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20.02.2014

14:25 Uhr

Euro-Wirtschaft

Auf wackligem Erholungskurs

Während Deutschland auf dem Weg nach oben ist, bleibt Frankreich auf Talfahrt: Insgesamt erholt sich die Wirtschaft im Euro-Raum nur langsam, Rückschläge bleiben nicht aus. Unterdessen schrumpft Chinas Industrie erneut.

Deutschland schaltet einen Gang hoch: Die Firmen schafften so viele neue Stellen wie seit zwei Jahren nicht mehr. dpa

Deutschland schaltet einen Gang hoch: Die Firmen schafften so viele neue Stellen wie seit zwei Jahren nicht mehr.

BerlinDie Wirtschaft der Euro-Zone setzt ihre Erholung fort, bleibt aber anfällig für Rückschläge. Die Firmen aus dem Währungsgebiet kämpften sich im Februar weiter aus der Krise, ihr Wachstum verlor allerdings an Schwung, wie das Forschungsinstitut Markit am Donnerstag zu seiner Umfrage unter 4000 Unternehmen mitteilte. Zudem laufen die Geschäfte nicht überall gleich gut. Während Deutschland dank der Dienstleister einen Gang hoch schaltete, schrumpfte Frankreichs Wirtschaft wegen sinkender Aufträge und beschleunigte den Abbau von Jobs. Auf Impulse aus China können die Firmen derzeit kaum hoffen. Die Industrie der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft schwächelte im Februar bereits den zweiten Monat in Folge.

In der Euro-Zone fiel der Einkaufsmanagerindex für die Privatwirtschaft überraschend um 0,2 auf 52,7 Punkte. Das Barometer hielt sich aber den achten Monat in Folge über der Marke von 50 Zählern, ab der es Wachstum signalisiert. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten ein leichtes Plus erwartet.

„Die Rezession ist klar überwunden, aber die Konjunktur gewinnt nicht viel an Dynamik“, sagte Allianz-Ökonomin Claudia Broyer. Die Daten seien enttäuschend, dürften aber nicht überbewertet werden, ergänzte Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson. „Denn die Auftragszuwächse sind gerade so gut ausgefallen wie zuletzt Mitte 2011.“ Für das erste Quartal deute sich damit ein Wirtschaftswachstum von bis zu 0,5 Prozent an, nach 0,3 Prozent Ende 2013. Es wäre der beste Wert seit drei Jahren.

So stehen die Euro-Krisenländer da

Frankreich

Lage: Mit 0,3 Prozent wuchs die nach Deutschland zweitgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone im vierten Quartal 2013 etwas schneller als erwartet. Sie befreite sich damit aus der Stagnation. Dennoch reichte es im Gesamtjahr 2013 nur zu einem Plus von 0,3 Prozent.
Aussichten: Für 2014 rechnet die Notenbank mit einem Wachstum von 0,9 Prozent. Frankreich leidet unter einer hohen Arbeitslosigkeit. "Steigende Arbeitslosigkeit und Steuererhöhungen wirken sich negativ auf die Einkommen aus", befürchtet deshalb die EU-Kommission. Das bremse den Konsum.

Italien

Lage: Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte von Oktober bis Dezember 2013 um 0,1 Prozent zu. Das war das erste Wachstum seit Mitte 2011. Dennoch schrumpfte das BIP im Gesamtjahr 2013 um 1,9 Prozent.

Aussichten: Zwei Rezessionsjahren folgt eine kraftlose Erholung. 2014 wird von der EU-Kommission ein Wachstum von 0,7 Prozent erwartet, 2015 von 1,2 Prozent. Steigende Exporte dürften die Unternehmen zu mehr Investitionen ermutigen. Die Arbeitslosenquote soll 2014 noch einmal leicht steigen, was den Konsum dämpft.


Spanien

Lage: Der Notenbank zufolge ist das Bruttoinlandsprodukt im vierten Quartal 2013 um 0,3 Prozent gewachsen. Trotzdem dürfte die Wirtschaft 2013 das zweite Jahr in Folge geschrumpft sein - voraussichtlich um 1,2 Prozent.

Aussichten: 2014 soll es ein mageres Wachstum von 0,5 Prozent geben, erwartet die EU-Kommission. Das Plus soll sich 2015 auf 1,7 Prozent erhöhen. Sowohl Unternehmen als auch Verbraucher dürften durch den Umbau des Bankensektors nach wie vor schwer an Kredite kommen. Die Exporte sollen dagegen gut laufen und stetig zulegen.

Griechenland

Lage: Im Vergleich zum Vorjahresquartal ging es Ende 2013 noch einmal um 2,6 Prozent nach unten. Immerhin: Zu Jahresbeginn war die Wirtschaftsleistung noch um mehr als das Doppelte eingebrochen.

Aussichten: Das BIP soll 2014 erstmals seit sechs Jahren wieder wachsen, wenn auch nur um 0,6 Prozent. "2015 dürfte die Erholung an Kraft gewinnen, wenn die Investitionen zum Motor der Belebung werden", erwartet die EU-Kommission. Schwachpunkt bleibt die Rekordarbeitslosigkeit von aktuell 28 Prozent, die den Konsum bremst.


Portugal

Lage: Das Wachstum beschleunigt sich im vierten Quartal auf 0,5 Prozent. Dadurch schrumpfte die Wirtschaft 2013 nur noch um 1,4 Prozent, nach 3,2 Prozent 2012.

Aussichten: 2014 soll nach drei Minus-Jahren wieder ein Plus folgen. Dann dürfte ein Wachstum von 0,8 Prozent herausspringen, das sich 2015 auf 1,8 Prozent erhöhen soll, erwartet die Regierung. Wachstumstreiber sind vor allem die Exporte, aber auch die Binnennachfrage soll 2014 wieder anziehen.

Zypern

Lage: Um voraussichtlich 5,5 Prozent ist die Wirtschaftsleistung 2013 eingebrochen. Ursprünglich war sogar ein Minus von 8,7 Prozent erwartet worden, doch lief der private Konsum besser als angenommen.

Aussichten: 2014 wird ein weiteres Minus von 3,9 Prozent erwartet. "Die zyprische Volkswirtschaft sieht sich starkem Gegenwind ausgesetzt", so die EU-Kommission. Sowohl Konsum als auch Exporte dürften sinken. Erst 2015 wird mit einem Wachstum gerechnet, das aber mit 1,1 Prozent dünn ausfallen soll. Die Arbeitslosenquote dürfte 2014 auf 19,2 Prozent hochschnellen.

Für Commerzbank-Volkswirt Christoph Weil bleibt offen, ob die Europäische Zentralbank ihre Geldpolitik weiter lockert. „Auch nach den heutigen Daten steht es auf Messers Schneide, ob die EZB wie von uns erwartet die Zinsen noch einmal senkt.“

In den beiden größten Volkswirtschaften der Währungsunion ist das Gefälle nach wie vor groß. „Das Wachstum in Deutschland steht in krassem Gegensatz zur neuerlichen Talfahrt in Frankreich“, sagte Williamson. Damit steige das Risiko, dass Frankreich im ersten Quartal in die Rezession zurückfalle. In den Krisenländern laufe es hingegen so gut wie seit Anfang 2011 nicht mehr. Dort könne der Aufschwung zusehends an Breite und Nachhaltigkeit gewinnen.

In Deutschland sorgten vor allem die Dienstleister dafür, dass der gesamte Index um 0,6 auf 56,1 Punkte stieg und den höchsten Stand seit fast drei Jahren erreichte. Die Firmen schafften so viele neue Stellen wie seit zwei Jahren nicht mehr. Auch in der Industrie lief es besser als im Januar, allerdings verlangsamte sich das Tempo unerwartet deutlich.

Anders als in Deutschland musste Chinas Industrie erneut Federn lassen. Das Barometer von Markit und der Großbank HSBC fiel um 1,2 auf 48,3 Punkte und bleibt damit unter der Wachstumsmarke. Es ist der tiefste Stand seit sieben Monaten. Ein Abflauen in China ist Markit zufolge das größte Risiko für die deutsche Konjunktur.

Von

rtr

Kommentare (3)

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PeterKock

20.02.2014, 15:21 Uhr

Frankreich auf Talfahrt ??? Sollte Herr Hollande etwa alles gelogen haben mit den vielen Arbeitsplätzen die er schaffen wollte ? Woaran liegt es wohl das über 70 % der Franzosen Hollande nicht mehr sehen wollen ? Weil die Politik in Frankreich nicht mehr vom Volk getragen wird. Aber das wir(BRD) real 8 Millionen Arbeitslose haben = 20 % AL-Quote davon spricht auch hier keiner.

DINO

21.02.2014, 10:20 Uhr

"...... Deutschland auf dem Weg nach oben ist..."

Man könnte es ja glauben, wenn man es nicht wüsste, das vieles schön-blöd gerechnet und geredet und getrickst wird/wurde in unserem LAND und EU, die unantastbaren "Adeligen", speziell seit ROT-Grün !

Schade, für die beschämende Entwicklung in der EU + national, durch eine drittklassige Lobby-"Politik" !

Ein lupenreines Politikversagen !

mon_yburns@central.banktunnel.eu

24.02.2014, 10:59 Uhr

Frei nach Andrea Nahles: "Ich druck so viel Geld wie es mir gefällt ..."

http://weltgeld.urlto.name (oder, alternativ)
http://sch-einesystem.tumblr.com/post/77482724095

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