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11.02.2015

06:04 Uhr

Euro-Krise und ELA-Kredite

Griechenlands letztes Rettungsseil

VonJan Mallien, Sara Zinnecker

Die EZB akzeptiert griechische Staatsanleihen nicht mehr als Sicherheiten. Nun müssen sich die dortigen Banken mit Notfallkrediten über Wasser halten. Doch das ist keine Dauerlösung.

Griechenland-Krise

Grexit für Euro-Zone „ökonomisch verschmerzbar“

Griechenland-Krise: Grexit für Euro-Zone „ökonomisch verschmerzbar“

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DüsseldorfHeute wird es ernst für Griechenland – und das gleich in doppelter Hinsicht. Zum einen erwarten die Euro-Finanzminister auf ihrem Treffen in Brüssel von Griechenland verbindliche Vorschläge zur Überbrückung der Finanzengpässe in den nächsten Monaten. Zum anderen akzeptiert die EZB ab heute keine griechische Staatsanleihen mehr als Sicherheiten für ihre Refinanzierungsgeschäfte. Da die meisten griechischen Banken kaum andere Sicherheiten haben, die den EZB-Anforderungen entsprechen, bekommen sie deshalb auf dem normalen Weg kaum noch Geld von der Zentralbank.

Das ist zum derzeitigen Zeitpunkt besonders schmerzhaft. Denn immer mehr Griechen holen wegen der politischen Unsicherheit ihr Erspartes von der Bank. Im Dezember schmolzen die Einlagen um 5,4 Milliarden zusammen. Im Januar flossen weitere elf Milliarden ab. Kommen die griechischen Banken nun in Liquiditätsprobleme, bleibt ihnen nur noch ein Ausweg: Notfallkredite – die so genannte „Emergency Liquidity Assistance“ (kurz: ELA).

Sie sind das letzte Rettungsseil für den griechischen Finanzsektor, die Zahlungsfähigkeit zu gewährleisten und den Zahlungsverkehr aufrechtzuerhalten. Einen durch Panik verursachten Bank-Run will Griechenland in jedem Fall vermeiden. Doch als Dauerlösung sind ELA-Kredite nicht vorgesehen. „ELA ist nur als kurzfristige Überbrückung gedacht“, sagt EZB-Analyst Michael Schubert von der Commerzbank.

Die nächsten Stationen im griechischen Schuldendrama

27. Februar

Genau drei Jahre, nachdem der Bundestag dafür gestimmt hatte, ein zweites Hilfsprogramm für Griechenland aufzulegen, haben die Abgeordneten dieses um vier Monate verlängert. Damit soll Athen mehr Zeit bekommen, die Auflagen umzusetzen, damit noch nicht ausgezahltes Geld aus den Hilfstöpfen fließen kann. Das geschieht aber nicht sofort.

28. Februar

Um Mitternacht wäre das geltende Hilfsprogramm ausgelaufen.

Ende April

Bis dahin sollen Athen und die Troika aus EU-Kommission, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) die bislang nur grob vereinbarten Reformvorhaben weiter ausarbeiten und mit konkreten Zahlen unterlegen. Sind alle einverstanden, kann Geld ausgezahlt werden. Dafür ist auch die Zustimmung des Haushaltsausschusses des Bundestags nötig.

Wie viele Euro Griechenland noch zustehen, ist nicht ganz klar. Da ist zum einen die noch ausstehende Tranche aus dem Hilfsprogramm von 1,8 Milliarden Euro. Außerdem liegen rund 1,9 Milliarden Euro aus Gewinnen der EZB mit griechischen Staatsanleihen bereit. Einschließlich weiterer Mittel des IWF hofft Athen auf eine Summe von 7,2 Milliarden Euro.

30. Juni

An diesem Tag läuft das nun verlängerte zweite Hilfsprogramm aus. Viele Fachleute und Finanzpolitiker gehen davon aus, dass anschließend ein drittes Hilfspaket für Griechenland nötig sein wird. Auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat dies nie ausgeschlossen. Ob und in welcher Höhe ein solches Programm kommt, dürfte für neue harte Debatten sorgen.

20. Juli

Griechenland muss Schulden in Höhe von 3,5 Milliarden Euro an die EZB zurückzahlen. Analysten zufolge dürfte Athen bis zu diesem Termin finanziell über die Runden kommen. Danach wäre das Land aber vermutlich auf weitere Hilfe angewiesen, um den Staatsbankrott zu verhindern.

20. August

Weitere 3,2 Milliarden Euro an die EZB werden fällig.

In der Euro-Krise ist das Instrument allerdings auch anders verwendet worden. So beliefen sich zum Beispiel die ELA-Kredite in Irland in den Jahren 2011 und 2012 auf bis zu 50 Milliarden Euro. Sie wurden etwa zwei Jahre lang gewährt, eine Frist die eigentlich nicht mehr kurz ist. Im Dezember hatte die EZB deshalb darüber diskutiert, die Laufzeit der ELA-Hilfen auf maximal sechs Monate zu begrenzen. Einen Beschluss gibt es aber noch nicht.

Grundsätzlich wird ELA von den nationalen Notenbanken auf eigenes Risiko gewährt. Die betroffene Notenbank baut durch ELA Verbindlichkeiten im internen Verrechnungssystem der Euro-Notenbanken (Target) auf. Diese werden dann zu einem Problem, wenn das Land aus dem Euro austritt. Deshalb muss bei ELA-Krediten von mehr als 0,5 Milliarden Euro an eine einzelne Bank der EZB-Rat im Voraus zustimmen, ansonsten im Nachhinein.  

Kommentare (37)

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Herr Peter Noack

11.02.2015, 07:07 Uhr

Soll das Bild etwa zeigen, dass Griechenland abstürzt, wenn das Seil reißt? Was wäre denn dann? Das weiß wohl noch niemand, oder? Weiß wenigstens irgendjemand, was man in der Eurozone tun müsste, damit nicht eintritt, was man nicht weiß? Ist das die Nachricht des Artikels?

Herr Chris Wagner

11.02.2015, 07:14 Uhr

Zitat: Grundsätzlich wird ELA von den nationalen Notenbanken auf eigenes Risiko gewährt. Falsch! Wie schon damals auf Zypern, als die Zentralbank dort einen ungedeckten Fehlbetrag von 8.1 Milliarden Euro produzierte, bevor die EZB dem Spuk ein ende bereitete. Siehe dazu den Artikel von Prof. sinn in der Sueddeutschen. Die Zentralbank kann naemlich gerade nicht die ELA alleine Schultern... Als Aktionaer einer der 4 systemrelevanten Banken erhoffe ich mir Aussagen dazu, dass diese nicht verstaatlicht werden. *** Wie war das nochmal mit dem Verbot der Staatsfinanzierung? Mmm. Die Bank of Greece hat ihr Pulver bereits verschossen. Wo bleibt hierzu eine Verfassungsklage?

Herr never mind

11.02.2015, 07:41 Uhr

und Russland und China stehen in den Startlöchern mit Hilfsangeboten. Na das wäre ja eine Blamage für die EU, wenn keine akzeptable Lösung innerhalb der EU gefunden werden kann. Es bleibt spannend, wird aber langsam auch ein bisschen lächerlich was da abläuft.

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