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03.07.2012

14:02 Uhr

Euro-Krise

Zinshoffnung treibt die Märkte an

VonJan Mallien

Seit dem Euro-Gipfel sind die Märkte weltweit in Feierlaune. Was sie treibt, ist die Hoffnung auf neue Aktionen der Zentralbanken. Alle Blicke richten sich nun auf die EZB. Doch auch anderswo ist noch etwas möglich.

Die Märkte setzen große Hoffnungen auf EZB-Chef Mario Draghi. dapd

Die Märkte setzen große Hoffnungen auf EZB-Chef Mario Draghi.

DüsseldorfSeit vergangenem Freitag kennen die weltweiten Märkte nur noch eine Richtung: nach oben. Während der Dax in den Vorwochen noch mit der 6000-Punkte Marke kämpfte, liegt er inzwischen bei über 6500 Punkten. Auch andere wichtige Aktienindizes, Rohstoffe und der Ölpreis haben deutlich zugelegt.

Hinter dem Kursfeuerwerk steckt aus Sicht von Analysten nicht allein die Freude über die Beschlüsse auf dem EU-Gipfel, sondern die Hoffnung auf neue geldpolitische Impulse der Zentralbanken - allen voran von der Europäischen Zentralbank (EZB). Diese tagt am Donnerstag. Viele Ökonomen rechnen damit, dass sie den Leitzins in der Eurozone von 1,0 Prozent um 25 Basispunkte auf 0,75 Prozent senken wird.

EZB-Chefvolkswirt Peter Praet hatte dies indirekt in Aussicht gestellt. „Es gibt keine Doktrin, dass der Leitzins nicht unter 1,0 Prozent liegen kann,“ sagte er. Andere wichtige Zentralbanken wie die US-Notenbank Fed, die Bank of England und die Bank of Japan haben ihre Leitzinsen schon seit langem de facto auf null Prozent gesenkt.

Börsianer zum EU-Gipfel

Oliver Roth, Kapitalmarktstratege bei Close Brothers

„Die Banken können sich nun leichter in der Krise rekapitalisieren als das bisher der Fall war. Bislang waren ja hauptsächlich die Nationalstaaten dafür verantwortlich. Diese Last ist den Staaten nun von den Schultern genommen, und damit wird zum Beispiel der Staatshaushalt von Spanien wesentlich entspannter.
Auch die nordeuropäischen Staaten werden dadurch entlastet, weil die Zinsen auf italienische oder spanische Staatsanleihen deutlich sinken dürften, und das ist gut für die gesamten Geschäftsbeziehungen.“

Citigroup

„Die Kursentwicklung geht über das hinaus, was gerechtfertigt ist. Erstens bedarf es Klarheit darüber, wie und in welchen Fällen Regierungen den ESM in Anspruch nehmen können. Wenn es nur zur Rekapitalisierung von Banken ist, wäre es nicht weitgehend genug, um die zugrundeliegenden Belastungen zu lindern. Zweitens bleiben beträchtliche Umsetzungsrisiken.
Die Regierungen müssen der EZB für ihre neuen Aufsichtsaufgaben Rechte übertragen. Dies könnte sich als umstrittener herausstellen als es die unmittelbare Marktreaktion vermuten lässt. Nach derartigen Ankündigungen ist der anfängliche Optimismus verpufft, sobald sich die Politiker an die Details machen. Wir würden uns nicht wundern, wenn sich dieses Muster wiederholt.“

Jörg Krämer & Christoph Weil, Volkswirte der Commerzbank

„In einer turbulenten Nachtsitzung haben sich die Regierungschefs überraschend grundsätzlich darauf geeinigt, den Banken der hochverschuldeten Krisenländern künftig direkt Hilfen zu gewähren und damit deren Staatshaushalte zu entlasten. (...)
Gemeinsame Anleihen tauchen nach Merkels klarem Nein nicht im Kommuniqué des Gipfels auf. Wir bleiben allerdings bei unserer Prognose, dass Deutschland solchen Anleihen am Ende zustimmen dürfte, wenn die Existenz der Währungsunion gefährdet wäre.“

Tim Waterer, Händler bei CMC Global Markets

„Der Markt ist ein bisschen überrascht, dass etwas substanzielles bei dem Gipfel herausgekommen ist. Die Details zum Zeitrahmen der Umsetzung dieses Plan wird darüber entscheiden, ob die aktuellen Kursgewinne nachhaltig sind.“

Holger Schmiedung, Berenberg-Chefvolkswirt

„Um den Markt zu beeindrucken, sind Eingriffe der EZB notwendig - etwa Interventionen am Anleihenmarkt oder erhebliche Liquiditätsspritzen für die Banken. Ohne EZB geht es nicht.“

"Wenn die EZB nichts macht, wäre das eine dramatische Überraschung," sagt Holger Schmieding, Chefökonom der Berenberg Bank. Er hält eine Zinssenkung um 25 Basispunkte für wahrscheinlich. Positiv überraschen könnte die EZB die Märkte aus seiner Sicht mit einer Zinssenkung um 50 Basispunkte oder weiteren Liquiditätshilfen für die Banken. "Dies könnte uns und der EZB einen ruhigen Sommer bescheren," schätzt Schmieding.

Im Dezember und Februar hatte die EZB bereits die Banken durch zwei langfristige Refinanzierungsgeschäften (LTRO) mit Geld versorgt und damit kurzzeitig für eine Beruhigung an den Märkten gesorgt.

Seit kurzem müssen Banken aus Euro-Krisenstaaten wie Spanien noch geringere Sicherheiten für Zentralbankgeld hinterlegen. EZB-Präsident Mario Draghi hatte zuvor betont: „Wir werden solventen Banken bei Bedarf weiterhin Liquidität zur Verfügung stellen.“

Die Beschlüsse des Euro-Gipfels im Überblick

Direkte Bankenhilfe

Um den Teufelskreis zwischen angeschlagenen Banken und Staatsfinanzen zu durchbrechen, sollen Geldhäuser direkt aus dem Rettungsfonds ESM rekapitalisiert werden, heißt es in der Gipfelerklärung. Durch die Notkredite wird sich dann die öffentliche Verschuldung nicht mehr erhöhen - und die Zinsen könnten sinken. Mit dem Beschluss wird eine Kernforderung Spaniens erfüllt. Aber auch Irland wird in Aussicht gestellt, davon Gebrauch machen zu können, um die Schuldentragfähigkeit zu erhöhen. Die Hilfe soll an „angemessene Bedingungen" geknüpft werden.

Bankenaufsicht

Voraussetzung für die direkte Bankenhilfe ist eine effiziente Aufsicht auf der Euro-Ebene. Die Kommission wurde beauftragt, in Kürze einen Vorschlag für einen entsprechenden Mechanismus zu präsentieren, an dem die Europäische Zentralbank beteiligt sein soll. Die Mitgliedsstaaten werden aufgerufen, den Gesetzesvorschlag vordringlich bis Ende des Jahres zu prüfen.

Rettung für spanische Banken

Das bereits zugesagte Rettungsprogramm für die spanischen Banken soll so schnell wie möglich beschlossen werden. Anders als bislang vorgesehen, sollen die Kredite der Europartner keinen Vorrang vor Krediten der Privatgläubiger haben, wenn das Geld aus dem ESM kommt. Im Falle einer Pleite müssten die öffentlichen Geldgeber also genauso verzichten wie die Privatwirtschaft.

Spar- und Reformverpflichtungen

Länder, die den Brüsseler Spar- und Reformverpflichtungen nachgehen, erhalten einen erleichterten Zugang zu den Rettungsschirmen. Wenn sie die Instrumente - etwa den Aufkauf von Staatsanleihen durch den Fonds - nutzen, müssen sie sich keinem zusätzlichen Anpassungsprogramm unterwerfen. Sie müssen lediglich eine Vereinbarung unterzeichnen, dass sie die Vorgaben aus dem Stabilitäts- und Wachstumspakt und die Hausaufgaben der Kommission fristgerecht erfüllen. Das ist ein großes Entgegenkommen an Italien, das bislang aus Sorge vor den strengen Konditionen vor dem Griff zum Eurotropf zurückgeschreckt war.

Zeitplan

Die Eurogruppe soll die Beschlüsse bis zum 9. Juli umsetzen.

Europäische Integration

Die Vertiefung der Eurozone wird vorangetrieben. Die Euro-Chefs einigten sich auf die Baustellen: Den Aufbau einer Banken-Union, einer Fiskal-Union und einer politischen Union. Im Arbeitspapier der Vierergruppe um EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy findet sich weiterhin der Unterpunkt einer schrittweisen Ausgabe von Gemeinschaftsanleihen. Die Bundesregierung wies die Mutmaßung von Italiens Ministerpräsident Mario Monti zurück, damit sei die Tür zu Euro-Bonds geöffnet. Über die Inhalte soll erst auf dem nächsten Gipfel im Oktober gesprochen werden.

Kommentare (14)

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Account gelöscht!

03.07.2012, 14:12 Uhr

Hoffnung worauf? Darauf dass ich einen Gewinn einstreiche der eh bald wertlos sein könnte? und das womöglich schneller als so mancher kucken kann? Washat sich denn seit dem EU-Gipfel wirklich geändert?

Es wird jetzt weitergezockt was geht und jeder nimmt mit was er noch kann....das ist Fakt, was anderes sehen wir hier momentan nicht.

Account gelöscht!

03.07.2012, 14:32 Uhr

Ja, die EZB muss alles tun damit die Aktien weiter steigen. Koste es was es wolle. So sieht es ja auch der EZB-Schattenrat, der vom HB mitgegruendet wurde. Auch die FED muss wieder helfen und auch gar China.

Also manchmal denke ich, ich habe einen boesen Traum. Hier geht es nur mehr um die Abzocke der Sparer und anderer konservativer Anleger zu Gunsten der Spekulanten.

Stula

03.07.2012, 14:47 Uhr

Vielleicht sollten sich FED und EZB zusammentun, damit Ben & Mario aus dem Helikopter mit der Bazooka ihre Quadratphantastmillionen abschießen können.

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