von hochwertigen Hautpflege- und Kosmetikprodukten. Die Gesellschaft zählt mit einer Palette von über 1000 Schönheitsprodukten zu den weltweit größten Kosmetikunternehmen.

Top 2

Imperial Tobacco Group Plc

Die Imperial Tobacco Group ist ein international agierendes Tabakunternehmen. Die Gruppe ist weltweit in über 160 Länder mit Marken wie Davidoff, Gauloises Blondes und West vertreten.

Top 3

Pernod Ricard SA

Die Unternehmensgruppe Pernod Ricard ist ein internationaler Spirituosen- und Weinanbieter. Mit Produktionsstätten und Niederlassungen in über 70 Ländern ist der Konzern international präsent.

Top 4

Diageo Plc

Das Großunternehmen Diageo ist einer der weltweit führenden Getränkeanbieter. Zu seinen bekanntesten Marken zählen Spirituosen wie Johnnie Walker und Guinness.

Stephan ist ebenfalls zuversichtlich: "Europa zeigt, dass es Probleme lösen kann" - zuletzt durch die Ankündigung der Europäischen Zentralbank (EZB), man werde ein Auseinanderbrechen des Euros um jeden Preis verhindern, und den Plan, unbegrenzt Staatsanleihen der Krisenländer aufzukaufen. Die Investoren fassten bereits wieder Vertrauen: "Geld kehrt zurück aus Amerika nach Europa", sagte der Deutsche-Bank-Experte.

Kommentare (11)

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Klaus

02.10.2012, 12:31 Uhr

Nach Auffassung von Stephan gilt es vor allem, das Depot breit zu diversifizieren und aktiv zu handeln.
Logisch, das führt zu Provisionen. Es verdienen die Bank, der Fond und der Händler.
"Hin und her macht Taschen leer", alte Börsenweisheit.

Ich glaube, man missversteht den Satz von Kostolany mit den Schlaftabletten. Er hat wohl nie gemeint, Aktien kaufen und sie für alle Zeit zu vergessen.
Nur kauft ein Kleinanleger nie rechtzeitig in der Baisse und verkauft in der Hausse.

Wenn die ganzen Charts in sich stimmig sind, kann man mit guten Aktien tatsächlich auf laaaaaaaaaange Haltensdauer gut fahren.
Wer kurzfristig auf das Geld angewiesen ist, sollte die Finger von Aktien lassen.
Mittelfristig bleibt tatsächlich nur, rechtzeitig ein- und auszusteigen.




Ben-Wa

02.10.2012, 12:54 Uhr

Wenn Sie mal nicht irren, Herr Steingart. Ich sehe die "Vereinigten Staaten von Europa" definitiv nicht. Der Grund ist ganz einfach: Fragen Sie mal die Bevölkerungen in den Nationalstaaten. Wer die VSE will, kriegt die EUSSR!
Nein danke! Besser, dieser ganze Laden fliegt auseinander! Man kann kein politisches Konstrukt errichten, das ausschließlich auf dem Brechen von Verträgen und geltendem Recht basiert!

Aber der Steingart hat ja auch mal griechische Anleihen zum Kauf empfohlen. Mag jeder selbst einschätzen, was das bedeutet in Bezug auf Urteilsfähigkeit. So hat das HB hier nichts zu editieren...

Radiputz

02.10.2012, 15:36 Uhr

Die "Vereinigten Staaten von Europa" sind eine Schimäre und werden auch eine solche bleiben.
Die beiden Atommächte Frankreich und UK werden niemals die Befehlsgewalt über ihre Armeen an eine Brüssler Regierung delegieren und eine gemeinsame Armee gehört nun eimal zu einem Bundesstaat mit zentraler Regierung ,zu dem nach den Vorstellungen der Fundamentaleuropäer der gegenwärtige Staatenbund zu mutieren hat.
Europa wird auch in Zukunft ein Staatenbund bleiben in dem die europäischen Staaten ihre jeweiligen Interessen mehr oder weniger vernünftig auszubalancieren haben.
Ob der Euro in seiner jetzigen Ausgestaltung bestehen bleibt, kann niemand wissen, auch nicht die EZB-Oberen, die jetzt noch glauben sie könnten nach den Rezepten der FED verfahren und mit Geldschwemmen die Klippen umschiffen, die die europäischen Staaten mit ihrer maßlosen Verschuldungspolitik selber geschaffen haben.

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