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17.05.2017

12:30 Uhr

Euro Stoxx 50

Bei Aktien gilt derzeit „Europa zuerst!“

VonJessica Schwarzer

Anlageexperten sehen aktuell gute Chancen und Nachholpotenzial für europäische Aktien. Für ein verstärktes Investment auf dem Kontinent spricht einiges. Doch auch eine andere Anlageklasse hat derzeit Potenzial.

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DüsseldorfSelten waren sich Anlageexperten derart einig. Fast wie im Chor tönt es aus den Research-Abteilungen der Banken und Vermögensverwalter: Europäische Aktien übergewichten! Die Chefstrategen und Chefvolkswirte sehen Nachholpotenzial. Für europäische Börsen sprechen derzeit in der Tat die Bewertungen, die aktuellen Wirtschaftsdaten und nachlassende politische Risiken.

Hieß es zuletzt frei nach Donald Trumps Wahlversprechen „America first“ an den Aktienmärkten, könnte die Devise für Anleger in den kommenden Monaten deshalb „Europe first“ lauten. „Die Märkte haben ihre Hoffnungen auf Donald Trump schon zu einem starken Anteil ausgepreist“, sagt Martin Lück, Leiter Kapitalmarktstratege bei Blackrock. US-Nebenwerte und amerikanische Value-Aktien, bis dato Gradmesser der „Make America great again“-Verheißungen, hätten ihre Outperformance in den letzten Wochen eingebüßt. „Dagegen läuft Europa immer besser, getrieben von guten volkswirtschaftlichen Zahlen und positiven Unternehmensberichten“, meint Lück.

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Der Dax nähert sich der 13.000-Punkte-Marke. Viele Banken haben daher ihre Kursziele angehoben. Wo die Experten der Geldhäuser den deutschen Leitindex am Jahresende sehen – und was den Aufschwung noch bremsen könnte.

Zwar stiegen auch diesseits des Atlantiks die Märkte in den Monaten nach Trumps Wahlsieg, aber Experten sehen noch immer Nachholbedarf. Der Dax notiert nahe seines Allzeithochs und hat im vergangenen halben Jahr fast 20 Prozent zugelegt. Noch ein bisschen besser schnitt der europäische Standardwerteindex Euro Stoxx 50 ab. „Natürlich sind die Märkte weit gelaufen und in den meisten Industrieländern liegen die Kurs-Gewinn-Verhältnisse über dem langfristigen Durchschnitt“, sagt Tilmann Galler, Anlagestratege bei JP Morgan Asset Management.

Wie Deutsche ihr Vermögen verteilen – und welche Folgen dies hat

Wo steckt das viele Geld?

Sparbuch und Co. werfen wegen der Zinsflaute kaum noch etwas ab, zugleich nagen die Niedrigzinsen an der Rendite von privaten Renten- und Lebensversicherungen. Dennoch liegt das Geld vor allem auf Girokonten, es steckt in Sparbüchern oder Lebensversicherung. Der größte Posten waren der Bundesbank zufolge Ende vergangenen Jahres Bargeld, Geld auf Girokonten oder Spareinlagen mit insgesamt 2.200 Milliarden Euro. Weitere 2.113 Milliarden Euro steckten in Versicherungen und Pensionseinrichtungen. 2016 hatten einer GfK-Umfrage zufolge 40 Prozent der Bundesbürger ihr Geld auf einem Sparbuch angelegt – wohlwissend, dass es sich um eine unattraktive Form der Geldanlage handelt.

Was ist mit Aktien?

Die meisten Menschen in Deutschland meiden Aktien nach wie vor. Die Zahl der Aktienbesitzer in Deutschland sank im vergangenen Jahr sogar wieder unter die Marke von neun Millionen. „Die Deutschen sind eben leider immer noch kein Volk der Anleger, sondern ein Volk der Sparer - daran hat selbst die anhaltende Niedrigzinsphase bis heute nichts ändern können“, meint der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Marc Tüngler.

Welche Folgen hat das?

Sparer verzichten nicht nur auf Gewinne durch steigende Börsenkurse, sondern auch auf Dividenden. Nach Berechnungen von Aktionärsvertretern schütten allein die 30 Börsenschwergewichte im Leitindex Dax in diesem Jahr die Rekordsumme von 31,6 Milliarden Euro an ihre Anteilseigner aus. Die Gewinnbeteiligung bei 640 untersuchten Aktiengesellschaften steigt im Vergleich zum Vorjahr um rund 9 Prozent auf die Bestmarke von insgesamt 46,3 Milliarden Euro.

Sind Aktien immer eine gute Wahl?

Nicht unbedingt. Zwar gelten die Anteilsscheine langfristig als lukrative Geldanlage. Wer beispielsweise Ende 1995 Aktien kaufte und bis Ende 2010 hielt, habe in diesem Zeitraum im Schnitt 7,8 Prozent Rendite pro Jahr erzielt, rechnet das Deutsche Aktieninstitut (DAI) vor. Doch nicht jede Aktie zahlt sich aus - wie die DSW-Liste der 50 „größten Kapitalvernichter“ zeigt. Wer dort investierte, musste herbe Kursverluste hinnehmen, „die durch die Dividendenzahlungen meist nicht ansatzweise kompensiert werden konnten“, wie Tüngler erläutert.

Wie ist der Reichtum verteilt?

Darüber gibt die Analyse der Bundesbank keine Auskunft. Der aktuelle Armut- und Reichtumsbericht der Bundesregierung kommt aber zu dem Ergebnis, dass die reichsten zehn Prozent der Haushalte mehr als die Hälfte des gesamten Netto-Vermögens besitzen. „Die untere Hälfte nur ein Prozent“, erläuterte Sozialministerin Andrea Nahles (SPD) jüngst. Von dem seit Jahren anhaltenden wirtschaftlichen Aufschwung in Deutschland profitieren danach vor allem die Reichen. „Die unteren 40 Prozent der Beschäftigten haben 2015 real weniger verdient als Mitte der 90er Jahre“, so die Ministerin.

Im Vergleich zu US-Aktien sind europäische Aktien aber noch günstiger. Während der S&P 500 auf ein durchschnittliches KGV von fast 19 kommt, ist der Dax mit dem 14-Fachen der erwarteten Gewinne für 2017 bewertet. Noch deutlicher ist der Unterschied beim Vergleich von MSCI USA und MSCI Europe: Die amerikanischen Werte kommen auf ein konjunkturbereinigtes KGV von gut 25, die europäische nur auf etwa die Hälfe – und das trotz der zuletzt sehr guten Börsenentwicklung. „Aber wir sind überzeugt, dass es zu früh ist, um die Aktienquoten runterzuschrauben“, sagt Galler. Anleger sollten die Anlageklasse weiter übergewichten.

Kommentare (2)

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Frau Edelgard Kah

17.05.2017, 13:57 Uhr

Sehr geehrte Frau Schwarzer,

ist doch alles richtig, was Ihre "Anlageexperten" so von sich geben. Amerikanische Aktien sind deutlich teurer als ihre europäischen Pendants. Amerikanische Anleger schichten einen Teil ihrer Depots in europäische Werte um und treiben damit deren Kurse in die Höhe. Wie lange die Amerikaner in Europa shoppen werden, wissen Ihre "Anlageexperten" allerdings nicht.

Wahrscheinlich haben die Jungs auch vergessen, dass der DAX sein vorletztes all-time-high im April 2015 erreichte. Und dass danach die Kurse zehn Monate lang abbröckelten, so dass sich bis Februar 2016 ein Verlust von rund 40 % aufsummierte.

Schade, dass Ihre "Anlageexperten" meinen Opa nicht gekannt haben. Der war nämlich Bauer und kannte sich aus mit den Jahreszeiten. Wußte, wann man säen muß und wann geerntet wird. Mein Opa hat auch gewußt, dass man beim all-time-high nicht Aktien zukauft, sondern Gewinne mitnimmt. Aber zugegeben, "Anlageexperte" war mein Opa nicht.

Herr Marc Hofmann

17.05.2017, 14:28 Uhr

Eigentlich habe ich von Aktien gar keine Ahnung.
Denn wer solche Investments tätigt, der bracht auch das Kleingeld dafür.
Leider bekomme ich vom Amt nicht so viel, und für das Kommentare schreiben gibt es auch nichts.

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