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30.03.2012

08:36 Uhr

Europäische Firmen

Vorsicht vor hohen Dividendenrenditen

VonUlf Sommer

Viele Konzerne aus dem Euro-Stoxx-50-Index beglücken ihre Anleger mit üppigen Ausschüttungen. Doch wer die Aktien auf Grund der starken Dividenden gekauft hatte, wurde in der Vergangenheit gleich doppelt bestraft.

Total war bislang ein verlässlicher Dividendenzahler - das könnte sich ändern. Reuters

Total war bislang ein verlässlicher Dividendenzahler - das könnte sich ändern.

DüsseldorfSie waren lange Zeit die verlässlichsten Zahlmeister: Eon und RWE. Wer die Titel in seinem Depot hatte, ärgerte sich zwar immer noch über höhere Strom- und Gaspreise. Doch der Aktionär konnte sich zumindest auf ebenso stetig steigende Dividenden und Kurse verlassen. Die Gewinne im Depot glichen die Verluste im familiären Haushalt wieder aus.

Mit den zwei Versorgern erzielten Anlegern stets Dividendenrenditen von vier und mehr Prozent – doppelt so viel wie mit langlaufenden deutschen Staatsanleihen. Als im vergangenen Jahr die Aktienkurse der beiden Titel jäh einbrachen, stiegen die Dividendenrenditen sogar auf mehr als sieben Prozent.

Doch ausgerechnet dann begannen die Probleme: Eon und RWE kürzten ihre Dividende, weil die Nettogewinne massiv einbrachen. Bei Eon sank 2011 das Nettoergebnis binnen eines Jahres von 7, 2 auf minus 1,9 Milliarden Euro. Schuld daran waren Abschreibungen in Südeuropa und vor allem Mindereinnahmen nach dem plötzlichen Ausstieg der Bundesregierung aus der Kernenergie. Wer also die Aktien auf Grund der starken Dividenden gekauft hatte, wurde gleich doppelt bestraft: Die Kurse fielen zusammen mit den Dividenden.

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Das gleiche Schicksal könnte Anlegern nun mit den europäischen Telekomriesen bevorstehen. France Télécom, Deutsche Telekom und Spaniens Telefónica glänzen zwar seit Jahren mit exzellenten Dividendenrenditen von sechs und mehr Prozent. Die Branche versucht sogar mit Dividendengarantien Anleger zu binden und davon zu überzeugen, wie zuverlässig die Unternehmen ihre Eigentümer beschenken. Doch genutzt hat es wenig.

Nachdem die Deutsche Telekom eine Dividende von mindestens 70 Cents je Aktie bis 2012 garantiert und ihre Ausschüttung von einst 78 auf 72 Cents gekürzt hat, drohen in den nächsten Jahren weitere Kappungen, wenn die Gewinne wie bislang einbrechen. 2011 steht einem Jahresüberschuss aus fortgeführten Aktivitäten von 670 Millionen Euro eine Dividende von drei Milliarden Euro gegenüber. Solch ein Missverhältnis ist in Deutschland beispiellos. Da tröstet es wenig, dass neben der Telekom auch Telefónica und France Télécom auf Dauer um Dividendenkürzungen nicht herumkommen werden.

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Selbst bei der spanischen Großbank Santander, die Jahr für Jahr ihre Dividenden kräftig erhöht hatte, ist die hohe Dividendenrendite von sieben Prozent kein Gütesiegel, sondern vielmehr ein Alarmsignal. Der bisherige Fels in der europäisch-amerikanischen Finanzkrisenbrandung muss für strengere Auflagen der Regierung in Madrid deutlich mehr Kapital zurücklegen, um sich gegen künftige Krisen der Branche zu wappnen. Insgesamt belaufen sich die Rücklagen der größten Bank im Euroraum bereits auf 6,1 Milliarden Euro. Das Geld fehlt für die künftigen Ausschüttungen. Zwar boomt der lateinamerikanische Markt immer noch. Doch in der Heimat schwächelt Santander angesichts der tiefen Rezession und hohen Arbeitslosigkeit. Die Ausschüttungen werden eher sinken als steigen – und mit ihnen der Aktienkurs.

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