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20.11.2013

12:52 Uhr

Euro-Krise

Weidmann stemmt sich gegen weitere Zinssenkung

Jens Weidmann spricht sich gegen eine weitere Lockerung der Geldpolitik in der Euro-Zone aus. Allerdings

Bundesbankpräsident Jens Weidmann: „Es ist gut, wenn wir im Rat um die richtige Entscheidung ringen, denn das führt am Ende zu besseren Ergebnissen.“ dpa

Bundesbankpräsident Jens Weidmann: „Es ist gut, wenn wir im Rat um die richtige Entscheidung ringen, denn das führt am Ende zu besseren Ergebnissen.“

BerlinBundesbankpräsident Jens Weidmann ist nach der jüngsten Zinssenkung gegen rasche weitere geldpolitische Schritte der EZB. „Der Rat der EZB hat doch gerade erst die Geldpolitik weiter gelockert, da halte ich es nicht für sinnvoll, gleich schon die nächste Runde einzuläuten“, sagte das EZB-Ratsmitglied der Wochenzeitung „Die Zeit“. Von ihren Instrumenten her sei die EZB noch nicht am Ende ihrer Möglichkeiten. Es stelle sich jedoch die Frage, ob der Einsatz sinnvoll sei: „Die Debatte über weitere Maßnahmen lenkt doch von den eigentlichen Krisenursachen ab.“

Beobachter diskutieren zurzeit, welche Möglichkeiten der EZB angesichts von Leitzinsen nahe null bleiben. Genannt werden insbesondere negative Zinsen auf Bankeinlagen bei der EZB, die Abschaffung der Mindestreservepflicht oder eine neue Runde langlaufender Notkredite für Geschäftsbanken (LTRO). EZB-Chefvolkswirt Peter Praet hatte unlängst auch die Option breitangelegter Wertpapierkäufe ins Gespräch gebracht.

Die Europäische Zentralbank (EZB) ist im Kampf gegen die Folgen der Schuldenkrise zum Äußersten bereit, wie EZB-Vizechef Vitor Constancio jüngst betonte. Auch den Kauf von Staatsanleihen oder anderen Wertpapieren in großem Stil schloss er nicht aus. Dieses Instrument sei im EZB-Rat bislang nur als Möglichkeit angesprochen, aber nicht detailliert debattiert worden.

Die Folgen der EZB-Niedrigzinspolitik

Schulden steigen

Künstlich niedrig gehaltene Zinsen befördern die Schuldenwirtschaft, insbesondere die der Staaten und der Bankenindustrie.

Spekulationswellen

Künstlich tiefe Zinsen lösen (inflationäre) Spekulationswellen aus, führen zu „Boom-and-Bust“-Zyklen: überhitzte Situationen, in denen, wenn niemand mehr bereit ist, Kredite zu finanzieren, alles in sich zusammenbricht.

Fehlinvestitionen werden künstlich am Leben gehalten

Ein künstlich tief gehaltener Zins befördert, dass unprofitable Investitionsprojekte also Fehlinvestitionen aufrecht gehalten werden.

Verminderter Reformdruck auf Krisenländer

Werden die Zinsen künstlich abgesenkt, so verringert sich der Reformdruck auf Regierungen und Banken, ihre Haushalte beziehungsweise Bilanzen zu verbessern.

Weidmann äußerte Verständnis für die jüngste Zinssenkung der EZB. „In der Tat haben wir es mit sehr moderaten Inflationsaussichten zu tun, und daher ist eine expansive Geldpolitik gerechtfertigt“, sagte er. Es sei vor allem um den Zeitpunkt des Zinsschritts gegangen und nicht um die Entscheidung als solche. Weidmann hatte der Zinssenkung auf ein neues Rekordtief bei 0,25 Prozent nicht zugestimmt. Die EZB begründete die Senkung mit dem schwachen Preisauftrieb im Währungsraum.

Berichte, wonach der Rat der Notenbank gespalten sei, wies Weidmann zurück: „Es ist gut, wenn wir im Rat um die richtige Entscheidung ringen, denn das führt am Ende zu besseren Ergebnissen.“ Kontroverse Debatten gebe es auch bei anderen Notenbanken wie der US-Notenbank Federal Reserve oder der britischen Zentralbank. „Doch darüber wird viel unaufgeregter berichtet.“

Kommentare (12)

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Account gelöscht!

20.11.2013, 13:06 Uhr

"Die Europäische Zentralbank (EZB) ist im Kampf gegen die Folgen der Schuldenkrise zum Äußersten bereit"

Alles klar, das Erleichtern des Schuldenmachens ist DER Schlüssel zur Lösung einer Schulden-/Kreditverschlechterungskrise.

Die Goldman-Sachs-Filiale in Frankfurt (EZB) zerstört gerade das Geldsystem und produziert durch ihre faul gedeckte Falschgeldflut Inflations- und Deflationsdruck gleichzeitig. Bravo, so ein paradoxes Kunststück hätten "Ökonomen" vor kurzem noch für unmöglich gehalten.

senfra@nefkom.net

20.11.2013, 13:24 Uhr

Aber Recht hat er doch. Technisch sind wir NICHT am Ende.
Mehr Praktisch !!

Bundesbankpraesidenten

20.11.2013, 13:28 Uhr

Eines weiss ich, vor sehr langer Zeit haben sich Bundesbankpraesidenten nicht staendig in der Presse wichtiggetan. Die Voergaenger des Herrn Weidmann waren diskret. Was will dieser Mann staendig in/von der Oeffentlichkeit? Er soll seine Arbeit tun, dafuer wird er bezahlt, sollte er von jemand daran gehindert werden, so soll/kann er von dem sehr gut bezahlten Posten zuruecktreten. Er hat gewiss genug, um vom Ersparten eine ganze Zeit leben zu koennen.

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