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07.04.2014

15:47 Uhr

Euro-Krise

Weidmann glaubt nicht an Anleihenkäufe in großem Stil

Bundesbank-Chef Weidmann und sein luxemburgischer EZB-Ratskollege Yves Mersch treten der Spekulation über baldige Anleihekäufe der EZB entgegen. Bis zu einem solchen Schritt sei es noch ein langer Weg.

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann. Seiner Ansicht nach sind Änderungen im EU-Vertrag nötig. AFP

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann. Seiner Ansicht nach sind Änderungen im EU-Vertrag nötig.

Frankfurt/ LondonDie EZB steht laut führenden Notenbankern nicht kurz vor dem Einsatz unkonventioneller Waffen zur Abwehr einer Deflation. Bundesbankchef Jens Weidmann betonte am Montag in Amsterdam, der im EZB-Rat diskutierte Ankauf von Wertpapieren in großem Stil sei zwar ein Mittel zur Sicherung der Preisstabilität. Doch solle es erst greifen, wenn es zu einer „deutlichen oder besorgniserregenden“ Abweichung von diesem Ziel komme. Sein luxemburgischer EZB-Ratskollege Yves Mersch sieht die Ankäufe derzeit noch als eher theoretische Option. Bis zur Umsetzung solcher Pläne sei „es noch ein langer Weg“, sagte er in London.

Die Äußerungen der Notenbanker folgten auf einen Pressebericht, wonach die EZB einen Wertpapier-Ankauf im großen Stil konkret durchgespielt hat. Nach Informationen der „FAZ“ wurde dafür ein Kaufvolumen von einer Billion Euro veranschlagt, das innerhalb eines Jahres im Kampf gegen eine gefährlich abflauende Inflationsrate eingesetzt würde. Damit könnte die Inflationsrate bestenfalls um 0,8 Prozentpunkte angeheizt werden, hieß es. Sie war zuletzt auf 0,5 Prozent gesunken und ist damit weit niedriger als der EZB lieb sein kann. Die Europäische Zentralbank strebt mittelfristig einen Wert von rund 2,0 Prozent an, damit ein möglichst großer Sicherheitspuffer zur Zone fallender Preise übrig bleibt. Eine deflationäre Spirale aus fallenden Preisen und sinkenden Investitionen kann eine Wirtschaft lähmen. Unmittelbare Deflationsgefahr besteht aus Sicht von EZB-Chef Mario Draghi derzeit jedoch nicht.

Welche Waffen die EZB noch in ihrem Arsenal hat

Ein noch niedrigerer Leitzins

Der Spielraum der EZB beim Leitzins ist inzwischen sehr eng. Er liegt bei 0,15 Prozent. Damit ist das Ende der Fahnenstange praktisch erreicht.

Negativer Einlagezins

Banken können Geld bei der EZB parken, wofür sie in normalen Zeiten Zinsen bekommen. Damit sie das nicht tun, sondern das Geld als Kredite an die Wirtschaft weiterreichen, hat die Zentralbank diese Anlageform unattraktiv gemacht, indem sie den Zinssatz auf null gedrückt hat. Jetzt könnte die EZB noch einen Schritt weitergehen und negative Zinsen einführen.

Ende der Neutralisierung früherer Wertpapierkäufe

Zwischen 2010 und 2012 kaufte die EZB zur Stützung von Griechenland, Irland, Portugal, Italien und Spanien für mehr als 200 Milliarden Euro deren Staatsanleihen. Derzeit schöpft die EZB die Liquidität wieder ab, indem sie den Banken anbietet, in gleicher Höhe Geld bei ihr anzulegen. Die EZB könnte dieses Prozedere abschaffen - was entsprechend dem Restwert der Anleihen etwa 170 Milliarden Euro an flüssigen Mitteln bringen würde.

Geringere Mindestreserve

Die Banken müssen zur Sicherheit Geld bei der EZB hinterlegen. Diese sogenannten Mindestreserven summieren sich auf etwa 100 Milliarden Euro. Würde die EZB die Anforderungen lockern und beispielsweise nur noch die Hälfte als Sicherheit verlangen, hätten die Banken zusätzlich 50 Milliarden Euro zur Verfügung. Dieses Geld könnten sie als Kredite ausreichen.

Kreditvergabe fördern auf britische Art

Der niedrigste Leitzins nützt nichts, wenn die Banken keine Kredite vergeben. Nach der jüngsten EZB-Umfrage klagt jedes neunte kleine und mittelgroße Unternehmen der Euro-Zone darüber, keinen Zugang zu Bank-Krediten zu haben. Mit einem Trick nach britischem Vorbild könnte die EZB das ändern. Dort können sich Banken für jedes Pfund, das sie kleinen und mittleren Unternehmen zur Verfügung stellen, zehn Pfund zu Vorzugskonditionen bei der Bank of England leihen.

Geringere Sicherheiten

Wenn Banken Geld von der EZB haben wollten, mussten sie bis 2007 Wertpapiere mit Top-Bonität als Sicherheit hinterlegen. Die Anforderungen hat sie seither mehrfach gesenkt - und könnte es weiter tun, um die Institute bei Kasse zu halten. Denn das ist die Voraussetzung für neue Kredite. Die Währungshüter könnten beispielsweise Aktien oder US-Staatsanleihen akzeptieren.

Liquidität für Förderbanken

Die Europäische Investitionsbank (EIB) kann am ehesten die kleineren und mittleren Unternehmen mit Geld versorgen. Seit 2009 kann sich die EIB bei der EZB Geld leihen, um es anschließend weiterzureichen. Die Währungshüter könnten solche Förderbanken mit zusätzlicher Liquidität ausstatten.

Langfristiger Ausblick

Die Kreditzinsen in vielen Krisenstaaten sind noch immer recht hoch. Um sie zu drücken, könnte die EZB nach amerikanischem Vorbild eine lange Niedrigzinsphase ankündigen. Die Federal Reserve hat erklärt, ihren Leitzins bis mindestens Mitte 2015 auf extrem niedrigem Niveau zu halten. Ringt sich die EZB zu einer ähnlichen Aussage durch, könnte dies die Zinsen im längeren Laufzeitbereich drücken.

Eine weitere "Dicke Bertha"

Die EZB hat Ende 2011 und Anfang 2012 die Banken mit zwei dicken Geldsalven von jeweils gut 500 Milliarden Euro geflutet. Draghi hatte diese in Anlehnung an ein deutsches Geschütz aus dem Ersten Weltkrieg als "Dicke Bertha" bezeichnet. Sie wirkten: Inzwischen zahlen viele Banken bereits wieder schrittweise das Geld zurück, das sie sich damals bei der EZB geliehen haben. Eine Kreditklemme in vielen Südländern gibt es trotzdem, weil dort die Nachfrage der Unternehmen wegen der Krise sehr gering ist und die Banken Geld horten - zum Teil aus Angst, zum Teil wegen der steigenden Kapitalanforderungen der Regulierer. Ob sich die EZB eines Tages dazu durchringt, wie die Bank von England den Banken Geld nur unter der Bedingung zu geben, dass sie es als Kredit an Firmen weiterreicht, bleibt abzuwarten. Das Experiment auf der Insel war nur mäßig erfolgreich. Denn die Notenbank kann Unternehmen nicht befehlen, Kredite zu nehmen und zu investieren.

Wertpapierkäufe

Sollte die Krise wieder eskalieren, bliebe der EZB noch der massenhafte Ankauf von Wertpapieren - beispielsweise von Staatsanleihen oder Bankanleihen. Im Sommer 2012 - auf dem Höhepunkt der Schuldenkrise - hatte Draghi versprochen, die EZB werde bei Bedarf und unter klar definierten Bedingungen Staatsanleihen von Problemländern kaufen - notfalls in unbegrenzter Höhe. Vor allem hierzulande hat dieses Versprechen der EZB Ärger eingehandelt. Sogar das Bundesverfassungsgericht beschäftigt sich damit, weil die EZB im Fall der Fälle das Verbot der Staatsfinanzierung aus Sicht ihrer Kritiker wohl brechen würde. Bis dato musste Draghi jedoch nicht eine Staatsanleihe kaufen.

Das österreichische Ratsmitglied Ewald Nowotny betonte, es gehe eher darum, „auf alle Eventualitäten“ vorbereitet zu sein. Das heiße nicht, dass „unmittelbare Schritte“ zu erwarten seien. Die EZB verfolge die Entwicklung der Inflationsrate aber genau und sei bereit, notfalls auch unkonventionelle Maßnahmen zu ergreifen. EZB-Vizepräsident Vitor Constancio bekräftigte in Brüssel Draghis Aussage von vergangener Woche, die EZB sei jederzeit in der Lage zu handeln: „Falls nötig, können wir schnell etwas tun“, sagte der Portugiese vor dem Wirtschafts- und Währungsausschuss des Europäischen Parlaments.

Kommentare (18)

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07.04.2014, 15:02 Uhr

Die nächste Blase wird alles wegfegen, und wir werden den rasanten aufstieg anderer Mächte erleben....

ein dank an die "Weitsicht" unserer Eliten...
die uns so richtig in den Schlamm gesetzt haben..

da bräuchte es schon einen Müchnhausen der uns am Schopfe wieder rauszieht...^^

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07.04.2014, 15:15 Uhr

Da bietet sich ein EZB gefoertertes europaeisches Rating an. Auf das vertrauen dann die bei ABS erfahrenen Landesbanken.

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07.04.2014, 17:37 Uhr

Die "Fernsteuerungs-Seuche" der Politik in Deutschland greift immer weiter um sich. Medien, GEZ-TV, Umfrage-Institute, "Meinungs-Forschung", Gerichte, öffentliche Ämter - alles wird unterwandert - und an die "politische Fernbedienung von Frau Merkel" angeschlossen.

So baut man sich eine Diktatur auf. CDU ist innerlich verfault und ausgetrocknet. Merkels Werk in Aktion.

"Wetten dass " ist nur eine Plattform zum Antreten der überzuckerten "Gutdünker-Promies", Angelina Jolie, Brad Pitt, Madonna, Lady Gaga, Sting, diese ganzen Welten-Retter .... die immer in Deutschland gefeiert und hofiert werden wollen.

Dann einen Bambi hinterhergeschmissen bei der Berlinale jedes Jahr.

Ekelhaft. Wer guckt den Müll ?? Ausser Senioren 70+ ??

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